Interview mit dem Schauspieler Cesar Ramos
"Er sagte: Du hast deine erste Hollywood-Hauptrolle"
30.08.2012
Mexiko, Hollywood, Berlin - wir sprachen mit dem Schauspieler Cesar Ramos.
Der Lebensweg des Schauspielers Cesar Ramos würde genug Stoff für ein Drehbuch liefern. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in Mexico begeistert er mit Anfang 20 Regisseur Marco Kreuzpaintner und Produzent Roland Emmerich. Er erhält im Film "Trade - Willkommen in Amerika" die Hauptrolle neben Kevin Kline - in einem Hollywood-Film. Ramos hat es geschafft. Von nun an ist er ein international gefragter Schauspieler. Mittlerweile lebt der 29-Jährige mit seiner deutschen Frau in Berlin. Philipp Pander traf sich für ZEITjUNG in der Hauptstadt mit einem erstaunlich ehrlich und bescheiden gebliebenen Cesar Ramos, der nun versucht, auch in der deutschen Filmbranche Fuß zu fassen.
ZEITjUNG: Seit ein paar Wochen wohnst Du in Berlin. Bist Du schon richtig angekommen?
ZEITjUNG: Seit ein paar Wochen wohnst Du in Berlin. Bist Du schon richtig angekommen?
Cesar Ramos: Gemeinsam mit meiner Frau und in unserer neuen Wohnung fühle ich mich in Berlin schon sehr heimisch. Ich war in der Zeit davor so viel unterwegs. Wir haben an so vielen verschiedenen Orten in Mexiko eine Fernseh-Serie über die Geschichte Mexikos gedreht. Zudem hatte ich noch eine Hollywood-Produktion namens „Hidden Moon“, unter anderem mit Wes Bentley (bekannt aus „American Beauty“, Anm. d. Red.).
Du hast mittlerweile in vier verschiedenen Regionen Deine filmischen Standbeine. In Mexiko, in Südamerika, aber auch in den USA. Und in Deutschland baust Du es dir gerade auf. Welche Unterschiede fallen dir auf?
Alle Regionen unterscheiden sich von Mexiko hinsichtlich des Geldes. In Mexiko drehen wir fast immer mit finanziellen Problemen. Das ist ein ganz großes Problem in unserer Branche. Wir machen aber gutes Kino. Ein-, zweimal im Jahr wird dort ein international erfolgreicher Film produziert. In den USA ist es natürlich ganz anders. Von meiner Gage für „Trade“ konnte ich reisen, zur Schauspielschule gehen. Außerdem sind die technischen Möglichkeiten in den USA viel besser. Und Deutschland hat eine große und vor allem gesunde Filmindustrie. Hier passiert viel und das meiste ist wirklich gut gemacht. Ich war vom „Tatort“ überrascht. Das ist so ein langjähriges Format. Es ist Kult hier. Das ganze Land sitzt am Sonntag vor dem Fernseher und schaut „Tatort“. Das finde ich total geil! So etwas gibt es überhaupt nicht in Mexiko. Dort gibt es kein Format länger als drei Jahre.
Deine Geschichte ist unfassbar. Alles begann mit dem Casting zu dem Film „Trade – Willkommen in Amerika“.
Das war der große Wendepunkt in meinem Leben als Schauspieler.
Die Regie führte Marco Kreuzpaintner, der Produzent war niemand geringeres als Roland Emmerich. Du hast zuvor in Mexiko gearbeitet. Da erscheint ein Casting zu einer deutsch-amerikanischen Produktion nicht gewöhnlich.
Davor habe ich nur Fernsehwerbungen gemacht und in ein paar Telenovelas gespielt – aber immer nur kleine Rollen. Die Produktionen haben mir überhaupt nicht gefallen. Ich habe zwar gutes Geld verdient, war aber nicht glücklich. Ich bin dann zu einer Casting-Direktorin. Sie hat mich ein paar Monate später angerufen und gesagt, es gibt ein Casting zu einem Film namens „The Girls Next Door“. Das war der Arbeitstitel von „Trade“. Ich war beim Casting und hatte anschließend ein Treffen mit Roland Emmerich und Marco Kreuzpaintner und hatte keine Ahnung, wer diese Leute sind. Sie haben nur deutsch gesprochen. Ich habe nichts verstanden, war ziemlich nervös und habe meinen Job gemacht. Dann habe ich über ein Jahr lang nichts mehr gehört.
Und dann hat das Telefon geklingelt…
Ja, Marco Kreuzpaintner wollte mich in der Zusammenarbeit mit den anderen Darstellern sehen. Eine Woche später bekam ich einen Anruf von meiner Casting-Direktorin. Sie fragte, ob ich Geld zum telefonieren hätte.
Geld zum telefonieren?
Ich war damals sehr arm, hatte kein Geld, mir ging es sehr schlecht. Dann bekam ich den Anruf und sie meinte, die Leute von dem Film konnten mich nicht erreichen und ich soll sie zurückrufen. Ich brauchte also Geld für eine Handy-Karte. Eine Freundin hat mir dann ihre letzten 50 Pesos gegeben. Ich habe also Marco Kreuzpaintner angerufen und der meinte: „Cesar, ich gratuliere dir, weil du hast heute deine erste Hollywood-Hauptrolle bekommen. Du spielst mit Kevin Kline.“ Ich war so überrascht. Ich konnte nicht weinen, ich konnte nicht lachen.
Seite 2: "Kevin Kline nahm mich zur Seite"
















