Zeitjung Online Zeitung - MSN Nachrichten

Eine Abrechnung mit dem Beziehungsstatus auf Facebook.

Hassobjekt: „In einer Beziehung“

05.03.2012
Hassobjekt

Der Facebook-Beziehungsstatus ist Fluch und Segen zugleich. Unsere Autorin Antonia hasst ihn einfach nur.

Wer kennt das nicht. Es ist Wochenende, man ist in Feierlaune. Zusammen mit seinen Freunden betritt man die erste Bar, nach ein oder zwei Bier steht sie auf einmal da: Eine Person, die dich von der ersten Sekunde an fasziniert. Man kommt ins Gespräch, stellt sich vor, was folgt ist eine stundenlange Unterhaltung über Gott und die Welt. Man ist hin und weg, scheint sich ewig zu kennen und blind zu verstehen. Mit dem einen oder anderen Drink intus bildet man sich ein: „Das muss mehr sein! Da steckt ein ganz großer Plan dahinter! Mit dieser Person fahre ich in den Hafen der Ehe, ich höre schön die Hochzeitsglocken läuten. Von diesem Moment werden wir unseren Enkeln erzählen“.

Schön und gut. Man verspricht sich also, sich wiederzusehen, Handynummern und Facebook-Accountdaten werden ausgetauscht, alles scheint geritzt. Mit einem Grinsen im Gesicht und Schmetterlingen im Bauch verabschiedet man sich. Zu Hause angekommen haut man sich ins Bett, schön den Laptop auf den Schoß und dann geht es los: Erstmal schön das gesamte Facebook-Profil auseinandernehmen.

PENG!

„In einer Beziehung“. Gedanken: What the fuck! Das kann jetzt nicht sein! Das darf jetzt einfach nicht wahr sein. Willst du mich eigentlich verarschen? Ist das jetzt dein Ernst du blöde, eben noch so zauberhafte Schlampe, du dreckiger Penner? Den ganzen Abend stehe ich bei dir, lasse meine Freunde deswegen im Stich, alle anderen potenziellen Männchen bzw. Weibchen lasse ich links liegen, gebe dir Getränke aus, zeige mich von meiner besten Seite, halte mich mit dem Alkohol zurück. Und du? Du hältst es nicht für nötig, nur kurz zu erwähnen, dass du eine „Beziehung“ hast?

Ruhig bleiben? Nö!

Ich finde, dass diese Menschen für ihre bekloppte Naivität verbal bestraft werden müssen. Was haben sie sich denn bitte dabei gedacht? Wie kann man ernsthaft glauben, dass der Andere, das „Opfer“, nichts in dieser Richtung denkt, wenn man den gesamten Abend aufeinander hängt und sich so gut versteht? Als ob wir zu zweit ins Kino gehen, weil ich den Film unbedingt sehen will. Den kann ich auch alleine sehen.

Als ob wir abends in eine Bar ein Glas Wein trinken gehen, weil der Wein so lecker ist und ich alleine keinen trinken kann. Da bleib ich doch lieber zu Hause und pfeife mir da eine ganze Flasche rein und spare auch noch Geld. Also raus mit dem ganzen Zorn. Auf Fragen wie: „Ist das jetzt dein Ernst?“, kriegt man dann meistens noch eine blöde „Hä, wieso ist das denn jetzt so ein Problem? Wir können doch trotzdem was unternehmen“-Antwort.

Die Sache mit dem Ex

Noch so etwas, was jeder kennen dürfte. An nichts Böses denkend surft man auf Facebook, schaut, was es bei den anderen so Neues gibt, wer mal wieder jeden letzten Dünnschiss im Netz verbreiten muss. Dann erneut, PENG: „Ex XY ist in einer Beziehung“. Na grandios. Er ist wieder vergeben. Ich nicht. Alle Welt will von mir wissen: „Wie es mir denn jetzt so geht?“ Ganz ganz toll! Innerhalb weniger Stunden hat derjenige 300 „Gefällt mir“-Klicks und zahlreiche „Oooh ich freu mich so für euch“-Kommentare. Zum Brechen! Da würde ich doch gerne darunter schreiben: „Dafür ist dein Penis klein!“

Und dann dieses Herzsymbol

Das ist dann so die richtige Keule ins Gesicht. Ein kleines, dummes, rotes Herz, was sämtliche Liebe auf wenige Pixel herunter bricht. Man möchte eine Schere nehmen und es aus dem Desktop schneiden! Ist ja gut, ich habe es verstanden. Ihr seid verliebt. Aber mal eine Frage: Wieso erscheint immer noch dieses Herz, wenn man sich trennt und seinen Status auf „Single“ ändert? Wie wäre es mal mit einem gebrochenen Herz-Symbol? Denk mal darüber nach, Mark Zuckerberg.

Es geht noch schlimmer: „In einer Beziehung mit...“

Der Fakt, dass der Ex neu verliebt ist, reicht wohl noch nicht. Nein, ich muss auch noch wissen mit wem. Bei meinem Glück hat die Auserwählte ein offenes Profil. Das heißt ich werde mir, früher oder später mit 100-prozentiger Sicherheit jedes Foto, jedes Zitat, jeden Post, einfach alles reinziehen, was man über von ihr finden kann. Es gibt dann zwei Möglichkeiten: Man entdeckt Schreibfehler, ganz blöde Kommentare, oder ihr gefällt „Grey's Anatomy“. Einfach Kleinigkeiten, die einem zeigen: Die Person kann mir nicht das Wasser reichen, scheiße aussehen tut sie auch: Glück gehabt! Oder der worst-case trifft ein: Die Person scheint interessant, klug, ist hübsch. Kopfschuss! Heulerei!

Mein Tipp: Verbergen, löschen, blockieren! Vorbei ist vorbei, sollen die Verflossenen doch machen, was sie wollen. Und wenn ihr in einer späten Nacht dann doch mal wieder auf sein oder ihr Profil geht um zu sehen, ob die drei kleinen Worte zusammen mit dem ekelhaften Herzsymbol immer noch nicht weg sind. Nehmt euch zumindest vor, es in der Zukunft nicht mehr zu tun, auch wenn ihr es vermutlich trotzdem immer wieder tut.

Foto: Antonia Schöberl