Eurovision Song Contest 2011
"Schluss aus, Micky Maus!"
Kitsch und Sweetness in Düsseldorf, nächstes Jahr geht es ab nach Baku!
Da saß ich nun Samstag Abend mit einer Freundin vor der Glotze und guckte mir das mal so an. Ich mag weder die Musik, die da gezeigt wird, noch mag ich solche großangelegten Fernseh-Live-Shows. Aber gut, nun saß ich da und musste gucken. Der Eurovision Song Contest 2011 ist wie ein schlimmer Virus, der jeden ansteckt, egal ob man ihn herbeigewünscht hat. Und dann noch das ganze Lena hier, Lena da, Lena dieses, Lena jenes, Lena, Lena, Lena!
Doch wie Stefan Raab so nett sagte: „Schluss aus, Micky Maus!“. Der Hype sollte nun ein wenig abebben nach dem soliden 10. Platz, der zwar nicht spektakulär ist aber sich durchaus sehen lassen kann. Frau Meyer-Landrut wird es vielleicht sogar freuen. Endlich kann sie ein wenig Urlaub nehmen von dem Medienrummel. Ihr Auftritt wirkte sowieso trotzig, als hätte sie keine Lust mehr gehabt, die kleine süße Lena vom Vorjahr zu sein.
Der Song war mit Abstand der beste und ich mag diese Veranstaltung nicht. Also kann das nur bedeuten, dass es nicht das typische Eurovision-Kitsch-Geträller war. „Taken by a Stranger“ ist fast schon düster, Lenas dramatisch schwarzgeschminkten Augen versprühten einen Blick, als wollte sie Sex mit der Kamera haben.
Ab nach Baku!
Gewonnen haben aber dann doch El und Nikki, die eine harmlosere Variante der Bühnenerotik präsentierten (ZEITjUNG sah sie schon als Favoriten nach dem 1.Semi-Finale). Verwundert hat mich ihr Sieg in keinster Weise, bedienen sie doch perfekt die Anforderungen an einen Publikumsliebling: süß, putzig, nett anzusehen, kitschiger Song. Doch was war los mit dem Rest?
Ich war so naiv zu denken, es geht hier um Musik. Diesen Irrglauben legte ich ab, nachdem die Ukraine einen guten 4. Platz erreicht hatte. Wie kann man dieses furchtbare Gequietsche von Mika Newton so hoch bewerten? Ich überlegte mir tatsächlich bei der Übertragung von ihrem Song "Angel", den Fernseher auf lautlos zu stellen. Die Sängerin ist wirklich wunderschön, aber das wars dann auch schon.
Ballermann und Macarena-Visionen
Sehr beruhigt war ich dann bei „The Punktevergabe“ (Stefan Raab rockte den Abend mit witzigen Sprüchen), dass die Spanierin Lucia Perez mit „Que me quiten lo bailao“ nur den 23. Platz belegte. Bei dem nervigen Song hatte ich durchgehend Visionen von Sangria-saufenden Touristen beim „Macarena“-Tanz am Ballermann. Na Bravo!
Überzeugt bin ich außerdem, dass die Votings für Ungarn irgendwo in den Telefonleitungen steckengeblieben sind. Kati Wolf, die im Voraus als heiße Favoritin gehandelt wurde (ZEITjUNG traf Kati in Budapest), sowohl bei Buchmachern als auch bei den Zuschauern vom Eurovision-Kanal auf Youtube, belegte einen unglaublich schlechten 22. Platz. Nur eins über Ballermann. Einzig die Finnen erinnerten sich an ihre finnugrischen Sprachverwandten und vergaben ihre „12 points“ an Kati Wolf.
Punkte-Pingpong im Osten
Diese Punktevergabe ist auch so eine Sache. Ich brauchte doch ein wenig bis ich bei dem komplizierten System Durchblick hatte. Verwirrte Blicke zu meiner Freundin verrieten mir, dass es nicht nur mir so ging. Als ich endlich das Zahlen-Wirrwarr kapierte und mich über die aufgehübschten Moderatoren in ihrer Abendgarderobe amüsierte, begriff ich auch, dass hier großes Punkte-Pingpong zwischen den ehemaligen Ostblockländern getrieben wurde.
Ganz großes Kino war, als die polnische Moderatorin die Punkte verkündete. Mit dramatischen Pausen zwichen ihren in Slow Motion gesprochenen Sätzen erinnerte sie ein wenig an Heidi Klum, wenn sie nach einer gefühlten halben Stunde Atempause endlich verkündet „Ich habe heute kein Foto für dich“. 12 Punkte von mir an die lächerliche Punkteverkündung - war einen Lacher wert.
Jetzt ist der Songcontest endlich überstanden und ich kann wieder Musik hören, die mir tatsächlich auch gefällt. Boom Boom, Chaka Chaka! Diesen Virus muss ich wohl noch länger auskurieren.





