Der Jutebeutel ist kein Accessoire!
Hassobjekt: Jutebeutel
20.08.2012
Warum hängt man sich einen Stoffbeutel mit Sprüchen um die Schulter?
Allein schon der Name: Jutebeutel. Jute. Man muss nicht mal genau wissen, was es ist, um den Klang schon unangenehm zu finden. Juuuute. Die Jute ist eine Bastpflanze, ein Gewächs, das zu einem Beutel verarbeitet wird. Kein Plastik, sondern biologisch abbaubare Stofffasern. Und trotzdem sagt niemand „Stoffbeutel“ - die Betonung liegt einfach eindeutig auf Jute. Die gute Jute.
Früher, damals als der Stoffbeutel einfach nur praktisch und kein Accessoire war, besorgte man sich so ein Teil beim Aldi oder Rewe, um nicht jedes Mal eine Tüte kaufen zu müssen. Da war dann ein Frosch drauf, der von einer Schildkröte einen Kuss bekam und drunter stand: Schütze deine Umwelt! Das hatte noch seine Berechtigung. Es war zwar etwas hippiesk und öko, aber okay. Zumindest hat es niemanden gekümmert und war definitiv kein Must-have.
Es war auch irgendwie noch okay, solche Beutel aus dem Ausland mitzubringen, um sie sich als angeberisches Mitbringsel über die Schulter zu hängen. Am liebsten etwas von Strand Books oder Rough Trade. Das war zwar auch schon nicht mehr hübsch und eigentlich nur als Bücherbeutel legitim, aber das konnte man noch milde belächeln. Ich meine, hey, manche stellen sich winkende Katzen ins Regal, andere entscheiden sich für Stoff mit Aufdruck X. Who cares.
Der Untergang des guten Geschmacks begann mit der Entdeckung des „Do it yourself“. Plötzlich konnte jeder, der nicht zu faul ist, seinen eigenen Beutel mit einem „witzigen“ Spruch bedrucken. Egal wo man ist, man wird entweder beleidigt (hier auch), belehrt oder bespaßt. Dazu kommt noch der antikonsumeristische Habitus: diese Tasche hat ein paar Cent gekostet, ich kann sie bis sie auseinander fällt wiederverwenden, sie drückt meinen Individualismus aus. Und sie ist aus Jute.
Absurd und wirklich lächerlich wurde es mit den ganzen Aufdrücken, die sich gegen „echte“ Taschen abgrenzen. My other bag is Chanel, Can‘t afford a Birkin, George Gina und deine Mudda, bla bla bla. Also echt, Leute. Es ist weder lässig, noch seht ihr mit diesen Einkaufsbeuteln gut aus. Wirklich, es steht niemandem. Tut euer Bio-Essen da rein, tragt von mir aus schwere Bücher in Beuteln zur Uni, aber bitte, denkt nicht, es wäre hip, cool, individuell, witzig, antikapitalistisch oder so etwas. Es ist einfach ein Beutel. Auch noch aus Jute.
Bildquelle: toolmantim (flickr.com), cc by sa 2.0
Früher, damals als der Stoffbeutel einfach nur praktisch und kein Accessoire war, besorgte man sich so ein Teil beim Aldi oder Rewe, um nicht jedes Mal eine Tüte kaufen zu müssen. Da war dann ein Frosch drauf, der von einer Schildkröte einen Kuss bekam und drunter stand: Schütze deine Umwelt! Das hatte noch seine Berechtigung. Es war zwar etwas hippiesk und öko, aber okay. Zumindest hat es niemanden gekümmert und war definitiv kein Must-have.
Es war auch irgendwie noch okay, solche Beutel aus dem Ausland mitzubringen, um sie sich als angeberisches Mitbringsel über die Schulter zu hängen. Am liebsten etwas von Strand Books oder Rough Trade. Das war zwar auch schon nicht mehr hübsch und eigentlich nur als Bücherbeutel legitim, aber das konnte man noch milde belächeln. Ich meine, hey, manche stellen sich winkende Katzen ins Regal, andere entscheiden sich für Stoff mit Aufdruck X. Who cares.
Der Untergang des guten Geschmacks begann mit der Entdeckung des „Do it yourself“. Plötzlich konnte jeder, der nicht zu faul ist, seinen eigenen Beutel mit einem „witzigen“ Spruch bedrucken. Egal wo man ist, man wird entweder beleidigt (hier auch), belehrt oder bespaßt. Dazu kommt noch der antikonsumeristische Habitus: diese Tasche hat ein paar Cent gekostet, ich kann sie bis sie auseinander fällt wiederverwenden, sie drückt meinen Individualismus aus. Und sie ist aus Jute.
Absurd und wirklich lächerlich wurde es mit den ganzen Aufdrücken, die sich gegen „echte“ Taschen abgrenzen. My other bag is Chanel, Can‘t afford a Birkin, George Gina und deine Mudda, bla bla bla. Also echt, Leute. Es ist weder lässig, noch seht ihr mit diesen Einkaufsbeuteln gut aus. Wirklich, es steht niemandem. Tut euer Bio-Essen da rein, tragt von mir aus schwere Bücher in Beuteln zur Uni, aber bitte, denkt nicht, es wäre hip, cool, individuell, witzig, antikapitalistisch oder so etwas. Es ist einfach ein Beutel. Auch noch aus Jute.
Bildquelle: toolmantim (flickr.com), cc by sa 2.0











