Abercrombie castet Verkäufer: Image oder Qualität?
Abercrombie's Next Topmodel
22.06.2012
Abercrombie versucht, sich durch sexuelle Reize zu vermarkten: Geht das gut?
Von außen ein verwinkeltes Gebäude, einst eine alte Bank oder Post, alles in dunklem Holz auf alt gemacht. Drinnen brennt nur wenig Licht. Im dunkeln quasi tastet man sich voran. Versucht nebenbei total cool an dem gut aussehenden Mann am Eingang vorbei zu gehen. “Welcome to Abercrombie”, sagt der total locker und zaubert ein überirdisches Lächeln hervor. Ohne auf die Schnauze zu fallen, versucht man genauso bezaubernd zu lächeln. Was aber nicht gelingt. “Wuuusch”, eine Klatsche von dem süßlichen Geruch des wohlbekannten All-Männer-Parfums “Fierce” schlägt einem ins Gesicht. Noch undeutlich zu erkennen, öffnet sich einem dann das breite Modesortiment des Flagstores Abercrombie & Fitch.
Casting
Etwas betört von dem ganzen Parfum und halb taub von der extrem lauten Musik, schiebt man sich durch die Gänge und trifft an jeder Ecke auf ein bildhübsches Mädel oder einen durchtrainierten Kerl. Sind alle wohl Models, so gut, wie die aussehen. Wer dort arbeitet gehört bestimmt zu den hübschesten Personen der ganzen Modewelt. Aber wie machen die das? Abercrombie castet seine Mitarbeiter. Sie müssen ja schließlich die Marke mit einem abnormal perfekten Gesicht und Körper vertreten.
Aber zu einem Casting kann ja eigentlich jeder gehen, oder? Was man beachten sollte, wenn man dort aufkreuzen will: Als Mädel sollte man nur dezent geschminkt sein, einen tollen Körper haben, möglichst dunkle Haare haben und auf jeden Fall etwas von Abercrombie tragen. Als Junge sollte man gut durchtrainiert sein, ein schönes und fotogenes Gesicht haben und natürlich auch etwas von Abercrombie über den schönen Muskeln präsentieren.
“Models müssen als Mitarbeiter im Unternehmen gearbeitet haben, bevor sie in Abercrombie & Fitch-Anzeigen zu sehen sind”, steht auf der Abercrombie Website. Alles locker. Einfach hingehen, bewerben, genommen werden und dann Abercrombie Model werden. Wenn es doch so einfach wäre. Erst mal zu einem der Castings gehen und mit den werten Herren reden, außer man wurde von einem Schon-Mitglied rekrutiert. Dann wird ein Video angeschaut, ein bisschen geredet und dann kann man sich wieder verdünnisieren. Mit viel Glück wird man dann angerufen und darf im Flagstore arbeiten. Wer weiß, vielleicht wird daraus ja das nächste top-zu-perfekt-hübsche Gesicht der neuen Kampagne.
Oberflächlich?
Versucht man den Store in irgendeiner Weise zu kontaktieren, um mal nachzufragen, wie das alles so abläuft, ist schnell bemerkt, dass das nicht so einfach ist. Unzählige E-Mails und Telefonanrufe ergeben keine Rückmeldung. Abercrombie besitzt nämlich nicht so etwas wie einen Pressesprecher. Direkt beim Casting Standpunkt erwischt man dann telefonisch doch jemanden. Die Frage, ob nur Models eine Chance in dem Job haben, wird zwar mit einem Nein beantwortet, aber auf die Frage, ob es nicht zur Oberflächlichkeit neigt, dass “Verkäufer” gecastet werden, folgt eine lange Pause. “Willst du denn selber mit machen?”, fragt das nette (bestimmt total hübsche) Mädel am Telefon. Sie weiß also nicht, wie sie damit umgehen soll. Kritische Fragen werden wortkarg beantwortet, selbst auf mehrmaliges Fragen kommt keine Antwort.
Abercrombie gleicht einem pubertierenden 16-jährigen. Trotzig, frech und ja keine Kritik annehmen. So sehen auch die männlichen “Verkäufer” aus. Sie sind alle komplett enthaart und haben charmante, fast kindliche Gesichtszüge. Älter als 20 sieht da keiner aus. Immer ein Lächeln auf dem Gesicht und alle samt Sixpacks. Oberflächlich? Nein gar nicht. Die müssen sich doch komisch vorkommen. So als hätte man 50 Doppelgänger, alle tragen sie das Gleiche und sehen auch fast gleich aus.
“Wir wollen das die coolen Kids unsere Klamotten tragen”, so Konzernchef Michael Jeffries. “Es gibt überall coole und uncoole Kids, wir wollen die coolen Kids. Manche sollen einfach nicht unsere Klamotten tragen”. Na, wenn das mal nicht schief gegangen ist. Sieht man doch öfter in der U-Bahn ein “uncooles” etwas moppeliges Kind mit Eistüte und Brille in einem T-Shirt, auf dem fett steht: Abercromie & Fitch. Abercrombie hat sogar schon Leuten Geld geboten, damit die nicht mehr ihre Klamotten tragen, sie könnten ja dem astreinen Image schaden. Welches Image?
Sexuelle Magie oder Qualität?
Jeder kennt die karierten Button-Down Hemden, die offen zu einer der unzähligen Jersey Jogginghosen getragen werden. An den schönen Buben sieht das auch alles immer sehr reizend aus, nimmt Abercrombie sich doch das sexuelle Erscheinungsbild zur Hilfe und vermarktet somit ihre Produkte. Geht es hier um Klamotten, oder ist es nur Image? Die mit Parfum eingesprühten Klamotten, durch männliche und weibliche Reize verkaufen? Jeder will so aussehen wie die Models, nur ganz ehrlich: Man kauft den Körper der Verkäufer nicht mit der Jogginghose mit, also was soll das alles? Mit ihren fetten Logos schreien ihre T-Shirts sofort "Hier!", und jeder weiß, dass auch der kleine Knirps in der S-Bahn mit Popel auf der Hose Abercrombie trägt.
Bild: permanently scatterbrained unter cc-by-sa
Casting
Etwas betört von dem ganzen Parfum und halb taub von der extrem lauten Musik, schiebt man sich durch die Gänge und trifft an jeder Ecke auf ein bildhübsches Mädel oder einen durchtrainierten Kerl. Sind alle wohl Models, so gut, wie die aussehen. Wer dort arbeitet gehört bestimmt zu den hübschesten Personen der ganzen Modewelt. Aber wie machen die das? Abercrombie castet seine Mitarbeiter. Sie müssen ja schließlich die Marke mit einem abnormal perfekten Gesicht und Körper vertreten.
Aber zu einem Casting kann ja eigentlich jeder gehen, oder? Was man beachten sollte, wenn man dort aufkreuzen will: Als Mädel sollte man nur dezent geschminkt sein, einen tollen Körper haben, möglichst dunkle Haare haben und auf jeden Fall etwas von Abercrombie tragen. Als Junge sollte man gut durchtrainiert sein, ein schönes und fotogenes Gesicht haben und natürlich auch etwas von Abercrombie über den schönen Muskeln präsentieren.
“Models müssen als Mitarbeiter im Unternehmen gearbeitet haben, bevor sie in Abercrombie & Fitch-Anzeigen zu sehen sind”, steht auf der Abercrombie Website. Alles locker. Einfach hingehen, bewerben, genommen werden und dann Abercrombie Model werden. Wenn es doch so einfach wäre. Erst mal zu einem der Castings gehen und mit den werten Herren reden, außer man wurde von einem Schon-Mitglied rekrutiert. Dann wird ein Video angeschaut, ein bisschen geredet und dann kann man sich wieder verdünnisieren. Mit viel Glück wird man dann angerufen und darf im Flagstore arbeiten. Wer weiß, vielleicht wird daraus ja das nächste top-zu-perfekt-hübsche Gesicht der neuen Kampagne.
Oberflächlich?
Versucht man den Store in irgendeiner Weise zu kontaktieren, um mal nachzufragen, wie das alles so abläuft, ist schnell bemerkt, dass das nicht so einfach ist. Unzählige E-Mails und Telefonanrufe ergeben keine Rückmeldung. Abercrombie besitzt nämlich nicht so etwas wie einen Pressesprecher. Direkt beim Casting Standpunkt erwischt man dann telefonisch doch jemanden. Die Frage, ob nur Models eine Chance in dem Job haben, wird zwar mit einem Nein beantwortet, aber auf die Frage, ob es nicht zur Oberflächlichkeit neigt, dass “Verkäufer” gecastet werden, folgt eine lange Pause. “Willst du denn selber mit machen?”, fragt das nette (bestimmt total hübsche) Mädel am Telefon. Sie weiß also nicht, wie sie damit umgehen soll. Kritische Fragen werden wortkarg beantwortet, selbst auf mehrmaliges Fragen kommt keine Antwort.
Abercrombie gleicht einem pubertierenden 16-jährigen. Trotzig, frech und ja keine Kritik annehmen. So sehen auch die männlichen “Verkäufer” aus. Sie sind alle komplett enthaart und haben charmante, fast kindliche Gesichtszüge. Älter als 20 sieht da keiner aus. Immer ein Lächeln auf dem Gesicht und alle samt Sixpacks. Oberflächlich? Nein gar nicht. Die müssen sich doch komisch vorkommen. So als hätte man 50 Doppelgänger, alle tragen sie das Gleiche und sehen auch fast gleich aus.
“Wir wollen das die coolen Kids unsere Klamotten tragen”, so Konzernchef Michael Jeffries. “Es gibt überall coole und uncoole Kids, wir wollen die coolen Kids. Manche sollen einfach nicht unsere Klamotten tragen”. Na, wenn das mal nicht schief gegangen ist. Sieht man doch öfter in der U-Bahn ein “uncooles” etwas moppeliges Kind mit Eistüte und Brille in einem T-Shirt, auf dem fett steht: Abercromie & Fitch. Abercrombie hat sogar schon Leuten Geld geboten, damit die nicht mehr ihre Klamotten tragen, sie könnten ja dem astreinen Image schaden. Welches Image?
Sexuelle Magie oder Qualität?
Jeder kennt die karierten Button-Down Hemden, die offen zu einer der unzähligen Jersey Jogginghosen getragen werden. An den schönen Buben sieht das auch alles immer sehr reizend aus, nimmt Abercrombie sich doch das sexuelle Erscheinungsbild zur Hilfe und vermarktet somit ihre Produkte. Geht es hier um Klamotten, oder ist es nur Image? Die mit Parfum eingesprühten Klamotten, durch männliche und weibliche Reize verkaufen? Jeder will so aussehen wie die Models, nur ganz ehrlich: Man kauft den Körper der Verkäufer nicht mit der Jogginghose mit, also was soll das alles? Mit ihren fetten Logos schreien ihre T-Shirts sofort "Hier!", und jeder weiß, dass auch der kleine Knirps in der S-Bahn mit Popel auf der Hose Abercrombie trägt.
Bild: permanently scatterbrained unter cc-by-sa












