Ist Umweltminister Altmaier homosexuell?
Schwul, konservativ – und gegen die Homoehe?
16.07.2012
Kommentar
Die Debatte über die vermeintliche Homosexualität Peter Altmaiers - ein Kommentar
Als Bundesumweltminister Peter Altmaier 1958 geboren wurde, verurteilten deutsche Gerichte mehr als 3.400 Männer auf Basis des Paragraphen 175. Nur im Jahr darauf waren es noch mehr. Der berüchtigte Paragraph aus Nazi-Zeiten, der männliche Homosexualität unter Strafe stellte, wurde erst 1994 endgültig gestrichen. Seitdem hat sich viel getan. Homosexuell zu sein, ist kein Stigma mehr und immer mehr Menschen des öffentlichen Lebens outen sich als schwul oder lesbisch. Auch international tut sich einiges, man denke etwa an den jüngsten Vorstoß von US-Präsident Obama.
Dessen ungeachtet gibt es noch immer letzte Bastionen von Zwangs-Heterosexualität. Der katholischen Kirche nimmt schon lange niemand mehr ihre Heteronormativität ab. Auch der Hip-Hop, diese Bastion des Männlichkeitsgehabes, hat dank des Outings von Frank Ocean seinen ersten prominenten schwulen Sänger. Und in der deutschen Politik hat jede große Partei ihre prominenten Vorzeige-Schwulen: die SPD Klaus „und das ist auch gut so“ Wowereit, die Grünen Volker Beck und die FDP den (zugegeben etwas unbeliebten) Guido Westerwelle. Und die Union?
Die Gerüchteküche brodelt
Die hat immerhin eine wild brodelnde Gerüchteküche. Den einen oder anderen schwulen Hinterbänkler kennt man. Hamburg hatte einst einen schwulen Bürgermeister. Aber sonst? Bundesbildungsministerin Annette Schavan, heißt es seit längerem, sei lesbisch. Und Peter Altmaier? Am vergangenen Wochenende outete er sich nun endlich – als ewiger Junggeselle zumindest. Der „Bild am Sonntag“ sagte er in einem Interview: „Der liebe Gott hat es so gefügt, dass ich unverheiratet und allein durchs Leben gehe".
Dass er unverheiratet sei, meinte heute süffisant das schwule Nachrichtenportal queer.de, sei seine eigene Schuld. Schließlich könne er, der vermeintlich schwule Politiker, gar nicht heiraten – und habe selbst dazu beigetragen. In der Tat: Noch Ende Juni hatte Altmaier in einer namentlichen Abstimmung gegen die weitere Öffnung der Ehe auch für Homosexuelle gestimmt – zusammen mit beinahe der gesamten Regierungskoalition.
Ist Sexualität Privatsache?
Man könnte nun einwerfen, es sei Privatsache, mit wem Peter Altmaier abends das Bett teile. Oder aber anführen, als Spitzenpolitiker habe er eine Verpflichtung, etwa der „schwulen Community“ gegenüber. Schließlich ist Altmaier zurzeit einer der beliebtesten Politiker des Landes und hat damit Vorbildfunktion. Die taz zählte jedenfalls kürzlich Altmaier zur „lesbisch-schwulen Prominenz der Regierungskoalition“ und outete ihn damit öffentlich, wenn auch mit Augenzwinkern.
Heilsames Zwangs-Outing
Darf man das?, fragen viele. Und fühlen sich erinnert an das Jahr 1991. Damals outete der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim in einer RTL-Sendung Hape Kerkeling und Alfred Biolek als homosexuell. Fernsehliebling „Bio“ zeigte sich anfangs geschockt, bezeichnete den Schritt dann aber als heilsam – und wurde beliebtester Fernsehkoch Deutschlands. Und Hape Kerkeling, Typ netter Schwiegersohn, wurde der beliebteste Komiker des Landes.
Peter Altmaier hat also nicht viel zu fürchten, möchte man meinen. Einem Coming-Out steht nichts im Weg. Außer vielleicht die eigene Partei. Aber all das muss Altmaier selber wissen – und selber entscheiden. Wenn die Debatte um den Bundesumweltminister aber eines zeigt, dann das: Deutschland ist noch lange nicht so aufgeklärt, wie es sich gibt. Denn sonst gäbe es die Debatte an sich erst gar nicht.
Bildquelle: Christian Doppelgatz/KUXMA
Dessen ungeachtet gibt es noch immer letzte Bastionen von Zwangs-Heterosexualität. Der katholischen Kirche nimmt schon lange niemand mehr ihre Heteronormativität ab. Auch der Hip-Hop, diese Bastion des Männlichkeitsgehabes, hat dank des Outings von Frank Ocean seinen ersten prominenten schwulen Sänger. Und in der deutschen Politik hat jede große Partei ihre prominenten Vorzeige-Schwulen: die SPD Klaus „und das ist auch gut so“ Wowereit, die Grünen Volker Beck und die FDP den (zugegeben etwas unbeliebten) Guido Westerwelle. Und die Union?
Die Gerüchteküche brodelt
Die hat immerhin eine wild brodelnde Gerüchteküche. Den einen oder anderen schwulen Hinterbänkler kennt man. Hamburg hatte einst einen schwulen Bürgermeister. Aber sonst? Bundesbildungsministerin Annette Schavan, heißt es seit längerem, sei lesbisch. Und Peter Altmaier? Am vergangenen Wochenende outete er sich nun endlich – als ewiger Junggeselle zumindest. Der „Bild am Sonntag“ sagte er in einem Interview: „Der liebe Gott hat es so gefügt, dass ich unverheiratet und allein durchs Leben gehe".
Dass er unverheiratet sei, meinte heute süffisant das schwule Nachrichtenportal queer.de, sei seine eigene Schuld. Schließlich könne er, der vermeintlich schwule Politiker, gar nicht heiraten – und habe selbst dazu beigetragen. In der Tat: Noch Ende Juni hatte Altmaier in einer namentlichen Abstimmung gegen die weitere Öffnung der Ehe auch für Homosexuelle gestimmt – zusammen mit beinahe der gesamten Regierungskoalition.
Ist Sexualität Privatsache?
Man könnte nun einwerfen, es sei Privatsache, mit wem Peter Altmaier abends das Bett teile. Oder aber anführen, als Spitzenpolitiker habe er eine Verpflichtung, etwa der „schwulen Community“ gegenüber. Schließlich ist Altmaier zurzeit einer der beliebtesten Politiker des Landes und hat damit Vorbildfunktion. Die taz zählte jedenfalls kürzlich Altmaier zur „lesbisch-schwulen Prominenz der Regierungskoalition“ und outete ihn damit öffentlich, wenn auch mit Augenzwinkern.
Heilsames Zwangs-Outing
Darf man das?, fragen viele. Und fühlen sich erinnert an das Jahr 1991. Damals outete der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim in einer RTL-Sendung Hape Kerkeling und Alfred Biolek als homosexuell. Fernsehliebling „Bio“ zeigte sich anfangs geschockt, bezeichnete den Schritt dann aber als heilsam – und wurde beliebtester Fernsehkoch Deutschlands. Und Hape Kerkeling, Typ netter Schwiegersohn, wurde der beliebteste Komiker des Landes.
Peter Altmaier hat also nicht viel zu fürchten, möchte man meinen. Einem Coming-Out steht nichts im Weg. Außer vielleicht die eigene Partei. Aber all das muss Altmaier selber wissen – und selber entscheiden. Wenn die Debatte um den Bundesumweltminister aber eines zeigt, dann das: Deutschland ist noch lange nicht so aufgeklärt, wie es sich gibt. Denn sonst gäbe es die Debatte an sich erst gar nicht.
Bildquelle: Christian Doppelgatz/KUXMA











