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Hört auf euch mit exotischen Urlaubszielen zu übertreffen

Hassobjekt: Rich-Kid-Touris in armen Ländern

19.11.2012

Noch EIN Foto von irgendjemandem in Pluderhosen vor dem Taj Mahal und...

Na, schon gecheckt? In ein paar Wochen ist Weihnachten! Und ja: Das bedeutet Ferien! Aber wem sage ich das. Ihr liegt mir ja schon seit Wochen mit euren neuen, exotischen und wahnsinnig weit entfernten Reisezielen in den Ohren. Wohin solls denn diesmal gehen. Hawaii? Kuba? Süd-Ost-Asien? Hauptsache, der stressigen deutschen Kälte entfliehen und aus diesem Grund tonnenweise CO2 in die Luft blasen, oder? Herzlich willkommen zum Hassobjekt dieser Woche: Blöde european rich kids, die in den Urlaub fahren. Und zwar möglichst weit weg und möglichst dritte Welt und so, weils einfach geil ist und ihr es euch leisten könnt.

Uns gehört die Welt

Klar, ihr habt Geld und ihr habt Zeit. Und weil ihr diese qualitativ hochwertig nutzen wollt, macht ihr gerne Sport in der Natur. So weit, so schön. Aber ist es wirklich notwendig, dass seit neuestem alle, die gerne in die Berge gehen, jetzt zum Wandern nach Nepal fahren, obwohl sie direkt neben den Alpen wohnen? Warum surft ihr im Pazifik und nicht an der Côté d'Azur? Diese Attitüde, oh ich mag Berge, also fliege ich dahin wo es die allerhöchsten gibt und, oh Wellen sind super, also fliege ich dahin, wo die allergrößten sind, ist einfach eine total kranke Blüte unseres Wohlstands. Maßlosigkeit, Freunde.

Euch ist einfach nicht klar, dass das ein absolutes Privileg ist, dass ihr dazu in der Lage seid, über jede Kultur und jeden Ort dieser Erde zu recherchieren und wenn euch der Sinn danach steht, hinzufahren und das Objekt der jeweiligen Begierde anzufassen oder zu fotografieren. Tourismus in sehr arme Länder ist von Grund auf gänzlich einseitig und deshalb gänzlich ungerecht. Fühlt ihr euch nicht schlecht gegenüber dem nepalesischen Sherpa, der euer Gepäck durch seine Heimat trägt, aber mit Sicherheit niemals auch nur einen Fuß nach Europa setzen dürfen wird? 

Sachen fotografieren und Sachen erleben sind zwei unterschiedliche Dinge

Aber das muss er ja auch gar nicht, denn Europa kommt ja zu ihm und hält diesen fundamentalen kulturellen Austausch auf hübschen Urlaubsbildern fest. Schade nur, dass erleben und ablichten nicht das Gleiche sind! Jemand, der hinter Fensterglas in einem Bus durch irgendwelche Favelas cruist und dabei Fotos von Fußball spielenden armen Kindern macht, hätte ganz genauso gut zu Hause bleiben und Nachrichten schauen können, da kriegt ihr dieselben Bilder. Und wenn ihr von euren Indienreisen ganz aufgerüttelt zurück kommt, weil ihr endlich begriffen habt, dass es Armut in der Welt gibt und trotzdem immer noch nicht wisst, was ein Kasten-System ist, dann muss ich euch leider simple Weltfremdheit quittieren.

Aber das wundert mich auch nicht, wenn ihr eingehüllt in eure Wohlstandsblase von Sehenswürdigkeit zu Sehenwürdigkeit kugelt und dabei gänzlich vorbei an dem Alltag und der Kultur der realen Einwohner lebt, weil der Lonely-Planet-Führer euer einziger Zugang zu der euch umgebenden fremden Welt ist. Hört doch auf, Bilder der Menschen, die ihr trefft, auf Facebook hochzuladen und fangt endlich mal an, euch mit ihnen zu unterhalten! Ach nein, entschuldigung, ich vergaß: Geht ja nicht. Es ist super gefährlich, mit armen Menschen zu reden, die rauben einen nur aus und zum Glück sind die Fenster eures Reisebusses aus Panzerglas. So viel zum Thema kultureller Austausch. Das ist einfach ein Gerücht.

Lies auf Seite 2, warum du dein Selbst nicht in Indien findest, egal über wie viele Märkte du schlenderst...
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