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Tauben: Sie sind grau, dreckig-weiß, haben rote Beine und scheißen alles voll.

Hassobjekt: Tauben

06.08.2012

Tauben sind fliegende Ekelpakete – obwohl sie eigentlich Fan-Potential hatten.

Jeder kennt sie, jeder hasst sie und doch brauchen wir sie wie die Luft zum atmen: Nervige Klientele und unnütze Gegenstände des Alltags, über die man sich so richtig schön echauffieren kann – da geht es den ZEITjUNG-Autoren nicht anders. Deshalb lassen wir unserer Wut in der Reihe "Hassobjekt" einfach freien Lauf und geraten immer montags in Rage. Eins ist sicher: Nichts ist uns heilig und keiner wird verschont. Dieses Mal auf der Abschussliste: Tauben.

Tauben, ach, diese anmutigen Geschöpfe. Und so weise. Beinahe göttlich … Nein? Wie, nein? Ich kann es Dir beweisen. Denn wenn einer nicht irren kann, dann ist es doch wohl unser Goethe: In seinem Gedicht über „Adler und Taube“ predigt „der Tauber“ dem angeschossenen und jagdunfähigen Adler Genügsamkeit. „,O Weise!‘ sprach der Adler, und tief ernst, versinkt er tiefer in sich selbst, ,O Weisheit! Du redst wie eine Taube!‘“. Na dann muss es doch stimmen! Und damit nicht genug. In religiösen Darstellungen symbolisieren die Tauben häufig sogar den Heiligen Geist. Na also, bitte. Die Personifizierung des Heiligen Geistes – zusammen mit dem Auge, okay – aber was willst Du mehr?

Wie? Immer noch nicht genug? Na gut. Sie symbolisieren den Frieden – dann genannt: Friedenstaube. Sie symbolisieren Hoffnung und neues Leben. Und im Doppelpack stehen sie auch ganz gern mal für die Liebe. Wenn das mal nichts ist. Es soll sogar Liebende geben, die ihre Herzensdame „Täubchen“ nennen. Und das bestimmt in Anlehnung an Kleists „Die beiden Tauben“. Der Tauber verlässt sein Täubchen, um die Welt zu erkunden, kehrt kurz darauf aber reuig und vom Liebeskummer geplagt wieder heim. Die Moral: „Seid euch die Welt einander selbst und achtet, nicht eines Wunsches wert, das übrige!“ Gut, das ist nicht zeitgemäß, aber irgendwie romantisch …

Wobei …

Im Ernst: Du hast Recht. Die Tauben, von denen hier die Rede ist, habe ich nie kennengelernt. Die Tauben die ich kenne, haben nur einen Fuß. Der andere ähnelt einer stumpfen Prothese, auf der sie, etwas eiernd, herumhumpeln. Die Tauben, die ich kenne, haben keine „weiche graue Dämmerung am Bug“, wie Rainer Maria Rilke es beschrieb. Die Tauben, die ich kenne, sind einfach hässlich. Grau, dreckiges weiß, rote Beine. Ich meine, wer hat bitte rote Beine? Bei Schimpansen macht man sich schon darüber lustig, dass sie einen roten Hintern haben. Das passiert nach einer langen Fahrradtour immerhin jedem von uns. Aber rote Beine? Nein. So etwas Unästhetisches.

Mit ihren roten Beinen stacksen sie dann dort herum, wo man sie am wenigsten braucht. Im Weg. Garantiert und immer. Tauben scheinen eine extrem schlechte Kenntnis der StVO zu haben. Ein Beispiel? Fußgängerzonen. Wie ich finde, stehen sie da bevorzugt im Weg herum. Was die Taube noch nicht verstanden hat: Es heißt schon nicht ohne Grund Fußgänger- und nicht Taubenzone (oder noch besser Stumpfgängerzone). Jedenfalls fliegen sie demonstrativ empört immer garantiert erst dann wild auf, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Sie fliegen nach vorn, um im letzten Moment ein Passanten zu bemerken. Also drehen sie schwerfällig und wild herumfuchtelnd nach links ab. Dort ist aber auch jemand – ist ja eine Fußgängerzone. Den Schwung der Bewegung aufnehmend drehen sie also weiter nach links ab, um dann mit vollem Tempo auf die Ursache ihres ursprünglichen Aufflatterns zuzurasen. Mich.

Lest auf Seite 2, wieso die Tauben überhaupt in der Fußgängerzone sind und wie man sie wieder los wird …
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