Reckt die iPhones in die Luft - über die Perversion des Handy-Filmens bei Live-Shows.
Hassobjekt: Handy-Filmer auf Konzerten
22.10.2012
Hassobjekt
Sie ruinieren jedes noch so schöne Konzert mit ihrer Gier nach digital festgehaltenen Momenten.
Jeder kennt sie, jeder hasst sie und doch brauchen wir sie wie die Luft zum atmen: Nervige Klientele und unnütze Gegenstände des Alltags, über die man sich so richtig schön echauffieren kann - da geht es den ZEITjUNG-Autoren nicht anders. Deshalb lassen wir unserer Wut in der neuen Reihe "Hassobjekt" einfach freien Lauf und geraten ab sofort immer Montags in Rage. Eins ist sicher: Nichts ist uns heilig und keiner wird verschont. Dieses Mal auf der Abschussliste: Handyfilmer auf Konzerten.
40 Euro für ein Konzertticket sind schon ein kleines Vermögen. Aber für Feist? Lohnt sich schon, kann man schon mal investieren. Also voller Vorfreude ab in die Konzerthalle, kühles Bier holen und dann einmal quer durch die Menge schieben bis der scheinbar optimale Platz für ein außergewöhnliches Musikerlebnis erkämpft ist. Leslie Feist betritt die Bühne in einem marineblauen bezaubernden Kleidchen. Charmant begrüßt sie das Publikum, greift zur akustischen Gitarre und schlägt den ersten Ton an.
Da beginnt das Gräuel. Wie eine willenlos programmierte Roboterarmee strecken in den Reihen vor mir Indie-Mädchen und Boyfriends, Musik-Machiavellisten und Early Adopter ihr leuchtenden Smartphones in die Höhe um diesen magischen Moment festzuhalten – und ihm damit seine ganze Magie zu rauben. In diesem Moment kocht in mir die Wut hoch, Aggression macht sich breit, absolutes Unverständnis für das Herdentier Mensch.
Überflüssiger Bullshit!
Anstatt die wunderbare Situation „Live-Konzert“ mit all ihrem Rock’n’Roll-Flair ganz tief ins eigene Erfahren aufzusaugen, mit Haut und Haaren zu erleben, versuchen die Handy-Filmer jeden einzelnen Moment festzuhalten, um ihn sich dann eingerahmt an die Youtube-Wand zu hängen. Kraftklub live in der Muffathalle, Bon Iver live in der Columbia-Halle. Das Netz ist überschwemmt von solchen Clips, die in Ton und Bildqualität so miserabel sind, dass kein noch so großer Fan länger als 10 Sekunden davon aushält. Überflüssiger Bullshit!
Außerdem terrorisieren die wie Wunderkerzen leuchtend in die Luft gereckten Technik-Teile jeden anderen Konzertbesucher, der die Show doch tatsächlich ohne drittes elektronisches Auge aufnehmen will. Wo ist da der Respekt? Vor den anderen zahlenden Gästen, vor allem aber vor dem Künstler, der mit Leidenschaft, Herz und Einsatz Menschen erreichen will und nicht ihr eiskaltes Weihnachtsspielzeug.
Pogo gegen iPhones
Wie Balsam auf meine Seele war da die kabarettistische Auslassung des – mit großem sarkastischen Humor gesegneten – Songwriters Olli Schulz, der beim Konzert in München voller Wut eine Anekdote von einem Konzert in Cottbus erzählte. Zwölf zahlende Gäste hatten sich zu seiner Show verirrt. Alle versteckten sich im hinteren Dunkel der Halle, bis ein so ein Rotzlöffel in die erste Reihe trat um dem armen Barden die Handy-Kamera ins verdutzte Gesicht zu recken. Da hörts doch auf! Da sind doch Grenzen überschritten!
Live-Musik-Erfahrung ist Schweiß und Stage-Diven, und Tanzen und Mitgrölen und Euphorie und Applaus und wild, roh und unzensiert. Darum sollten Handy-Kameras auf Konzerten nichts verloren haben. Sonst werden Menschen wie ich, beim noch so ruhigen Singer/Songwriter-Konzert zu punkigen Moshpit-Pogern, die einmal durch die Menge wüten um allen Amateur-Filmern ihre verdammten technischen Geräte aus der Hand zu bouncen. Nicht einmal die ruhige Melancholie einer Leslie Feist kann diesen Wutausbruch verhindern.
Bildquelle: iantmcfarland unter cc-by sa 2.0
40 Euro für ein Konzertticket sind schon ein kleines Vermögen. Aber für Feist? Lohnt sich schon, kann man schon mal investieren. Also voller Vorfreude ab in die Konzerthalle, kühles Bier holen und dann einmal quer durch die Menge schieben bis der scheinbar optimale Platz für ein außergewöhnliches Musikerlebnis erkämpft ist. Leslie Feist betritt die Bühne in einem marineblauen bezaubernden Kleidchen. Charmant begrüßt sie das Publikum, greift zur akustischen Gitarre und schlägt den ersten Ton an.
Da beginnt das Gräuel. Wie eine willenlos programmierte Roboterarmee strecken in den Reihen vor mir Indie-Mädchen und Boyfriends, Musik-Machiavellisten und Early Adopter ihr leuchtenden Smartphones in die Höhe um diesen magischen Moment festzuhalten – und ihm damit seine ganze Magie zu rauben. In diesem Moment kocht in mir die Wut hoch, Aggression macht sich breit, absolutes Unverständnis für das Herdentier Mensch.
Überflüssiger Bullshit!
Anstatt die wunderbare Situation „Live-Konzert“ mit all ihrem Rock’n’Roll-Flair ganz tief ins eigene Erfahren aufzusaugen, mit Haut und Haaren zu erleben, versuchen die Handy-Filmer jeden einzelnen Moment festzuhalten, um ihn sich dann eingerahmt an die Youtube-Wand zu hängen. Kraftklub live in der Muffathalle, Bon Iver live in der Columbia-Halle. Das Netz ist überschwemmt von solchen Clips, die in Ton und Bildqualität so miserabel sind, dass kein noch so großer Fan länger als 10 Sekunden davon aushält. Überflüssiger Bullshit!
Außerdem terrorisieren die wie Wunderkerzen leuchtend in die Luft gereckten Technik-Teile jeden anderen Konzertbesucher, der die Show doch tatsächlich ohne drittes elektronisches Auge aufnehmen will. Wo ist da der Respekt? Vor den anderen zahlenden Gästen, vor allem aber vor dem Künstler, der mit Leidenschaft, Herz und Einsatz Menschen erreichen will und nicht ihr eiskaltes Weihnachtsspielzeug.
Pogo gegen iPhones
Wie Balsam auf meine Seele war da die kabarettistische Auslassung des – mit großem sarkastischen Humor gesegneten – Songwriters Olli Schulz, der beim Konzert in München voller Wut eine Anekdote von einem Konzert in Cottbus erzählte. Zwölf zahlende Gäste hatten sich zu seiner Show verirrt. Alle versteckten sich im hinteren Dunkel der Halle, bis ein so ein Rotzlöffel in die erste Reihe trat um dem armen Barden die Handy-Kamera ins verdutzte Gesicht zu recken. Da hörts doch auf! Da sind doch Grenzen überschritten!
Live-Musik-Erfahrung ist Schweiß und Stage-Diven, und Tanzen und Mitgrölen und Euphorie und Applaus und wild, roh und unzensiert. Darum sollten Handy-Kameras auf Konzerten nichts verloren haben. Sonst werden Menschen wie ich, beim noch so ruhigen Singer/Songwriter-Konzert zu punkigen Moshpit-Pogern, die einmal durch die Menge wüten um allen Amateur-Filmern ihre verdammten technischen Geräte aus der Hand zu bouncen. Nicht einmal die ruhige Melancholie einer Leslie Feist kann diesen Wutausbruch verhindern.
Bildquelle: iantmcfarland unter cc-by sa 2.0











