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Das Freibad als Spielplatz für Poser

Hassobjekt: Der Freibadposer

30.07.2012

Sie haben mindestens acht Eier in der Hose – und machen das Freibad unerträglich.

Jeder kennt sie, jeder hasst sie und doch brauchen wir sie wie die Luft zum atmen: Nervige Klientele und unnütze Gegenstände des Alltags, über die man sich so richtig schön echauffieren kann - da geht es den ZEITjUNG-Autoren nicht anders. Deshalb lassen wir unserer Wut in der Reihe "Hassobjekt" einfach freien Lauf und geraten immer montags in Rage. Eins ist sicher: Nichts ist uns heilig und keiner wird verschont. Dieses Mal auf der Abschussliste: Der Freibadposer.

Ein mittleres Erdbeben kündigt sein Erscheinen an. Plötzlich ist die Sonne weg. Als ich erschrocken die Augen hebe, um zu sehen, was los ist, bleibt mir erstmal jeder Blick versperrt. Von einem Fleischberg ohnegleichen, auf den in mehreren Windungen eine mit chinesischen Zeichen tätowierte Straße hinaufführt. Ganz oben sitzt ein verschnörkelter Drache. Alles glatt, sonnengebrannt und sorgfältig eingeölt. In Sekundenschnelle schießen mir verschiedene Fluchtmöglichkeiten durch den Kopf, um nur nicht von diesem Kraft-Koloss zertreten zu werden. Ducken? Wegrollen? Oder einfach nur die Augen schließen? Ich ziehe letzteres vor, wende mich wieder meinem Buch zu und tu so, als ob ich den Typen gar nicht bemerkt hätte.

Keine Chance: "Soll ich dir Gesellschaft leisten?" Und sein Drache schlägt wild mit den Flügeln, Folgeerscheinung eines angestrengten Muskelspiels. Hinter ihm, in einem Sicherheitsabstand von fünf Metern, stehen seine ebenso braungebrannten, eingeölten Homies. Sie kichern, schnalzen mit der Zunge, schubsen, treten und kneifen sich gegenseitig ins Gemächt. Alle heißen sie "Alder, ey" und nicht nur die wohl kiloweise geschluckten Proteine haben ihnen die Jugend aus dem Körper gesaugt.

Üppig, ölig, sonnengebräunt

Vielleicht liegt es ja an dem feucht-schwülen Klima, dass das städtische Freibad zum Treibhaus solcher Gewächse wird. In der Überzahl tummeln sich hier die Typen der Spezies "Poser", alle glatt, breitschultrig, glänzend. Sie gehen nicht, sondern sie schieben sich vorwärts, sie gucken nicht, sondern starren, sie duschen nicht, sondern benetzen sich. Umschwirrt und umhuscht von ebenso gleichförmigen Gruppen junger Frauen (üppig, ölig, sonnengebräunt), die alle scheinbar gelangweilt jede der betont männlichen Gesten registrieren und schließlich untereinander vielsagende Blicke tauschen. Das alles erinnert sehr an das Balzverhalten von Auerhähnen und -hühnern, die sich ebenfalls ausgiebig spreizen und umkreisen, bevor die Sicherung endgültig durchbrennt.

Auf der nächsten Seite geht der Potenzwettkampf weiter …

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