Ein Paar, verheiratet und in der Swingerszene, ignoriert gesellschaftliche Konventionen
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ZEITjUNG: Unter dem Pseudonym "Young Stars" habt ihr ein Profil bei Joyclub.de, einem Onlineportal für gepflegte erotische Kontakte. Derartige virtuelle Kontaktbörsen gibt es viele, warum ausgerechnet diese Website?
Young Stars: Auf Joyclub sind wir nicht direkt gestoßen. Wir waren vorher auf einer der vielen anderen virtuellen Kontaktbörsen und haben auf einer Party für Paare von Joyclub erfahren. Unsere Neugier war so groß, dass wir gleich nach der Party reingeschaut haben und die Seite hat uns auf den ersten Blick gefallen.
Joyclub ist für uns wirklich eine stillvolle Seite für Menschen die Erotik gegenüber sehr aufgeschlossen sind.
Party für Paare?
Eine Party, auf der sich Paare zum Flirten und Kennenlernen treffen - daraus kann dann natürlich auch mehr werden, einmaliger Sex, Partnertausch, regelmäßige erotische Treffen oder auch eben nur eine nette Bekanntschaft.
Auf eurem Profil bei Joyclub sucht ihr Frauen und Paare für „Flirt, Freundschaft und Date“. Was erwartet ihr euch von dieser Anzeige?
Eigentlich haben wir keine Erwartungen mit unserem Profil. Wir sind wie viele andere Paare und Singles einfach neugierig Bekanntschaft mit gleichgesinnten und etwa gleichaltrigen zu schließen.
In erster Linie geht es uns darum nette junge Paare in unserer Umgebung kennenzulernen. Damit hatten wir auch schon Erfolg und es sind zwischen uns und anderen Paaren aus dem Joyclub schon richtig gute Freundschaften entstanden, woei das Thema Erotik und Sex nicht im Vordergrund steht.
Ihr seid beide Mitte zwanzig. Plattformen, auf denen Sex und Abenteuer gesucht und angeboten werden, sind doch nur was für ältere Leute, die keinen oder wenig befriedigenden Sex haben. Ein Missverständnis?
Ja. Denn das ist genau das Bild, welches die Öffentlichkeit von solchen virtuellen Communities hat. Wir müssen zugeben, dass wir anfangs auch so gedacht haben. Wenn man von Swingerclubs und Swingerportalen spricht, denkt man in erster Linie genau an diese älteren Leute, welche keinen oder wenig Sex haben.
Aber wir konnten zum Glück feststellen, dass es nicht so ist und es sehr viele junge Paare gibt, die ihr Sexleben einfach auffrischen wollen. Und wir haben das Gefühl, dass es immer mehr wird und das Thema weniger ein Tabuthema ist.
Gerade bei Joyclub kann man sehen, wie viele junge Paare, welche in einer festen Beziehung leben oder gar verheiratet sind, einfach ihren Horizont erweitern möchten und schlicht Spaß an der Sache haben.
Ihr seid verheiratet. Für viele Menschen ist Partnertausch, eine offene Beziehung oder beispielsweise auch Sex zu dritt ein absolutes No Go – insbesondere in einer Ehe. Für euch anscheinend nicht, warum?
Nein für uns ist das kein Problem. Im Gegenteil, wir sehen es als Bereicherung und haben Spaß dabei.
Selbstverständlich haben wir auch Sex miteinander und auch ohne eine dritte Person. Und das ist jedes Mal schön und etwas ganz Besonderes. Trotzdem ist der Partnertausch oder Sex zu dritt oder viert sehr reizvoll für uns. Wichtig dabei sind Grenzen die wir uns als Paar von Anfang an miteinander gesetzt haben. Wir haben oft darüber gesprochen, was der andere will und was nicht. So leben wir unser Sexleben aus und das gern auch mal mit anderen Leuten.
In unserer Gesellschaft ist Polygamie (Sex mit verschiedenen Leuten) mit negativen Begriffen, wie Untreue, Seitensprung oder Fremdgehen belegt. Es gilt als verwerflich - besonders, wenn man sich in einer Beziehung befindet oder verheiratet ist.
Was haltet ihr von dieser Einstellung?
Viele Beziehungen und Ehen gehen kaputt, weil ein Partner fremdgeht, untreu ist und hinter dem Rücken des Partners andere Frauen oder Männer trifft.
Sicherlich würden viele Menschen gerne mal einen Dreier oder ähnliches haben, setzen sich aber unter Druck, weil sie es „nicht dürfen“ oder sie verheimlichen diese Wünsche ihrem Partner. Im „schlimmsten Fall“ gehen sie fremd und schon steht eine Lüge zwischen den Partnern.
Zwar ist Polygamie in unserer Gesellschafft immer noch ein Tabuthema, wobei wir jedoch festgestellt haben, dass sich die Situation leicht verändert.
Bevor wir uns heimlich mit anderen Frauen oder Männern treffen, machen wir es zusammen. Wir gehen nicht fremd sondern „bekannt“.
Dadurch, dass wir miteinander reden und wissen was der Partner gerne möchte, können wir unsere Fantasien gemeinsam ausleben.
Und wenn uns jemand fragt, dann versuchen wir denen unsere Einstellung genau so rüber zu bringen und sachlich zu erklären und dabei sind wir auch schon auf viel Zuspruch gestoßen.
Wir wollen dabei jedoch niemanden mit unserer Einstellung von irgendetwas überzeugen, denn jeder muss für sich herausfinden was er will.
Was meint ihr? Warum denken die Menschen so - warum diese Engstirnigkeit? Was könnte das für Gründe haben?
In unseren Augen liegt es an jedem selber. Sex ist etwas sehr intimes. Aufgrund der älteren Generationen, bei der Sex oft nur im eigenen Bett und in den eigenen vier Wänden stattfinden musste, ist es einfach unvorstellbar, dass man diesen Spaß auch mit anderen teilen kann.
Wenn man Gefühle und Sex nicht trennen kann, dann sollte man das auch nur so genießen. Aber es gibt sehr viele Menschen, die Sex und Gefühle trennen können. Nicht umsonst gehen so viele Menschen fremd. Denn da dreht es sich doch nur ganz selten um Gefühle, vielmehr um den Reiz und die Lust, etwas Neues auszuprobieren.
Zudem können einige Menschen nicht teilen und sind sehr eifersüchtig.
Nehmen wir an einer von euch hat Sex mit einer dritten Person. Kommt es vor, dass der andere dann auch mal das Gefühl hat, der Sex mit der dritten Person sei für den Partner intensiver, schöner und leidenschaftlicher als der gemeinsame, der „eheliche“ Sex? Kann so etwas auch verletzten?
Wenn es passiert, dass einer von uns Sex mit einer dritten Person hat, dann ist keiner von uns eifersüchtig. Denn wenn die Eifersucht ins Spiel käme, würde es nicht funktionieren. Wie gesagt, der „eheliche“ Sex ist immer noch etwas ganz Besonderes. Denn der Unterschied zwischen dem „ehelichen“ Sex und dem Sex mit einer dritten Person sind die Gefühle.
Wenn der Sex beim Partnertausch dann intensiver, schöner oder leidenschaftlicher ist, kann uns das nicht verletzen, denn da sind keine Gefühle dabei, sondern es ist der Spaß an der Sache. Zudem ist es schön zu sehen, wenn der Partner Spaß hat und es ihm oder ihr gerade gefällt. Man gönnt es sich gegenseitig. Denn der Sex mit anderen ist eine Bereicherung und kein Ersatz.
Auf eurem Profil gebt ihr an, ihr hättet „intensive Swingererfahrung“ – was meint ihr damit?
Naja, wir sind jetzt schon seit über viereinhalb Jahren in der Swingerszene unterwegs und haben schon viele Erfahrungen machen können.
Mit „intensive Swingererfahrung“ ist gemeint, dass bei Sympathie und wenn die Chemie bei allen stimmt, auch (fast) alles passieren kann. Das fängt beim Küssen an und hört beim Partnertausch mit Geschlechtsverkehr auf. Wobei wir es gern haben, wenn man sich erstmal auf einen Drink oder so in einer Bar kennenlernt.
Stimmt alles, dann kann es eine einzelne Frau oder auch ein einzelner Mann sein, mit denen wir Spaß haben oder auch gern mal ein Paar (oder auch mehrere Leute), die sich verstehen, genau so denken und zusammen Spaß haben wollen.
Ihr habt bei Joyclub.de eine eigene Gruppe, „Young Generation“, gegründet. Hier werden Partys und Events für Paare organisiert, die Interesse am Partnertausch haben oder in der Gruppe Sex haben wollen. Wie muss man sich so eine Party vorstellen? Was unterscheidet sie von „normalen“ Partys?
Nach einer Party in einem Swingerclub, saßen wir und ein befreundetes Pärchen bei uns daheim und wir haben uns über die Veranstaltung unterhalten, darüber, was uns gefallen hat und was nicht. Dabei hatten wir uns überlegt, dass es doch mal eine Party geben sollte, die genau unseren Vorstellungen entspricht.
Leider hatten wir bis dahin so eine Party noch nicht gefunden. Also haben wir beschlossen eine eigene Party zu organisieren.
Wir wollten junge neugierige Paare, welche sich aufgrund der besagten Vorurteile nicht in einen Swingerclub trauen, zusammenbringen und sie vom Gegenteil überzeugen. So ist die Young Generation entstanden.
Wir wollten eigentlich erstmal nur eine Party machen, aber die Nachfrage war so groß, dass wir jetzt vier Mal im Jahr mit jungen Paaren feiern.
Wir bevorzugen „normale“ Partylocations - ohne Spielwiesen wie im Swingerclub. Dadurch nimmt man den jungen Paaren schon mal den Druck und den Zwang, dass sie denken, „es muss was passieren“. Zudem ist es eine reine Paare-Party mit einer Altersgrenze.
Wir waren auch schon in Swingerclubs, wo sich dann die Paare, welche sich auf unserer Party kennengelernt haben, auch miteinander vergnügen konnten.
Vorstellen kann man sich so eine Party nicht, man muss sie erleben. Eigentlich machen nämlich auch die Gäste die Party. Wir geben nur die Location und das Rahmenprogramm vor.
Unsere erste Party war in einer Bar und wir hatten einen Dresscode. Alle sollten in weiß und sehr sexy kommen. Und sie kamen auch. Über fünfundachtzig Paare haben mit uns die YG1 (Anmerkung der Redaktion: Young Generation 1) gefeiert. Mit zwei DJs und unseren sexy YG-Girls haben wir eine heiße Party gefeiert. Wir waren selber von dem Andrang und dem riesen Erfolg sehr überrascht.
Die Partys finden alle in geschlossener Gesellschaft statt und jeder, der kommt, weiß, dass alle anderen aus dem gleichen Grund da sind. Einfach um Leute kennenzulernen, zu flirten und zu feiern. Was daraus wird ergibt sich spontan und entscheidet jedes Paar für sich selber. Aber es ist eine erotisch prickelnde Atmosphäre, in der sich die Paare bei guter Musik und geiler Stimmung auch näher kommen.
Der Unterschied zu einer „normalen“ Party ist, dass alle Gäste viel offener miteinander umgehen. Keiner schaut den anderen blöd an oder regt sich über einen zu tiefen Ausschnitt oder zu kurzen Rock auf. Eine Party ohne Zwang und Druck und irgendwelche Vorurteile - aber mit viel Erotik.
Aus dieser Idee ist dann auch die Gruppe „Young Generation“ bei Joyclub gewachsen. Wir haben inzwischen schon weit über fünfhundertfünfzig Mitglieder.