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Moritz spricht über seine AIDS-Erkrankung und will Mut machen

Lebensfreude trotz HIV

30.11.2012

Interview: Moritz ist HIV-positiv und glaubt an seine Zukunft.

Von Markus Mayr

Moritz lebt, studiert und arbeitet in Berlin. Vor zwei Jahren bekam er die Diagnose: HIV-positiv. Doch „deswegen den Kopf in den Sand zu stecken, ist für mich keine Option.‟, sagte der 25-Jährige. Im Gegenteil: Er leiht sogar der diesjährigen Kampagne zum Welt-Aids-Tag sein Gesicht und seine Stimme – um aufzuklären und mit Halbwahrheiten aufzuräumen.


ZEITjUNG: Du bist Botschafter der diesjährigen Kampagne „Positiv zusammen leben... und arbeiten!" Damit stehst du für die HIV/Aids-Aufklärung zum ersten Mal in der Öffentlichkeit.


Moritz: Ja, und das war ein Sprung ins kalte Wasser. Es ist ja eine sehr große Kampagne, und ich habe mir anfangs schon Gedanken gemacht, ob solch ein Schritt das Richtige ist. Aber mittlerweile stehe ich voll hinter meiner Entscheidung.

Du hast also darüber nachdenken müssen, ob Du das wirklich machen möchtest?

Also ich glaube jeder, der nicht darüber nachdenkt, ist doof. Man muss ja alle  möglichen Konsequenzen in Betracht ziehen. Meine Entscheidung ist dennoch sehr schnell gefallen. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich der Richtige dafür bin und ausreichend Charakterstärke besitze. Denn es ist ja schon ein Unterschied, ob ich meinem Freundeskreis davon erzähle oder all meinen Kommilitonen in der Uni auf einmal.

Lass uns über deine persönliche Geschichte sprechen. Erinnerst Du dich an Deine ersten Gedanken, deine ersten Reaktionen als du das Testergebnis bekommen hast?
 
Klar erinnere ich mich daran. Aber um das zu erklären, muss ich ein bisschen früher anfangen. Bevor ich das Testergebnis bekommen habe, war ich ziemlich krank. In dieser akuten Phase, wenn die Virenlast das erste Mal explodiert, kann es sein, dass man wie unter einer extremen Grippe leidet. Ich hatte extrem starke Kopf- und Gliederschmerzen, war total schwach, litt an Nachtschweiß, Durchfall, Appetitlosigkeit und Koliken. Nachdem das nach zwei Wochen immer noch nicht abflaute, habe ich angefangen alle möglichen Ärzte zu konsultieren: Hausärzte, Internisten, usw. Doch das blieb alles erfolglos. Um nun HIV auszuschließen, weil ich als Homosexueller ja durchaus zur Risikogruppe gehöre, habe ich einen anonymen Schnelltest gemacht. Leider war der reaktiv, was – kurz gesagt – bedeutet, dass anhand eines großen Blutbilds ein richtiger HIV-Test unter dem Mikroskop gemacht werden muss. Weiter heißt das, dass man noch eine Woche länger auf das Ergebnis warten muss. Und Du kannst Dir vorstellen, wie es mir in dieser Woche des Wartens ging. Erst war ich krank und dann noch psychisch am Arsch, wegen der ständigen Angst vor HIV. Als ich dann das Ergebnis bekommen habe, war ich fast ein bisschen erleichtert. Nach-dem ich zwei Monate nicht wusste, womit ich es hier zu tun hatte, sah ich meinen Gegner auf einmal klar und deutlich vor mir. Also als erstes atmete ich auf, aber dann fiel ich schon in so etwas wie ein Loch. Doch ich fand relativ schnell wieder einen Weg aus dieser Anfangsdepression.

War es schwierig sich anderen Leuten anzuvertrauen, oder war es eher eine Erleichterung, das teilen zu können?

Das widerspricht sich nicht: Erleichterung und Schwierigkeit. Meine Schwester und engste Freunde wussten es schon seit der Woche des bangen Wartens. Und denen habe ich auch sofort reinen Wein eingeschenkt. Ich hatte aber auch das dringende Bedürfnis darüber zu sprechen, weil ich fix und fertig war. Ich hatte wahnsinnige Angst, aber meine Freunde und meine Familie haben mich aufgefangen. Es herrschte aber auch schon immer eine offene Gesprächsatmosphäre in meiner Familie, sodass es für mich ganz selbstverständlich war, auch mit so einem krassen Thema sofort zu ihnen zu gehen. Ich war mir sicher, nicht auf Ablehnung zu stoßen.

Lest auf der nächsten Seite, wie ein sogenannter "Buddy" Moritz davor bewahrt hat, depressiv zu werden...
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