Hurrikan "Sandy" wütet in den USA – ein Augenzeugenbericht
"Ich hatte Atemnot"
10.11.2012
Eine New Yorkerin über den Hurrikan "Sandy".
Gegen 20.00 Uhr Ortszeit (02.00 Uhr MEZ) prallte Hurrikan "Sandy" auf die Ostküste der USA, seitdem herrscht unter anderem in New York Ausnahmezustand: Tausende und Abertausende evakuierte Menschen, die in Notunterkünften unterkommen, Dammbrüche, Brände, überflutete Straßen, viele Verletzte, ja auch Tote. Der Batterypark in Downtown Manhattan steht 3,50 Meter unter Wasser, ebenso wie das Finanzviertel Nähe "Ground Zero". Lower Manhattan, der Stadtteil, den es am härtesten getroffen hat, steht komplett im Dunkeln. Mehr als eine halbe Millionen Menschen sind ohne Strom, viele sind abgeschnitten von der Außenwelt, sitzen in ihrer Wohnung fest. Ich habe mit Patricia Vittorazzi gesprochen, die ursprünglich aus Ribeirão Preto stammt, aber seit vielen Jahren in Queens lebt:
Patricia, musstest du dich vor Hurrikan „Sandy“ in Sicherheit bringen? Wurdet du auch evakuiert?
Patricia Vittorazzi: In Astoria (Queens), wo mein Bruder und ich zusammenwohnen, das ist drei Blocks vom East River entfernt, wurde nicht evakuiert. Wir haben uns gut vorbereitet: Wasser und genug Essen gekauft, außerdem Batterien, im Fall, dass der Strom ausfällt und auf das Schlimmste gewartet, doch wir konnten am Ende in unserer Wohnung bleiben. Um unseren Garten machten wir uns große Sorgen, wegen der Bäume und den Stromkabeln. Gott sei Dank ist bei uns nichts Schlimmeres passiert. Wir hatten lediglich starken Wind, Bäume fielen aber keine um. Wasser drang auch keines in unsere Wohnung ein, alles ging noch einmal gut.
Kannst du uns beschreiben, was du, kurz bevor „Sandy“ die Küste New Yorks erreichte, gefühlt hast? Hattest du Angst? Und wenn ja: Was war deine größte Angst?
Meine Gefühle... Wir machten uns wirklich große Sorgen, ich hatte sogar zeitweise Atemnot vor lauter Angst. Wir saßen die ganze Zeit vor dem Fernseher, von dem Moment an, als wir morgens aufwachten. Außerdem habe ich den ganzen Tag immer wieder online gecheckt, ob unser Bezirk noch unter den sicheren ist. Als wir all das Wasser sahen, wurde uns klar, dass unsere Wohnung auch unter Wasser stehen könnte, gerade weil wir ja so nah am East River wohnen. Und wir wurden verschont. Wir haben Gott gedankt! Die Wohnung war nicht meine größte Angst, aber zumindest eine sehr große!
Ein deutscher Reporter sagte im Fernsehen, dass die meisten New Yorker eher entspannt mit der Situation umgehen. Ist es möglich, dass einige den Hurrikan unterschätzt haben?
Ja! Ich denke, dass viele New Yorker nicht all zu sehr besorgt waren, deshalb hat unser Bürgermeister, Michael Bloomberg, die Bevölkerung auch dringlichst aufgefordert aufzupassen, besonders die Menschen in Zone A, welche als die gefährlichste eingestuft wurde. Ich wohne in Zone B. Heute dann, als sich der Bürgermeister erneut im Fernsehen an die Öffentlichkeit wandte, dankte er vielen der Amerikanern, die wirklich den Befehlen der Evakuierung gefolgt waren. Viele Menschen wären umgekommen, wenn sie in ihren Häusern geblieben wären, so Bloomberg.
Sandy hat New York gegen 1 Uhr nachts New Yorker Zeit erreicht. Habt ihr diesen Moment als solchen wahrgenommen oder war es eher ein fließender Prozess?
Nein – zumindest dort, wo wir leben, war es eher ein fließender Prozess. Bis 11 Uhr morgens stieg das Wasser des East River langsam an, dann kam leichter Regen dazu, dann Wind, dieser wurde immer stärker. Um 1.00 Uhr mittags war er dann wirklich sehr stark. Irgendwann merkten wir, dass das Schlimmste vorbei war und wir beschlossen, schlafen zu gehen.
Wie war die Stimmung am nächsten Morgen? War es eher still, oder hörte man Polizei- und Feuerwehrsirenen?
Es war ruhig hier in Astoria, ganz anders als in Manhattan, wo Sandy viel aggressiver gewütet hat. Durch das Fernsehen wusste ich, dass es Manhattan viel schlimmer getroffen hat. Polizisten und Feuerwehrleute waren non-stop im Einsatz.
Denkst du, dass Sandy Auswirkungen auf die bevorstehende Wahl haben könnte?
Wahrscheinlich hat der Hurrikan eine positive Auswirkung für Obama. Im Fernsehen zeigte er sich gestern bei seiner Ansprache zu den Bürgerinnen und Bürgern sehr besorgt. Die Sicherheit der Menschen lag und liegt ihm wirklich sehr am Herzen und er versprach alles zu tun, was in seiner Macht steht, um denjenigen, die die größten Schäden davongetragen haben, helfen zu können. Als ein Journalist ihn nach der Wahl fragte, war seine Antwort lediglich: "Darum kümmere ich mich momentan nicht! Meine Priorität Nummer 1 ist es, mich um das Wohl der betroffenen Menschen zu kümmern.“
Was ist mit der Solidarität der New Yorker untereinander. Helfen die Menschen einander?
Ja, das ist allgemein in der amerikanischen Mentalität verwurzelt. Ich sehe viele Menschen, die ihren Mitmenschen helfen. Long Beach, Long Island, New Jersey, alle Städte an der Küste, haben keinen Strom, manche haben ihre Häuser verloren, nicht mal etwas zum Anziehen, kein Essen, nichts! Und die Menschen nehmen den Weg auf sich und helfen ihnen.
Ich hoffe, die Stadt wird bald wieder zu seiner Normalität zurückfinden. Es ist sehr traurig, New York City so zu sehen. Vielen Dank für eure Hoffnung und besten Wünsche.
Vielen Dank, Patricia Vittorazzi.
Patricia Vittorazzi führt einen sehr informativen Blog über New York City: NY- Step-by-Step, auch zu finden bei Facebook. Schaut doch mal rein!
Foto: Patricia Vittorazzi
Patricia, musstest du dich vor Hurrikan „Sandy“ in Sicherheit bringen? Wurdet du auch evakuiert?
Patricia Vittorazzi: In Astoria (Queens), wo mein Bruder und ich zusammenwohnen, das ist drei Blocks vom East River entfernt, wurde nicht evakuiert. Wir haben uns gut vorbereitet: Wasser und genug Essen gekauft, außerdem Batterien, im Fall, dass der Strom ausfällt und auf das Schlimmste gewartet, doch wir konnten am Ende in unserer Wohnung bleiben. Um unseren Garten machten wir uns große Sorgen, wegen der Bäume und den Stromkabeln. Gott sei Dank ist bei uns nichts Schlimmeres passiert. Wir hatten lediglich starken Wind, Bäume fielen aber keine um. Wasser drang auch keines in unsere Wohnung ein, alles ging noch einmal gut.
Kannst du uns beschreiben, was du, kurz bevor „Sandy“ die Küste New Yorks erreichte, gefühlt hast? Hattest du Angst? Und wenn ja: Was war deine größte Angst?
Meine Gefühle... Wir machten uns wirklich große Sorgen, ich hatte sogar zeitweise Atemnot vor lauter Angst. Wir saßen die ganze Zeit vor dem Fernseher, von dem Moment an, als wir morgens aufwachten. Außerdem habe ich den ganzen Tag immer wieder online gecheckt, ob unser Bezirk noch unter den sicheren ist. Als wir all das Wasser sahen, wurde uns klar, dass unsere Wohnung auch unter Wasser stehen könnte, gerade weil wir ja so nah am East River wohnen. Und wir wurden verschont. Wir haben Gott gedankt! Die Wohnung war nicht meine größte Angst, aber zumindest eine sehr große!
Ein deutscher Reporter sagte im Fernsehen, dass die meisten New Yorker eher entspannt mit der Situation umgehen. Ist es möglich, dass einige den Hurrikan unterschätzt haben?
Ja! Ich denke, dass viele New Yorker nicht all zu sehr besorgt waren, deshalb hat unser Bürgermeister, Michael Bloomberg, die Bevölkerung auch dringlichst aufgefordert aufzupassen, besonders die Menschen in Zone A, welche als die gefährlichste eingestuft wurde. Ich wohne in Zone B. Heute dann, als sich der Bürgermeister erneut im Fernsehen an die Öffentlichkeit wandte, dankte er vielen der Amerikanern, die wirklich den Befehlen der Evakuierung gefolgt waren. Viele Menschen wären umgekommen, wenn sie in ihren Häusern geblieben wären, so Bloomberg.
Sandy hat New York gegen 1 Uhr nachts New Yorker Zeit erreicht. Habt ihr diesen Moment als solchen wahrgenommen oder war es eher ein fließender Prozess?
Nein – zumindest dort, wo wir leben, war es eher ein fließender Prozess. Bis 11 Uhr morgens stieg das Wasser des East River langsam an, dann kam leichter Regen dazu, dann Wind, dieser wurde immer stärker. Um 1.00 Uhr mittags war er dann wirklich sehr stark. Irgendwann merkten wir, dass das Schlimmste vorbei war und wir beschlossen, schlafen zu gehen.
Wie war die Stimmung am nächsten Morgen? War es eher still, oder hörte man Polizei- und Feuerwehrsirenen?
Es war ruhig hier in Astoria, ganz anders als in Manhattan, wo Sandy viel aggressiver gewütet hat. Durch das Fernsehen wusste ich, dass es Manhattan viel schlimmer getroffen hat. Polizisten und Feuerwehrleute waren non-stop im Einsatz.
Denkst du, dass Sandy Auswirkungen auf die bevorstehende Wahl haben könnte?
Wahrscheinlich hat der Hurrikan eine positive Auswirkung für Obama. Im Fernsehen zeigte er sich gestern bei seiner Ansprache zu den Bürgerinnen und Bürgern sehr besorgt. Die Sicherheit der Menschen lag und liegt ihm wirklich sehr am Herzen und er versprach alles zu tun, was in seiner Macht steht, um denjenigen, die die größten Schäden davongetragen haben, helfen zu können. Als ein Journalist ihn nach der Wahl fragte, war seine Antwort lediglich: "Darum kümmere ich mich momentan nicht! Meine Priorität Nummer 1 ist es, mich um das Wohl der betroffenen Menschen zu kümmern.“
Was ist mit der Solidarität der New Yorker untereinander. Helfen die Menschen einander?
Ja, das ist allgemein in der amerikanischen Mentalität verwurzelt. Ich sehe viele Menschen, die ihren Mitmenschen helfen. Long Beach, Long Island, New Jersey, alle Städte an der Küste, haben keinen Strom, manche haben ihre Häuser verloren, nicht mal etwas zum Anziehen, kein Essen, nichts! Und die Menschen nehmen den Weg auf sich und helfen ihnen.
Ich hoffe, die Stadt wird bald wieder zu seiner Normalität zurückfinden. Es ist sehr traurig, New York City so zu sehen. Vielen Dank für eure Hoffnung und besten Wünsche.
Vielen Dank, Patricia Vittorazzi.
Patricia Vittorazzi führt einen sehr informativen Blog über New York City: NY- Step-by-Step, auch zu finden bei Facebook. Schaut doch mal rein!
Foto: Patricia Vittorazzi






