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Bonaparte im Interview

The New Normal

12.10.2012

Bonaparte machen mehr als nur Musik: Im Interview erklären sie, warum sie alles andere als verrückt sind.

Wer gehört alles zur Band Bonaparte? Das kann man von außen nicht so genau sagen. Es ist auch nicht wichtig. Fest steht: Bonaparte ist mehr als Musik. Man bekommt eine bunte, laute und manchmal auch dreckige Show geliefert, wenn das Künstlerkollektiv auf der Bühne performt. Mit einem ganzen Zirkus tourt der Songwriter und Künstler Tobias Jundt, alias Monsieur Bonaparte oder Grumps, wie er von seiner Freundin Amie liebevoll genannt wird. Die beiden sitzen, kaum eine halbe Stunde nach der Landung, in der kleinen Küche bei Warner Music in München zwischen Dutzenden von goldenen Schallplatten. Grumps muss noch den Anblick seiner Amie verewigen und den Rahmen des Gesprächs abklären. Ja, Monsieur Bonaparte, der Kaiser darf im Interview mit ZEITjUNG.de alles sagen.

Grumps:
  FUCK FUCK SHIT PISS FUCK SHIT YEAH! So.

ZEITjUNG.de:
Wofür arbeitet ihr? Für viel Geld, pinke Jets und dafür, alles in einem Interview sagen zu dürfen?

Grumps:
„Fame and fortune“, was gibt es sonst für einen Grund Künstler zu sein? Nein, so ist es nicht. Wenn man ganz klein ist, beginnt man schon irgendwas zu tun und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, sich ausdrücken zu können. Die Einen wählen Trans, die anderen Musik und die Dritten schneidern sich irgendwelche komischen Kleider. Irgendwann merkt man, dass man das auch den ganzen Tag und die ganze Nacht machen könnte, anstatt irgendetwas anderes, das man nur machen würde, um Geld zu verdienen. Und deswegen macht es eben viel mehr Sinn, das zu tun, für das man sich berufen sieht. Aber natürlich ist es so: wenn man das 25 Stunden am Tag tut, muss man natürlich auch davon leben können. Man macht das natürlich nicht aus der Überlegung heraus „Wie kann ich viel Geld verdienen?“ "Ah, ich könnte ein Lied schreiben." Das ist ja absurd. Dann würde ich auch ganz andere Lieder schreiben. Weil die könnte ich schon auch schreiben, wenn ich möchte. Aber ich hätte nicht so Spaß die zu performen.

Das wollen die Menschen dann auch gar nicht hören, oder?

Grumps:
Das ist eine sehr spannende Frage. Es ist schön, sie in dieser Küche zu beantworten mit all diesen goldenen Platten, von denen keiner weiß, dass ich sie geschrieben habe. Warum funktioniert Mainstreampopmusik? Sie berührt ja trotzdem mehr Leute als das, was zum Beispiel wir machen. Das ist einfach so. Warum? Weil andere Musik viel mehr promotet wird? Weil die Sender sagen: „Okay, das schmerzt niemanden. Das spielen wir“? Es muss einen Grund geben, warum Popmusik Popmusik ist.

Und was glaubst du ist dieser Grund?

Grumps:
Vielleicht ist es ja so, dass für den Großteil der Menschen die Musik verständlicher ist. Und das, was wir machen, ist für viele vielleicht „Wäh!“ oder abschreckend. Aber das ist eine so große Frage. Gibt es eine Musik, einen Stil, bei dem man sagen kann: Das appelliert an einen Großteil der Menschen? Man darf Popmusik nicht nur verschreien. Am Ende des Tages versuchst du ja das zu tun, was du der Welt noch geben kannst: einen halbwegs sinnvollen Beitrag. Und dann macht man natürlich etwas anderes als die hundertste Kopie von dem gleichen Song. Aber ein Hit ist ja auch immer ein Hit, weil er funktioniert. Das darf man einfach nicht vergessen. Ein Song, der hängenbleibt, auch wenn du das nicht willst, der ist dann unter diesem Aspekt super gut geschrieben.




Wenn du deine Songs schreibst, stellst du dir ein Publikum dabei vor?


Grumps: Nicht in dem Sinn, dass ich mir denke: „Ah, das könnte den Menschen gefallen. Das würde das Album gut verkaufen“. Das ist der Tod. Aber ich denke manchmal an den Moment, in dem ich auf der Bühne stehe. Ich weiß, dass ich diese Songs performen werde. Ich weiß, welches Gefühl ich spüren will, wenn ich den Song spiele. Das ist der Moment, für den ich lebe. In diesem Sinn sind manche Lieder Mittel zum Zweck. Sie sind ein Werkzeug, das uns dazu fähig macht, eine tolle Show zu bieten und Spaß zu haben.

Machst du dann Musik nur für diesen Moment?


Grumps: Am Ende macht man das für sich selbst. Du willst singen, schreien, schwitzen. Selbst wenn du ein Liebeslied schreibst, machst du das für dich selbst. Du willst jemandem gefallen und bewirken, dass dir jemand Rosen vor die Füße legt. Traurigerweise ist Songsschreiben ziemlich egozentrisch. Wenn es dir wirklich richtig, richtig schlecht geht, dann kann der Prozess des Schreibens unbeschreiblich sein. Es ist als ob man total sauer auf einen Freund ist, sich dann hinsetzt und ihm einen Brief schreibt. Auch wenn du ihn nicht verschickst, so ist das Schreiben an sich ziemlich hilfreich. Manchmal schreibe ich auch Lieder, die gar nicht dafür bestimmt sind, sie zu veröffentlichen. Dann geht es nur um den Prozess.

Und was willst du mit den Songs erreichen, die du veröffentlichst?


Die Songs, die ich veröffentliche, schreibe ich, damit sie ein Eigenleben haben, wenn sie die Menschen irgendwann hören. Es ist interessant sie zu spielen und zu erleben, was die Leute aus der Geschichte ziehen. Sind sie geschockt? Werden sie verrückt? Hören sie den Song und haben direkt daraufhin Sex? Hören sie die Musik und unliken mich bei Facebook, weil sie mich hassen? Was passiert, wenn der Song veröffentlicht wird? Ich denke, dieser Moment ist auch interessant, bei unserer Art Liveshows zu spielen. Liveshows sind das Beste auf der Welt. Du bist den ganzen Tag müde und dann gehst du auf die Bühne und denkst „Boah, das ist es! Dafür bin ich heute morgen aufgestanden!“



Was machen Amie und Monsieur Bonaparte nach dem Sex? Die Antwort auf Seite 2.
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