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Sabine Hanse im Interview über ihr Heartelier

„Ich liebe die Fiktion und das Verspielte“

06.06.2012

Mit großem Willen und Organisation stellte Sabine Hanse ihr Heartelier auf die Beine. Ein Interview.

Sabine Hanse arbeitet mit Noten, Buchstaben, ihrer Digitalkamera, aber vor allem Acryl, Sprühfarben und Lack. Für ein Münchner Stadtmagazin schreibt sie über neue, lokale Talente, interviewt aber auch die ganz Großen wie die Turntablerocker. Sie schreibt schon immer Gedichte und träumt von einem Debütroman. Doch gerade hat sie zusammen mit ihrem Partner Patrik auch noch ein Unternehmen angemeldet: Das Heartelier.

ZEITjUNG.de: Wie bringt man so viele Interessen auf einmal unter einen Hut?

Sabine Hanse: Mit einem großen Willen und Organisation. Aber in erster Linie mit dem Willen. Und ich will es immer irgendwie auch noch alles auf einmal. Ich möchte auf der Gitarre spielen können, nicht morgen, sondern jetzt. Dazu möchte ich auch noch singen können. Na ja und die Malerei, die mache ich ja sowieso schon immer. Das in der Umgangssprache beliebte „eins nach dem anderen“ gibt es bei mir nicht. Das einzige, was diesem „dämlichen“ Willen in die Quere kommt, ist die Zeit. Davon gibt es einfach nicht genug (lacht). Denn wenn ich mehr davon hätte, dann würde ich mich noch mehreren Interessen widmen können.

Ihr kombiniert Fotografie und Malerei im Mix auf Leinwänden. Wer inspiriert dich besonders für diese Arbeiten?

Hm, also in erster Linie hoffe ich, dass ich allein schon eine Portion Kreativität mitbringe, die ich auf den Bildern umsetzen kann. So richtige Inspiration von jemandem für die Bilder, die ich bei heartelier anbiete, bekomme ich nicht. Ich halte die Augen natürlich immer offen für Farbkombinationen, schöne Orte, interessante Elemente und ich bin immer neugierig und hellhörig. So kann es schonmal vorkommen, dass ich mich zum Urlaub in einer Stadt befinde, die mich so fesselt, dass ich besonders viele Ideen und Gedanken habe. Grundsätzlich begleitet mich eine ständige Neugier und die lässt mich vieles sehen, erkennen oder interpretieren. Diese Gedanken, die wandle ich dann teilweise auf den Bildern um. Das kann eine cool bemalte Mauer sein, ein besonders schöner Text, ein ausgefallen dekorierter Laden, ein Song oder ein Bild eines anderen Künstlers sein. Ich bewundere und verfolge die Kunst von Mark Ryden und Camille Rose Garcia. Ich liebe die Fiktion und das Verspielte.

Wenn ein Hochzeitspaar sich vermählt, kann es bei euch ein passendes Kunstwerk erstehen. Fühlt sich das nicht wie die Kommerzialisierung deiner Arbeit an? Oder fördert und motiviert dich diese neue Aufgabe?


Sie fördert und motiviert mich und ich bitte den Kommerz, mich in seine Welt mit aufzunehmen. Ich kann es mir nicht leisten zu sagen, dass ich nicht kommerziell sein möchte. Denn mein Wunsch für meine Kunden, das Heartelier und für mich ist, dass wir ALLE glücklich sind. So ist es mir wichtig für jeden einzelnen Kunden ein außergewöhnliches Bild zu kreieren. Aber irgendwann möchte ich auch davon leben können und nichts anderes machen müssen als Bilder zu malen. Und ich bin davon überzeugt, dass es hier keinen anderen Weg gibt, als in das Geschäftsleben einzutauchen, Messen zu besuchen, Kärtchen zu verteilen und Likes zu bekommen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde: „Das brauch ich alles nicht, ich steh nicht auf Kommerz.“ Ich sammle likes!

Angenommen, ich möchte jetzt auch ein eigenes Gemälde von euch. Wie gehe ich vor? Was kostet mich das?

Du kontaktierst mich über das Kontaktformular auf meiner Homepage oder über Facebook. Dann werde ich dich anrufen und ich werde mit dir darüber sprechen, was du dir vorstellst, woran du erinnert werden möchtest und so weiter ... Ich lerne dich ein wenig kennen. Dann bitte ich dich, mir Fotos zu schicken. Je nach Größe des Bildes, brauche ich für ein 70x100 cm Bild ca. sechs Fotos von Personen und sechs von Elementen (Sonnenbrille, Tücher, Ring, Tor ...) Die werde ich dann in Photoshop bearbeiten und dir einen ersten Vorschlag der Bilder auf der Leinwand als Datei präsentieren. Natürlich ohne die Bemalung und die Farben. Dann vervollständige ich das Bild. Also im Prinzip musst du mich nur kontaktieren. (lacht) Ein Bild von einer Größe 70x100 kostet 290 EUR netto. 

Du bist gerade beruflich in London – klapperst du nebenbei Galerien ab, wie das Atelier MICMAC im Düsseldorfer Medienhafen, um darüber zu berichten, oder fährst du gezielt und privat dort hin?

Sowohl als auch. Ich liebe Städtereisen. Manchmal erfordert das mein derzeitiger Beruf, oft aber besuche ich die Städte auch aus persönlichem Interesse. In Düsseldorf hatte ich die ehrenvolle Aufgabe mein letztes Bild zu überreichen. Egal aber, ob ich beruflich oder privat da bin: Die gewisse Neugier bleibt immer vorhanden und deshalb knipse ich auch mal eben auf der Fahrt ins Büro ein paar Bilder oder eben beim gemütlichen Spaziergang. Die Galerien wähle ich nicht konkret. „Läuft“ mir aber eine über den Weg, dann nehme ich sie auch mit. Ich bin aber wirklich alles andere als ein fanatischer Galerienbesucher. 

Deiner Liebe zum Schreiben gehst du auf dem Blog der Homepage nach. Dort stellst du spannende Künstler vor – hast du eigentlich selber etwas in diese Richtung studiert? Oder eignest du dir das alles selbst an?

Weder noch. Ich habe nichts dergleichen studiert. Ich eigne mir auch nichts an. Im Gegenteil. Ich habe schon den ein oder anderen Kommentar bzgl. meiner Rechtschreibung bekommen. Da gibt es wohl immer mal wieder ein paar Fehler, die offenbar alle sehen, nur ich nicht (lacht). Aber ich habe schon immer geschrieben. Also mindestens so lange wie ich schreiben kann. Sei es für mich privat oder seit ein paar Jahren verdiene ich mir auch etwas Geld damit. Ich denke nicht lange über das nach, was ich schreibe. Das Schreiben fließt eben.

Bildquelle: Heartelier