Anstandsregeln für Raser auf dem Rad
Hassobjekt: Fahrradklingelstamperer
25.09.2012
Sie sind eine Gefahr auf den Radwegen, die radelnden Raser. Vor allem, wenn sie eine Klingel haben.
Jeder kennt sie, jeder hasst sie und doch brauchen wir sie wie die Luft zum atmen: Nervige Klientele und unnütze Gegenstände des Alltags, über die man sich so richtig schön echauffieren kann - da geht es den ZEITjUNG-Autoren nicht anders. Deshalb lassen wir unserer Wut in der Reihe "Hassobjekt" einfach freien Lauf und geraten immer montags in Rage. Eins ist sicher: Nichts ist uns heilig und keiner wird verschont. Dieses Mal auf der Abschussliste: Fahrradklingelstamperer.
Es ist Herbst, die Sonne scheint, die Luft ist gut. Vormittags habe ich mein Fahrrad aufgepumpt und radle nun fidel auf der von der Stadtverwaltung extra dafür vorgesehenen Bahn Richtung Universität. Ich habe Zeit.
Damit bin ich aber wohl die einzige. „rrrrrrringRRRRRRRingRRRRRRRING!!“ Ich falle fast vom Rad vor Schreck: gibt es nun schon Verstärker für Fahrradklingeln? Gerade will ich mich wütend umdrehen, da saust die Person bereits wild läutend an mir vorbei. Wie wenn ich immer noch nicht genug Platz gemacht hätte. Es folgt gleich noch einer. Und noch einer. Und noch einer. Und jeder klingelt mir noch extra einen drauf: „RRIIRirrring.“ „Rääriäng“. „Drrrrrrrr.“ Es ist überraschend, wie viel Bösartigkeit in einem Klingelton stecken kann. Ich muss ein Verkehrshindernis sein, und zwar ein übles. Weiter rechts fahren kann ich aber nicht, denn da beginnt schon der Bürgersteig.
Also, liebe Menschen, es gibt Höflichkeitsformen und Anstandsregeln. Auch betreffs der Fahrradklingeln. Die Fahrradglocke dient als Signalgerät dazu, sich im Straßenverkehr im Gefahrenfall bemerkbar zu machen. Das heißt nicht, um Aufmerksamkeit einzuheimsen nach dem Motto: Platz da, jetzt komm ich! Das ist sogar in der Straßenverkehrsordnung § 1 festgeschrieben: „Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“ Kurz zusammengefasst: Rücksichtnahme. Die scheint ihr nicht zu kennen.
Der Radweg ist keine Rennstrecke. Und schon gar keine Rautobahn. Auch wenn es nur geradeaus geht. Wenn ich weit genug rechts fahre und allen Gehetzten genügend Platz zum Überholen lasse, habt ihr euch nicht zu beschweren, dass ich mich nicht in euer Tempo einreihe. Und von einer Mindestgeschwindigkeit auf Radwegen habe ich noch nichts gehört.
Als mich auch noch der Letzte der schnellen Schlange im Überholen mit der Klingel anmotzt, winke ich ihm und rufe: „Gute Fahrt!“ Aus der wurde aber dann nichts, hehe, für die ganze Schlange nicht: An der nächsten roten Ampel habe ich sie alle wieder eingeholt. Und während die Raser nach langem Warten sich bei Grün endlich wieder langsam aus den ersten Gängen nach oben strampeln, ziehe ich links an ihnen vorbei. Mit einem fröhlichen Lächeln und ohne zu klingeln.
Bildnachweis: Olympics men's cycling road race, Brompton Road (2) (David Hawgood) / CC BY-SA 2.0
Es ist Herbst, die Sonne scheint, die Luft ist gut. Vormittags habe ich mein Fahrrad aufgepumpt und radle nun fidel auf der von der Stadtverwaltung extra dafür vorgesehenen Bahn Richtung Universität. Ich habe Zeit.
Damit bin ich aber wohl die einzige. „rrrrrrringRRRRRRRingRRRRRRRING!!“ Ich falle fast vom Rad vor Schreck: gibt es nun schon Verstärker für Fahrradklingeln? Gerade will ich mich wütend umdrehen, da saust die Person bereits wild läutend an mir vorbei. Wie wenn ich immer noch nicht genug Platz gemacht hätte. Es folgt gleich noch einer. Und noch einer. Und noch einer. Und jeder klingelt mir noch extra einen drauf: „RRIIRirrring.“ „Rääriäng“. „Drrrrrrrr.“ Es ist überraschend, wie viel Bösartigkeit in einem Klingelton stecken kann. Ich muss ein Verkehrshindernis sein, und zwar ein übles. Weiter rechts fahren kann ich aber nicht, denn da beginnt schon der Bürgersteig.
Also, liebe Menschen, es gibt Höflichkeitsformen und Anstandsregeln. Auch betreffs der Fahrradklingeln. Die Fahrradglocke dient als Signalgerät dazu, sich im Straßenverkehr im Gefahrenfall bemerkbar zu machen. Das heißt nicht, um Aufmerksamkeit einzuheimsen nach dem Motto: Platz da, jetzt komm ich! Das ist sogar in der Straßenverkehrsordnung § 1 festgeschrieben: „Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“ Kurz zusammengefasst: Rücksichtnahme. Die scheint ihr nicht zu kennen.
Der Radweg ist keine Rennstrecke. Und schon gar keine Rautobahn. Auch wenn es nur geradeaus geht. Wenn ich weit genug rechts fahre und allen Gehetzten genügend Platz zum Überholen lasse, habt ihr euch nicht zu beschweren, dass ich mich nicht in euer Tempo einreihe. Und von einer Mindestgeschwindigkeit auf Radwegen habe ich noch nichts gehört.
Als mich auch noch der Letzte der schnellen Schlange im Überholen mit der Klingel anmotzt, winke ich ihm und rufe: „Gute Fahrt!“ Aus der wurde aber dann nichts, hehe, für die ganze Schlange nicht: An der nächsten roten Ampel habe ich sie alle wieder eingeholt. Und während die Raser nach langem Warten sich bei Grün endlich wieder langsam aus den ersten Gängen nach oben strampeln, ziehe ich links an ihnen vorbei. Mit einem fröhlichen Lächeln und ohne zu klingeln.
Bildnachweis: Olympics men's cycling road race, Brompton Road (2) (David Hawgood) / CC BY-SA 2.0











