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Pussy Riot müssen für zwei Jahre ins Gefängnis

„Wir sind nicht besiegt“

17.08.2012

Was bedeutet die Verurteilung von Pussy Riot für Russland?

Alle haben darauf gewartet. Draußen vor dem Hamovnichesky-Gerichtssaal in Moskau, unweit der Christus-Erlöser-Kathedrale. Vor den Computern, vor den Fernsehern. Amnesty International, Madonna und wir alle warteten auf das Urteil über Pussy Riot: Zwei Jahre Gefängnis wegen "Rowdytum aus religiösem Hass".

Die Gerichtsverhandlung wurde zum internationalen Spektakel. Seit ihrem kontroversen Auftritt am 21. Februar 2012 sind die drei Frauen inhaftiert. Und die ganze Welt schaut hin. Nadezhda Tolokonnikova stellte in ihrem Schlussplädoyer fest: "By and large, the three members of Pussy Riot are not the ones on trial here. If we were, this event would hardly be so significant, This is a trial of the entire political system of the Russian Federation." Die Verurteilung der Frauen ist per se politisch.

Free Pussy Riot – ein internationales Phänomen 

Die Ereignisse der letzten 6 Monate spalteten die Bevölkerung – Gegner oder Befürworter von Pussy Riot kritisieren weitaus mehr als die Kunstaktion der Punk-Band oder den Umgang mit ihnen danach. Es geht um grundlegende Fragen der russischen Politik: Säkularisierung oder nicht, Demokratie und Freiheit in Russland, Putin und Opposition. Zeitjung.de berichtete über die Aktion in der Kathedrale, die gespaltenen Reaktionen und die verschobene Gerichtsverhandlung vom 19. April. Heute um 18 Uhr Moskauer Zeit wurde dann das lang erwartete Urteil ausgesprochen, über das bis zum letzten Moment stark spekuliert wurde.

Im Laufe der letzten Woche und Monate wuchs die internationale Unterstützung von Pussy Riot enorm. KünstlerInnen wie Peaches und die Red Hot Chilli Peppers sprachen ihre Solidarität in Interviews und während ihrer Konzerte aus. Die Inhaftierung und das Warten auf das Urteil wurde zu einer weltweiten Inszenierung. Vergangene Nacht veranstalteten Künstlerinnen (unter ihnen Le Tigre, Karen Finley und Chloe Sevingy) eine Lesung der Texte und Reden von Pussy Riot in New York. Auch politisch relevante Persönlichkeiten Russlands waren während der Gerichtsverhandlung präsent: Politiker, Aktivist und Oppositioneller Alexey Navalny war im Gerichtssaal anwesend, Garry Kasparov wurde unmittelbar vor dem Gerichtsgebäude verhaftet.

Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler
 

Stundenlang harrten Fans und Feinde auf der Straße Rostovsky Pereulok aus, ca. 40 von ihnen wurden verhaftet und unter Applaus verabschiedet. Allerdings blieb unklar, ob Gegner oder Fürsprecher aktiver randalierten und wem die eherenvolle Verabschiedung galt. Journalisten twitterten Bilder und Neuigkeiten – von Verhaftungen und Kantinenessen im Gerichtsgebäude: "Spotted: The riot police's refreshments minibus, with coke, kvas, crisps and peanuts #freepussyriot".

Nach der Verkündung stimmten die, die seit Stunden darauf warteten, an: "We will not forget, we will not forgive." Wird man das Urteil und Pussy Riot nicht vergessen, wird man ihnen die Blasphemie nicht verzeihen – oder der Richterin? Das Fazit dieses Tages bleibt ebenso umstritten, wie es unklar ist. Welche Konsequenzen hat dieses Ergebnis für Putin – national, international? Repräsentiert die Verurteilung die Meinung der Gläubigen, der Demokraten? Die Geschichte ist schon immer nachtragend gewesen.
Bildquelle: Grüne Bundestagsfraktion (flickr.com), cc by sa 2.0