Hassobjekt: Cool sein wollen - in der Pubertät OK, als Erwachsener lächerlich
Hassobjekt: Ü-20-Coolness
19.06.2012
Cooles Getue ab zwanzig ist sinnlos und peinlich, findet unsere Autorin.
Ü-20-Coolness heißt so, weil sie nicht das gleiche ist wie pubertäre Coolness. Mit 14 hab ich mal vor meiner ganzen Klasse geheult, als ich eine fünf in einer Deutscharbeit zurückbekommen habe - das war ziemlich uncool. Ein Jahr später war ich mit dem Gitarristen einer Band zusammen - das war dagegen ziemlich cool. Geurteilt eben, nach dem Gesetz pubertärer Coolness, das alles für gut erklärt, was einen irgendwie erwachsen wirken lässt und gleichzeitig noch Spaß macht: rauchen, trinken, von zu Hause ausziehen, Sex, oder eine Meinung haben. Die Existenz pubertärer Coolness ist legitim, weil man a) eigentlich noch ein verdammtes Kind ist, b) die Gesellschaft lieber will, dass man endlich erwachsenen wird und c) man diese scheiß Situation ja wohl irgendwie verarbeiten muss.
Bei Ü-20-Coolness ist das etwas komplett Anderes. Aber bevor ich näher darauf eingehe warum, gebe ich euch lieber erst einmal etwas Plastisches zu diesem Begriff - zufällig stand mir nämlich gerade vor ein paar Tagen wieder die personifizierte Ü-20-Coolness gegenüber: Ein Mädchen, von der ich bereits wusste, dass sie knapp unter dreißig ist und eine bekannte Partyreihe in einer Großstadt organisiert. Ich stelle mich also lächelnd vor und gebe ihr die Hand. Sie: nickt, scannt mich rauchend von oben nach unten nach oben und zieht schließlich den Mundwinkel um zwei Millimeter nach rechts. Ihr Name? Wär ganz klar zu cool für mich. Der Rest sowieso. Auf meine Frage „machst du das schon lange mit dieser Partyreihe?“, bekomme ich als Antwort nämlich bloß ein weiteres stirnrunzliges Nicken und ihre Zigarette vor die Füße geworfen. Kein verdammter Scherz!
Masochistisch oder zurückgeblieben
Wär ich ein Hund, hätte ich danach wohl schnell den Schwanz eingezogen und Platz gemacht. Ich bin aber kein Hund, also habe ich nur dumm geguckt. Jaja, ein bisschen Hassobjekt bin ich hier ganz klar selbst mit dieser nicht gerade schlagfertigen Reaktion - doch genau da liegt eben auch das Machtgeheimnis der Ü-20-Coolness: Man rechnet nicht mir ihr. Wenn ich heute in einem kurzen Kleid an einer Gruppe von kleinen Jungs vorbeigehe, stelle ich mich schon darauf ein, dass mir gleich etwas hinterhergerufen wird und dann alle kichern. Das ist auch vollkommen okay, weil die Armen ja nur tun, was das Gesetz pubertärer Coolness ihnen diktiert. Wenn aber ein Ü-20er, von dem man annimmt, er habe ein gewisses Reifestadium erreicht, tatsächlich gerade noch postpubertiert und sich verzweifelt weiter an das alte Coolness-Getue klammert, kann das schon mal sprachlos machen.
Ich habe definitiv zu viele Situationen erlebt, in denen erwachsene Menschen mir unbedingt auf diese subtil überhebliche Art zeigen mussten, dass nett bei ihnen nicht zieht. Ich hab‘s so satt, mir immer wieder blöd vorzukommen, nur weil einige der Illusion unterliegen, sich selbst cool zu finden sei auch mit über zwanzig noch etwas Erstrebenswertes. Es ist echt lächerlich: Als würde es am Ende irgendwie zählen, dass man „cool“ war in diesem Leben, dass man immer schön seinen vermeintlich höheren Status klargestellt und die besten Witze auf Kosten anderer gerissen hat. Alle Gründe für Ü-20-Coolness sind entweder masochistisch, oder einfach nur zurückgeblieben. Ich bin keins von beidem und deswegen werde ich den nächsten, der sich mir gegenüber so verhält, einfach mal richtig fest umarmen.
Bildquelle: Andrew Ciscel(flickr.com) unter CC BY-SA 2.0
Bei Ü-20-Coolness ist das etwas komplett Anderes. Aber bevor ich näher darauf eingehe warum, gebe ich euch lieber erst einmal etwas Plastisches zu diesem Begriff - zufällig stand mir nämlich gerade vor ein paar Tagen wieder die personifizierte Ü-20-Coolness gegenüber: Ein Mädchen, von der ich bereits wusste, dass sie knapp unter dreißig ist und eine bekannte Partyreihe in einer Großstadt organisiert. Ich stelle mich also lächelnd vor und gebe ihr die Hand. Sie: nickt, scannt mich rauchend von oben nach unten nach oben und zieht schließlich den Mundwinkel um zwei Millimeter nach rechts. Ihr Name? Wär ganz klar zu cool für mich. Der Rest sowieso. Auf meine Frage „machst du das schon lange mit dieser Partyreihe?“, bekomme ich als Antwort nämlich bloß ein weiteres stirnrunzliges Nicken und ihre Zigarette vor die Füße geworfen. Kein verdammter Scherz!
Masochistisch oder zurückgeblieben
Wär ich ein Hund, hätte ich danach wohl schnell den Schwanz eingezogen und Platz gemacht. Ich bin aber kein Hund, also habe ich nur dumm geguckt. Jaja, ein bisschen Hassobjekt bin ich hier ganz klar selbst mit dieser nicht gerade schlagfertigen Reaktion - doch genau da liegt eben auch das Machtgeheimnis der Ü-20-Coolness: Man rechnet nicht mir ihr. Wenn ich heute in einem kurzen Kleid an einer Gruppe von kleinen Jungs vorbeigehe, stelle ich mich schon darauf ein, dass mir gleich etwas hinterhergerufen wird und dann alle kichern. Das ist auch vollkommen okay, weil die Armen ja nur tun, was das Gesetz pubertärer Coolness ihnen diktiert. Wenn aber ein Ü-20er, von dem man annimmt, er habe ein gewisses Reifestadium erreicht, tatsächlich gerade noch postpubertiert und sich verzweifelt weiter an das alte Coolness-Getue klammert, kann das schon mal sprachlos machen.
Ich habe definitiv zu viele Situationen erlebt, in denen erwachsene Menschen mir unbedingt auf diese subtil überhebliche Art zeigen mussten, dass nett bei ihnen nicht zieht. Ich hab‘s so satt, mir immer wieder blöd vorzukommen, nur weil einige der Illusion unterliegen, sich selbst cool zu finden sei auch mit über zwanzig noch etwas Erstrebenswertes. Es ist echt lächerlich: Als würde es am Ende irgendwie zählen, dass man „cool“ war in diesem Leben, dass man immer schön seinen vermeintlich höheren Status klargestellt und die besten Witze auf Kosten anderer gerissen hat. Alle Gründe für Ü-20-Coolness sind entweder masochistisch, oder einfach nur zurückgeblieben. Ich bin keins von beidem und deswegen werde ich den nächsten, der sich mir gegenüber so verhält, einfach mal richtig fest umarmen.
Bildquelle: Andrew Ciscel(flickr.com) unter CC BY-SA 2.0












