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August vom Blog Elektrischer Garten im Wiesn-Interview

"Eine Schlägerei mit dem Türsteher gehört ins Abendprogramm"

04.10.2012

Großes Wiesn-Interview mit Münchens Myteriösem Stadtblogger August vom Elektrischen Garten...

Er ist Münchens Mysteriöser Maskenmann, sagenumwobener Stadtblogger und jetzt auch Partyveranstalter. August vom Blog Elektrischer Garten hat sich in den letzten Jahren zur Kapazität der Münchner Szene entwickelt. Sein Blick ist immer auf den neuesten heißen Scheiß aus der Bayerischen Landeshauptstadt gerichtet, verliert dabei aber auch nie die tief verwurzelte bajuwarische Tradition aus den Augen. Wer würde sich also besser für ein Gespräch zum Ende der diesjährigen Wiesn eignen?



ZEITjUNG.de: Servus August, Dein Markenzeichen ist die Maske. Gehst du auch vermummt auf die Wiesn?



August: Klar, es ist immer eine eigenartige Erfahrung aber alles andere wäre zu entlarvend.



Du zeigst dich auf dem Blog Elektrischer Garten als aufmerksamer Beobachter der Münchner Subkultur. Grade musst du beobachten, wie Horden besoffener, verkleideter Touristen über deine Stadt herfallen wie Bestien. Fühlst du dich missbraucht?
 



Ich finde das überhaupt nicht schlimm. Es wird ja viel darüber diskutert, dass die Wiesn so ein Trachtenfasching ist. Ich finde, das ist voll okay. Ich finde es eher ein bisschen peinlich, dass viele Leute grade so tun, als wären sie seit 30 Jahren im Trachtenverein und würden sich mit allem so megakrass auskennen. Es macht doch Spaß, es tut doch keinem weh. Darum finde ich, alle sollten mal chillen und den Leuten ihren Spaß lassen.



Als Wiesn-Erfahrener Local: erklär doch unseren Gästen mal, wie man einen optimalen Tag auf dem Oktoberfest feiert.



Man muss das Allround-Programm mitmachen. Man muss was Geiles essen bei einem der Millionen Stände. Meine Neuentdeckung war da dieses Jahr der Wiesn-Fladen auf den man sich Süßes wie Salziges draufklatschen kann. Dann muss man natürlich was fahren und wenn man ins Zelt geht, muss man irgendwann auch wieder rausfliegen. Es reicht nicht, in einer reservierten Box einen gemütlichen Abend zu genießen. Eine Schlägerei mit dem Türsteher gehört auf jeden Fall ins Abendprogramm.

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...Und auf den Bänken tanzen zu „Hölle, Hölle, Hölle“ und „Weus a Herz host wia a Bergwerk“? Musik gehört zur Wiesn wie zu deinem Blog. In welchem Wiesn-Zelt spielt denn die beste Blaskapelle?



Keine Ahnung, Mann! Die sollten Moop Mama da spielen lassen. Das wäre sehr groß, die in einem fetten Bierzelt zu sehen. Vor zwei Jahren habe ich mal Schlachthof Bronx und Doppel D auf der traditionellen Wiesn gesehen. Das war mit das Geilste, das ich je in so einem Rahmen erlebt habe. Also: Wenn sie gscheide Boxen ins Hacker-Zelt stellen und dann Schlachthof Bronx gegen 21.00 anfangen zu spielen, gehen für mich Träume in Erfüllung.



Die Wiesn verbindet auf ganz krasse Weise bayerische Tradition mit modernen Elementen wie knallpinken Mini-Dirndln, Autoscooter und Easy-Jet-Billig-Tourismus. Was hältst du davon?



Ich finde es gerade spannend, dass die Tradition auf die Moderne trifft und dadurch etwas Neues entsteht. Cool finde ich das Dirndl mit den Air Max, die aber auch noch Blau/Weiß kariert sind. Das ist für mich der perfekte Clash der Kulturen und drückt aus, wie wir uns fühlen als Münchner. Die wenigsten von uns sind wirklich reale Bayern, die den ganzen Tag klischee-bayerische Dinge machen. Wir gehen gerne auf die Wiesn und fühlen uns da daheim, haben aber trotzdem eine 50-Cent-Platte zu Hause. Dieses Mash-Up, diese vermischten Gegensätze machen es spannend.



Am kommenden letzten Wiesn-Wochenende veranstaltest du das erste Mal eure neue Partyreihe „München ist genauso spießig wie sein Ruf“ im Yib Yab. Das Motto provoziert alle Münchner, fordert sie aber auch heraus, das Gegenteil zu beweisen. Wie siehst du es denn? Ist München so spießig wie sein Ruf?



Jein. Das Motto „München ist genauso spießig wie sein Ruf“ passt im Moment eigentlich relativ schlecht weil in der Stadt zur Wiesnzeit eigentlich absoluter Ausnahmezustand herrscht. Aber wenn sich der Biernebel wieder lichtet wirst du wieder in wahnsinnig spießige Situationen kommen: Du willst am Reichenbach-Kiosk an einem Feiertag Kondome kaufen aber wegen religiöser Konventionen dürfen dort am Feiertag keine Hygieneartikel verkauft werden. Du sitzt auf der Straße im Cafe und wirst gerügt, weil du nicht innerhalb der weißen Begrenzungslinie auf der Straße sitzt. Du kannst nicht mit deinem Jogging-Anzug in den Supermarkt gehen ohne rüberzukommen wie der größte Assi. So herrscht hier eine gewisse spießige Grundstimmung.



Kannst du denn auch Anekdoten erzählen, die ein anderes Gesicht der Stadt zeigen?



Ich mag es, wenn abends der Business-Mann mit seinem Augustiner in der U-Bahn sitzt und die Wiesn ist sowieso das beste Beispiel dafür, dass auch in München absolute Anarchie herrschen kann und Münchner sehr offene Gastgeber sein können. Ich glaube, wenn man auf Parties wie unsere geht, wenn man in Clubs ist und die Polizei mal nicht hinschaut, dann passieren schon auch Dinge die alles andere als spießig sind...



Danke für das Gespräch August, und noch ein schönes letztes Wochenede mit München im Ausnahmezustand...



!!!!!!!Wir verlosen 2x2 Gästelistenplätze für die „München ist genauso spießig wie sein Ruf“-Party am Freitag im Yib Yab. Schickt einfach eine Mail mit einer Anekdote, die beweist, dass München doch nicht so schlimm ist an cvd@zeitjung.de...!!!!!!!