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Duzen oder Siezen? Wann wird Kommunikation beleidigend?

Das Anrede-Chaos

06.06.2012
Das kannst du jetzt schon selbst

Wann soll man siezen, wann duzen? Und noch viel schlimmer: Warum wird man plötzlich selbst gesiezt?

Unsere Autorin Anja Schauberger schreibt jeden Mittwoch in ihrer Kolumne "Das kannst du jetzt schon selbst" über Situationen, in denen sie sich zuletzt richtig erwachsen gefühlt hat. Von der ersten Steuererklärung bis zum Kauf einer anständigen Matratze.

Ich stehe an der Supermarktkasse, der 16-jährige Kassierer gibt mir das Rückgeld, lächelt kurz und sagt dann: "Einen schönen Tag wünsch' ich ihnen noch!". Ich kann überhaupt nichts erwidern, so perplex bin ich. "Ihnen", wie alt sehe ich denn aus? Gut, natürlich ist es sein Job, höflich zu sein, Kunden freundlich anzusprechen. Ich fühle mich allerdings einfach nur unverstanden.

Anrede-Chaos

Auf dem Weg nach Hause gehe ich noch an der Tankstelle vorbei, um Tabak zu kaufen. Dort werde ich wie immer 
nach meinem "Perso" gefragt. Werde gefragt, "ob ich denn überhaupt schon 16 sei", während ich mit hochrotem Kopf meinen Ausweis heraus krame.

In der Uni werde ich natürlich gesiezt, in der Arbeit geduzt (zwar nicht aufgrund meines Alters, sondern weil es irgendwie schon zur Etikette lockerer, junger Firmen gehört). Alles in allem also ein ziemliches Anrede-Chaos. Über nette Omas ("Sie, Fräulein!") und kleine Kinder ("Hallo Sie!"), die mich siezen, kann ich mittlerweile gut hinwegsehen. Leute, die in meinem Alter sind und mich plötzlich siezen, beunruhigen mich allerdings sehr.

Duz- und Siez-Prinzipen

Aber auch, wenn ich mich an meiner eigenen Nase fasse und versuche meine Duz- und Siez-Prinzipien 
einmal mehr zu definieren; es mag mir einfach nicht gelingen. Warum duze ich den Paketmann Anfang 30, einfach, weil er nett und offen wirkt, sieze aber den 25-jährigen Anzugträger in der Straßenbahn? Ist es am Ende gar eine Sache der Sympathie?

Generell neige ich aber eher zu zu viel Siezerei. Irgendwann habe ich einmal eingetrichtert bekommen, wenn man sich nicht ganz sicher ist, lieber einmal zu siezen. Dass das bei manchen Menschen Anfang 30 auf großes Unverständnis stößt, kann ich äußerst gut nachvollziehen. Vielleicht ist es nämlich ganz einfach eine Sache des Gefühls. Und für mich fühlt sich ein "Sie" noch überhaupt nicht richtig an.


Bild: Anja Schauberger