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Eine Hommage an Mario Balotelli

Du, Mario Balotelli, ich mag dich

29.06.2012

Ich weiß, du wurdest von klein auf gehasst, aber ich mag dich, Mario.

In „Du, ich mag dich“ gesteht die ZEITjUNG-Redaktion jeden Dienstag, für welche abgehalfterten, peinlichen oder einfach abgehobenen Promis wir doch insgeheim große Gefühle hegen. Und keine Angst: Es wird garantiert abgründig. Aus gegebenem Anlass präsentieren wir euch diese Liebesbekundung vom November 2011 noch einmal:
 
Lieber Mario,

Von Herzen, ganz wirklich, von Herzen hoff' ich, dass du einen guten PR-Berater hast. Dass das nur sein Werk war, was da neulich passiert ist. Seit Neuestem bist du das Gesicht einer Kampagne, die für Sicherheit beim Abfackeln von Feuerwerken wirbt. Ich frage mich wirklich, wie du darauf kommst, so etwas Blödsinniges wie Langweiliges zu tun. Das passt so überhaupt nicht zu dir.

Besser würde es passen, wenn du doch noch der Lüge überführt wirst und herauskommt, was eigentlich offensichtlich ist: Dass du es selber warst, der mit ein paar Knallern dein Badezimmer in Brand setzte und nicht, wie dein PR-Berater der Presse brav erzählt, "ein Freund und ein Freund deines Bruders". Das stimmt nämlich überhaupt nicht mit deiner sonstigen charmanten Scheißegal-Attitüde überein, wegen der ich dich so verehre.

Vielleicht muss ich etwas weiter ausholen, damit du das verstehst. In Deutschland wird immer wieder davon geredet, dass im Fußball die Typen fehlen würden. Zum Beispiel sagt das Stefan Effenberg. Der war früher selbst ein Typ und hat dem Publikum deshalb den Mittelfinger gezeigt. Und darum geht es ja auch. Nicht, wie einige meinen, darum, dass man auf dem Platz ein Führungsspieler ist.

Ein Typ, das ist einer wie dein Namensvetter Mario Basler, der trotz Leistungssport soff und rauchte. Oder vielleicht kennst du ja den Oliver Kahn, der war auch so ein Typ. Der wurde von den Fans nicht nur mit Bananen beworfen, der hat dafür auch mal einen Gegenspieler gebissen. Vielleicht ist Kahn dir am nächsten.

Wie du musste er den ständigen Hass der Fans ertragen und seine Kunst wurde von ihnen teilweise völlig missverstanden. Er hat das aber auch immer damit erklärt, er brauche den Druck und die Konzentration. Aber das ist Weicheier-Psychologie. In Wirklichkeit, da bin ich mir sicher, wäre Oliver Kahn gerne so wie du. Er hat es nie zu der lässigen Arroganz gebracht, wegen derer ich dich so mag.

Herrlich, wie du im Spiel gegen Manchester United nach deinem Tor dein Dress lupfst und drunter auf dem T-Shirt steht: "Why always me?" und dazu noch völlig ernst schaust. Das zeugt von wahrer Größe und davon, dass du mit deinem Talent selbstironisch umgehen kannst. Oder deine übermütigen Hackentricks, die du immer einflichst, ob es passt oder nicht. Das wollen wir doch sehen. Aber andere Fans scheinen das nicht zu verstehen.

Ich kann da vollkommen nachvollziehen, dass du sie auf dem Trainingsgelände von Manchester City mal mit Dartpfeilen beworfen hast. Oder dass du einmal, als du noch bei Inter Mailand warst, aus Unverständnis über die Wut des Trainers, einfach zu spielen aufhörtest. Es war ja nur das Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona.

Bleib also, wie du bist! Du darfst alles machen. Es ist doch egal, dass dein Auto schon fast 30-Mal abgeschleppt wurde, weil du falsch geparkt hast. Und ich bewundere dich wirklich für deine Ehrlichkeit. Bei einem kleinen Unfall mit einem Besitzer einer Manchester-City-Dauerkarte musste die Polizei kommen und hat sich dann ein bisschen gewundert, dass du 5000 Pfund in der Tasche hattest. Dabei liegt die Antwort auf der Hand und du hast es natürlich genau so gesagt: "Weil ich reich bin."

Ich hätte da nur eine kleine Bitte. Wir haben da in Deutschland einen sehr talentierten Fußballer, einen weiteren Namensvetter von dir. Mario Götze, heißt er. Er schickt sich aber an, neben Philipp Lahm und dem Frühlingsfest der Volksmusik – was das ist, erkläre ich dir ein andermal – das langweiligste Ereignis im deutschen Fernsehen und in deutschen Stadien zu werden.

Ruf ihn also bitte mal an und erklär' ihm, dass man auch mit 19 seinen Reichtum durchaus zur Schau stellen darf. Und dass er seinem Trainer Jürgen Klopp grundsätzlich widersprechen sollte – der hat schließlich nie so gut gespielt wie er. Vielleicht könntest du ihm zumindest die Nummer deines Friseurs geben. Ein aufregender Haarschnitt wäre auch schon einmal was. Oder du nimmst ihn mit, wenn du mal wieder auf Tour gehst – mit dem Mafiaboss durch Neapel oder auf einen Einbruch ins Frauengefängnis.

Du siehst also, lieber Mario, wir blicken sehnsuchtsvoll nach England.

Dein Elias

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Bildquelle: Alemaxale unter cc-by-sa