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Entfernung, Betrug, Veränderung: So können Freundschaften zerbrechen.

Wie du X verloren hast

08.06.2012

Alles vorbei: drei Versionen vom Ende der Freundschaft.

Du hörst jemanden hinter dir lachen und kurz zuckt ein Blitz durch deinen Kopf. Kann das sein? Schnell drehst du dich um, aber das Pärchen, was im gleichen Moment an dir vorbeiläuft, kennst du nicht. Sie lachen weiter und rennen über die rote Ampel. Du bleibst stehen, suchst deinen Hausschlüssel, findest ihn nicht, denkst an X. Nur so, auf einmal erinnerst du dich. Vielleicht war es die Tonlage, die Lachmelodie? Natürlich weißt du, dass X nicht hier ist. Oder? Eigentlich weißt du nicht mal das. Du überlegst, ob du den scheiß Hausschlüssel gar nicht erst mitgenommen hast, oder ihn verdammt noch mal verloren und dann: Wie es überhaupt so weit kommen konnte ...

Version 1: Die Entfernung.

Alles war gut. X und du, ihr wart beste Freunde, definitiv cooler als der Rest und überall dabei. Klar, es gab immer irgendwelche, die noch mehr getrunken und noch länger getanzt haben als ihr, andere, die noch besser aussahen und wieder andere, die noch schlauer, oder witziger waren. Aber eigentlich auch nicht. Denn ihr wart eben zu zweit und wovon der eine weniger hatte, davon hatte der andere mehr. Nach ein paar Jahren bist du dann umgezogen, wie so viele, in eine Stadt mit neuen Möglichkeiten. Es gab E-Mails, Telefonate, Pakete, Postkarten und Besuche, immer wieder Besuche. 

Anfangs war das überhaupt kein Problem. Doch je mehr Zeit verging, desto deutlicher wurde die Entfernung. Bei jedem eurer Treffen dauerte es ein paar Stunden länger – brauchte es ein paar oberflächliche Dialoge mehr – bis wieder diese alte Nähe da war. Die Gespräche mit X kamen dir plötzlich anstrengender vor, als die mit deinen neuen Freunden. Irgendwann hast du dann kaum noch etwas gesagt. Auch X wurde stiller. Natürlich hattet ihr euch mindestens hundert Mal betrunken auf dem Bürgersteig vorm Burger King geschworen, immer füreinander da zu sein. Aber nicht mal das konnte das Wachsen der Entfernung aufhalten, nicht mal die endlose Mauer aus Erinnerungen. Oder?

Version 2: Der Betrug.

X und du und Y: Am Anfang war es einfach Spaß. Y war nämlich jemand, mit dem konnte man ohne Limit und vor allem ohne Konsequenzen so viel man wollte davon haben. X und du, ihr wart fest davon überzeugt, genau so locker zu sein. Also habt ihr drei euch abgewechselt. Y sagte immer: "Solange man jung ist, gibt es gar keinen Grund für Monogamie!". Und irgendwie war das für euch so vollkommen OK. Bis du plötzlich angefangen hast mit Y zu reden, ernsthaft zu reden, so, dass du dich am nächsten Tag an eure Gespräche erinnern konntest. Dir fiel auf, wie schlau, wie interessant Y eigentlich war. Aber es blieb nicht nur bei Interesse: Auf einmal waren da all diese gar nicht mehr so lockeren Gefühle, die du Party für Party unterdrücken musstest.

Nach einem langen Kampf der Gedanken hast du das X dann eines Abends auch erzählt – hast es halb als Frage, halb als Aussage formuliert, vielleicht sogar ein bisschen als Warnung. X war das betrunken allerdings ziemlich egal. Als du um Mitternacht keinen von beiden mehr finden konntest und fünf verpasste Anrufe plus deinen Stolz hinterlassen hast, bist du endlich nach Hause gegangen. Auch wenn es für X und Y nur wieder Sex war – für dich war es ein Vertrauensbruch, den du nie wirklich verzeihen konntest. Oder?

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