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One-Year-Peace namens iPhone live von Künstler Johannes Osterhoff

Ein Jahr Screenshots

11.07.2012

Johannes Osterhoff veröffentlicht seine iPhone-Screenshots.

Zwölf Tage ist es jetzt her. Und dreihundertdreiundfünfzig Tage wird es noch dauern. Jedes Mal, wenn bei einem herkömmlichen iPhone der Home-Button gedrückt wird, macht es einen Screenshot vom aktuellen Bild auf dem Bildschirm. Johannes Osterhoff dupliziert jeden Einzelnen und stellt die Kopie auf seine Homepage – ein Jahr lang.

Johannes live im Netz

Pünktlich zum 5. Geburtstag des Apple-Telefons, am 29. Juni, fing alles an. Um 00:02 Uhr eröffnet ein Bild vom elektronischen Notizblock im Telefon das Projekt. Dort steht: „iPhone live“, der Name des Projekts. „I shall not use any other mobile phones during this year“, verkündet Johannes schon wenige Minuten später - ebenfalls via Screenshot. 

Seitdem können du und ich, und alle anderen, live mitverfolgen, was sich auf Johannes´ iPhone so abspielt. Das heißt: welche Musik er hört, wer ihn angerufen hat, an wen er Nachrichten schreibt, welche Webseiten und Apps er aufruft und welche Spiele er spielt.

Ist das Kunst oder...?

Johannes selbst sieht sich als Interface-Künstler. Interface - das bezeichnet eine Bildschirmoberfläche. Das iPhone-Projekt ist bereits sein zweites „One-Year-Peace“. Das erste nannte er „Google“. Damals veröffentlichte er alle Suchanfragen, die er über das Jahr in die Suchmaschine eingab. Die Folge daraus war: Die Suchmaschine hielt ihn für eine bedeutende Homepage und nach und nach wurde Nutzern, die nach ähnlichen Inhalten googelten wie Johannes, seine Seite in ihrer Trefferliste angezeigt.

Keine Geheimnisse

Ein Geheimnis macht der Telefonblogger nicht daraus. Er veröffentlicht auf seiner Homepage auch seine Handynummer, E-Mail Adresse und seinen Twitter-Account. Aber geht das nicht ein bisschen tief in die Privatsphäre? „Sie wissen ja, wann ich aufstehe“ scherzt er schon bei der Terminvereinbarung für unser Gespräch. Meine erste Frage, als ich ihn anrufe: „Ist meine Nummer jetzt auch im Internet?“.

Natürlich sei er schon noch vorsichtig momentan, sagt Johannes, das war beim Google-Projekt auch so. Am Anfang denke man noch darüber nach, was andere denken könnten, doch irgendwann setzte die Gewohnheit ein und es sei einem egal. Ach ja, meine Nummer ist jetzt tatsächlich im Internet.

Öffentlich statt Exklusiv

Was das Projekt wohl noch mit sich bringen wird? Wird Apple darauf reagieren? Werden die Leute auf Apple reagieren? Johannes Osterhoff macht private Daten im Netz öffentlich, die wir Internet-Nutzer sonst an Dritte weitergeben. Die jeweiligen Anbieter steigen dadurch an Wert. Er nennt das die „Information als Währung“. 

In seinem Projekt sind die Informationen „halt nicht mehr exklusiv, sondern für alle sichtbar“. Für uns vielleicht ein Grund zum Nachdenken. Vielleicht können wir uns aber in Zukunft auch einfach über viele lustige Chat-Verläufe amüsieren und uns neue musikalische Anregungen holen.