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Sexismus im Alltag

Hey Mädlz Geil

03.12.2012

Schutzinstinkt und Mädchen-Klischees - Sexismus im Alltag.

Von Hannah Schopf

Ich sage es gleich zu Beginn, das hier wird kein wissenschaftlicher Artikel. Es geht mir auch nicht um Feminismus als tatsächliche Bewegung. Es geht mir um meinen Alltag. Meinen ganz normalen Alltag, den ich als 23-jährige, erwachsene Frau und Studentin verbringe. Also, dachte ich zumindest bis jetzt. Doch leider bekomme ich immer mehr den Eindruck, dass das der Rest der Welt nicht so sieht. Der nämlich sieht ein kleines, willenloses Mädchen in mir, das mit seinen Brüsten wackeln kann und ganz dringend ganz viel beschützt werden muss.

Wenn du mir was verkaufen willst, nimm mich gefälligst ernst


Da war zum Beispiel der Mann mit dem Glasfaserkabel. Nach Wochen der Baustelle vor dem Haus klingelt es eines Tages an der Tür und der Mann mit dem uncoolen Namen und den wenigen Haaren steht vor der Tür. Seine Aufgabe besteht darin, meine beiden Mitbewohnerinnen und mich über die Vorteile von Glasfaserinternet aufzuklären und von einem Tarifwechsel zu überzeugen. Diese schnöde Herausforderung garniert der Mensch dann aber mit einer skurrilen Show in unserem Türrahmen, die irgendwo zwischen Zelebration unseres juvenilen Lifestyles (WG!) und Anmache oszilliert.

„Heey Mädels, is ja ne geile Wohnung. Schon geil, so ohne Eltern, oder Mädels? Geil geil geil.“ Die absolut inflationäre Verwendung der Termini „Mädels“ und „Geil“ beraubt ihn leider jeglicher Seriosität. Schnell wird klar, dass seine Vorstellungen vom weiblichen Zusammenwohnen ziemlich deutlich von Bebe Young Care und Katjes-Werbungen geprägt sind: „Ja und dann kriegt ihr alle einen eigenen Telefonanschluss, stundenlang quatschen, is doch geil, Mädels. Und dann muss man auch nicht immer für die andere hingehen und sagen na-haaain, die is nich da-haaa! - Super nervig oder!?“ Dazu verzerrt er seine Stimme seltsam pseudo-weiblich und verdreht die Augen in bester Bitch-Manier.

Theresa, Esther und ich versuchen stoisch dieser Unsachlichkeit standzuhalten, indem wir mit verschränkten Armen und eisigen Gesichtern daran arbeiten, die erwachsenste und unnahbarste Aura der Welt um uns herum aufzubauen. Während wir nebeneinander stehen wie die in Stein gemeißelten Präsidenten von South Dakota macht der Glasfaserkabelmann süffisante Bemerkungen über unsere Urlaubsfotos an der Wand, wo wir ziemlich entkleidet in einem See stehen. Oh Mann, Typ. Was ist nur los mit dir?

Lest auf Seite 2, warum "Mädels" for free trinken und was Männer anzieht...
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