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Fernsehen und Internet – kein perfektes Team

Fernsehen 2.0

09.07.2012

Das Web erhält verstärkt Einzug ins Fernsehen – ist das sinnvoll?

„Das Internet ist aus unserem Leben mittlerweile nicht mehr wegzudenken.“ Sätze wie diese überraschen uns heute in etwa so, wie der vierte Tour de France-Sieg von Lance Armstrong im Jahr 2002 für Aufsehen sorgte: nicht. Denn spätestens, wenn Regierungssprecher Steffen Seibert und Umweltminister Peter Altmaier Fragen zur Energiewende nicht mehr in trauter Diskussionsrunde, sondern via Twitter beantworten, muss das Internet in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein

Sein nächstes Opfer: TV-Shows

Das scheint dem Internet allerdings noch nicht zu genügen. Nicht nur in der ominösen Mitte der Gesellschaft ist es angekommen. Auch im Fernsehen gewinnt es verstärkt an Bedeutung. Das hängt einerseits damit zusammen, dass es die Möglichkeiten des Fernsehens ins Interaktive erweitert. Andererseits lässt sich diese Entwicklung aber vor allem darauf zurückführen, dass viele Programm-Verantwortliche Angst davor zu haben scheinen, einen Trend zu verpassen. Mit dem Nimbus des digitalen Zeitgeists ausgestattet, nagt das Netz also seit einiger Zeit am TV. 

Alles fing mit dem nett gemeinten Hinweis des Tagesthemen-Moderators an, man könne für weitere Informationen auch mal die Website der Tagesschau besuchen. Und mit irgendwelchen Nerds auf GIGA, die sich hinter ihren Computern verschanzten und etwas von „toten Servern“ und damit verbundenen „kostenlosen Charaktertransfers von einem vollbesetzten Realm auf den Un'Goro Crater“ redeten. Die netten Parodien von "Switch realoaded" sind bekannt.

Das Websiten-Zeigen im TV

Ersteres wird bis heute gemacht. Wenn auch mittlerweile mit fragwürdigen Gründen. Denn die Seiten der Tagesschau und der heute-Nachrichten sind mittlerweile sogar Offlinern ein Begriff. Trotzdem: Einen gewissen Mehrwert hat die Information auch heute noch. Das Zweite dagegen hat sich schon immer abseits des breiten Publikums bewegt. Und einen Mehrwert hatte es für die, die ihn verstanden ganz sicher. Vor allem war hier die Integration des Netzes in die Sendung sinnvoll, weil die Zielgruppe in höchstem Maße internetaffin war.

Absurd wird es allerdings, wenn offensichtliche Offliner wie Thomas Gottschalk jetzt damit anfangen, in ihrer Fernsehsendung zu twittern. Oder viel schlimmer, sich junge Menschen anstellen, die in ihrem Namen twittern – bei Gottschalk hieß die junge Dame Caro. Die von Harald Schmidt initiierte Twitter-Ironie gegen Gottschalks Internet- und Social-Media-Wahn war die einzig richtige Antwort auf diese Peinlichkeiten. Allerdings: Wirklich verstanden haben das wohl die Wenigsten. Denn das Neueste ist jetzt – neben Twitter –, Websiten im TV zu zeigen.

Erst kürzlich in heimeliger Ostsee-Romantik ist es wieder passiert. Jeannine Michaelsen, die vom absolut empfehlenswerten Internetfernseh-Format Ehrensenf zum ZDF wechselte, präsentierte im Usedomer EM-Studio eine so genannte Netzschau, die sich zu großen Teilen im Vorlesen von Tweets erschöpfte. Das ist weniger empfehlenswert. Vor allem, wenn auch der zweite Teil der Netzschau nur dazu genutzt wird, das EM-Internetangebot des ZDF zu bewerben.
   
Lest auf Seite 2 warum Internet im TV ist, wie Hybrid-betriebene Formel 1-Wagen ...
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