Briefe mit Gefühlen nie abschicken, oder seine Gefühle bloggen?
Zeilen an mich selbst
20.06.2012
Anstatt ihre Gefühle im Internet preiszugeben, schrieb Danila Briefe an ihren Vater, die sie nie abschickte.
Karin schreibt: "Mein lieber Fritz, nun sind schon zwei Monate vergangen und ich vermisse dich immer noch so sehr. Was ist nur mit uns passiert? Kannst du mir das sagen? Ich liebe dich doch immer noch so sehr, was habe ich nur getan?" Der liebe Fritz hat Karin allem Anschein nach verlassen. Ihre Traurigkeit publiziert Karin im Internet. Dabei ist doch eigentlich Privatsache, sollte man meinen.
Es wäre doch viel schöner Stift und Papier zur Hand zu nehmen, um seiner Trauer auf diese Weise Luft zu machen. Wenn man es nicht persönlich machen will und kann. Aber hilft es denn wirklich seine Gefühle in Form eines Briefes aufzuschreiben und diesen niemals abschicken? So erfährt das Gegenüber ja nicht, dass es einem schlecht geht. Will man nicht eigentlich dem anderen persönlich sagen, wie scheiße und verletzt man sich fühlt? Ihm so richtig unter die Nase reiben, dass es absolut daneben war was er getan hat.
Du, ich hab ein Problem mit dir!
“Ich habe diese Briefe geschrieben, weil für mich schreiben immer erleichternd war” so Danila Stock, eine Schülerin aus Hamburg. Sie richtet ihre Briefe an ihren Vater. “Obwohl ich sie nicht abgeschickt habe, konnte ich dennoch meine Trauer dadurch verringern. Wie man so schön sagt: von der Seele schreiben” berichtet Danila. Es ist also erleichternd Briefe zu schreiben und Gefühle zu vermitteln, ohne damit einen Streit von der Latte zu brechen.
Schreiben fällt ja generell leichter als etwas persönlich auszusprechen. Ruck zuck hat man seine Gefühle dem Papier anvertraut. Das Papier kann ja nicht sagen: “Du spinnst doch total”. Manchmal kostet es Überwindung jemanden direkt zu sagen, welches Problem man mit ihm hat.
“Früher mochte ich lieber schreiben, als andere mit meinen Problemen zu belasten! Das Schreiben ist ein Freund genauso wie das Lesen”, sagt Danila. Vielleicht ist man einfach noch nicht bereit dazu, dem Verlorenen oder Geliebten zu sagen, wie bescheuert es ist, was er macht oder wie man sich fühlt. Hat nicht jeder noch irgendwo einen Liebesbrief herumliegen, der nie abgeschickt wurde, aus Angst ausgelacht zu werden?
Mein bester Freund, das Papier
Es bleibt aber nicht dabei, seinen Unmut nur in Briefe zu packen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Foren im Netz, in welchen man einfach und schnell an seine verstorbenen Geliebten schreiben kann. Die User wissen meistens gar nicht wie weit ihre Daten weitergereicht werden. Natürlich kann man auf diesem Weg sein Leid mit anderen Betroffenen teilen, aber ist es nicht eigentlich doch einfach Privatsache? Selbst fände man es ja auch nicht toll auf einmal zu sehen, was über einen was im Netz geschrieben worden ist, wie scheiße eine andere Person einen findet. So etwas wie Datenschutz spielt wohl da leider keine Rolle.
Vielleicht ist es die Angst eine geliebte Person zu vergessen und der einzige Weg, seine Worte an die betroffene Person zu richten. “Hat man eine Person gefunden, der man alles sagen kann ohne, dass man sich schlecht fühlt, dann mag ich auch gerne darüber reden”, so Danila. Man sollte also trotzdem immer versuchen mit jemanden über seine Probleme zu reden.
Die Briefe helfen ihr mit ihrem Gewissen rein zu werden, ihre Zielperson erreichen sie allerdings nicht. “Warum ich die Briefe nicht abschicke? Ich glaube, dass hatte ich nie vor, sie sollten nur mir helfen und ich war noch nicht soweit um wieder Kontakt mit meinem Vater aufzunehmen”, erzählt Danila.
Gefühlsbaustelle
Es ist eine schöne Methode seine Angst, Trauer und Wut los zu werden. Gefühle, die niemanden etwas angehen, behält man lieber für sich. Wenn man es kann, sollte man trotzdem immer eine Bezugsperson haben, mit der man darüber reden kann. Seine Trauer aber auf irgendwelche Internetseiten zu posten, ist doch etwas übertrieben. Da stellt man sich die Frage: Wollen diese Menschen nur Mitleid oder suchen sie jemanden zum Reden? Eines ist klar: Es hilft wirklich. Ein Teil des Gefühlschaoses bricht von einem ab und man kann sich wieder schöneren Dingen widmen.
Foto: Thomas Kamann unter cc-by-sa
Es wäre doch viel schöner Stift und Papier zur Hand zu nehmen, um seiner Trauer auf diese Weise Luft zu machen. Wenn man es nicht persönlich machen will und kann. Aber hilft es denn wirklich seine Gefühle in Form eines Briefes aufzuschreiben und diesen niemals abschicken? So erfährt das Gegenüber ja nicht, dass es einem schlecht geht. Will man nicht eigentlich dem anderen persönlich sagen, wie scheiße und verletzt man sich fühlt? Ihm so richtig unter die Nase reiben, dass es absolut daneben war was er getan hat.
Du, ich hab ein Problem mit dir!
“Ich habe diese Briefe geschrieben, weil für mich schreiben immer erleichternd war” so Danila Stock, eine Schülerin aus Hamburg. Sie richtet ihre Briefe an ihren Vater. “Obwohl ich sie nicht abgeschickt habe, konnte ich dennoch meine Trauer dadurch verringern. Wie man so schön sagt: von der Seele schreiben” berichtet Danila. Es ist also erleichternd Briefe zu schreiben und Gefühle zu vermitteln, ohne damit einen Streit von der Latte zu brechen.
Schreiben fällt ja generell leichter als etwas persönlich auszusprechen. Ruck zuck hat man seine Gefühle dem Papier anvertraut. Das Papier kann ja nicht sagen: “Du spinnst doch total”. Manchmal kostet es Überwindung jemanden direkt zu sagen, welches Problem man mit ihm hat.
“Früher mochte ich lieber schreiben, als andere mit meinen Problemen zu belasten! Das Schreiben ist ein Freund genauso wie das Lesen”, sagt Danila. Vielleicht ist man einfach noch nicht bereit dazu, dem Verlorenen oder Geliebten zu sagen, wie bescheuert es ist, was er macht oder wie man sich fühlt. Hat nicht jeder noch irgendwo einen Liebesbrief herumliegen, der nie abgeschickt wurde, aus Angst ausgelacht zu werden?
Mein bester Freund, das Papier
Es bleibt aber nicht dabei, seinen Unmut nur in Briefe zu packen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Foren im Netz, in welchen man einfach und schnell an seine verstorbenen Geliebten schreiben kann. Die User wissen meistens gar nicht wie weit ihre Daten weitergereicht werden. Natürlich kann man auf diesem Weg sein Leid mit anderen Betroffenen teilen, aber ist es nicht eigentlich doch einfach Privatsache? Selbst fände man es ja auch nicht toll auf einmal zu sehen, was über einen was im Netz geschrieben worden ist, wie scheiße eine andere Person einen findet. So etwas wie Datenschutz spielt wohl da leider keine Rolle.
Vielleicht ist es die Angst eine geliebte Person zu vergessen und der einzige Weg, seine Worte an die betroffene Person zu richten. “Hat man eine Person gefunden, der man alles sagen kann ohne, dass man sich schlecht fühlt, dann mag ich auch gerne darüber reden”, so Danila. Man sollte also trotzdem immer versuchen mit jemanden über seine Probleme zu reden.
Die Briefe helfen ihr mit ihrem Gewissen rein zu werden, ihre Zielperson erreichen sie allerdings nicht. “Warum ich die Briefe nicht abschicke? Ich glaube, dass hatte ich nie vor, sie sollten nur mir helfen und ich war noch nicht soweit um wieder Kontakt mit meinem Vater aufzunehmen”, erzählt Danila.
Gefühlsbaustelle
Es ist eine schöne Methode seine Angst, Trauer und Wut los zu werden. Gefühle, die niemanden etwas angehen, behält man lieber für sich. Wenn man es kann, sollte man trotzdem immer eine Bezugsperson haben, mit der man darüber reden kann. Seine Trauer aber auf irgendwelche Internetseiten zu posten, ist doch etwas übertrieben. Da stellt man sich die Frage: Wollen diese Menschen nur Mitleid oder suchen sie jemanden zum Reden? Eines ist klar: Es hilft wirklich. Ein Teil des Gefühlschaoses bricht von einem ab und man kann sich wieder schöneren Dingen widmen.
Foto: Thomas Kamann unter cc-by-sa











