Zeitjung Online Zeitung - MSN Nachrichten

Wahl in Ägypten - Szenen aus einem Land, dass die Früchte einer Revolution ernten will

Die Revolution geht weiter!

25.05.2012

Ägypten wählt einen neuen Präsidenten. Eine Reportage in Wort und Bild.

Von Kristin Jankowski und Ahmed Khalifa

Prolog


“Ich werde nicht zur Wahl gehen. Der neue Präsident wird sowieso jemand sein, der zu dem alten Regime gehört“, sagt Ahmed Abd Rabo, während er an der Strassenecke steht. Es ist ein Abend in Kairo, tagsüber war die Luft heiß und stickig gewesen, später wehte ein leichter frischer Wind. Ahmed Abd Rabo ist ein junger Oppositioneller, der bereits unter dem ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak für Freiheit und Gerechtigkeit auf die Strasse gegangen ist. In wenigen Tagen soll ein neuer Präsidenten für das Land am Nil gewählt.

Doch so euphorisch scheint die Stimmung in Ägypten nicht zu sein. Da können  auch die zahlreichen Wahlplakte nicht viel Optimismus in die Gesichter der Menschen zaubern. Von fast überall sind sie zu sehen. Von der Autobahnbrücke schauen die alten Herren, die sich zum Wahlkampf aufstellen und nun auf gigantischen Postern abgebildet sind, auf die „Siegreiche“ – wie Kairo übersetzt heißt. Offenbar haben viele junge Menschen, die noch vor Monaten sturköpfig auf dem Tahrir-Platz demonstrierten, den Kampf fast aufgegeben. Die Stimmung ist gedrückt, viele sind depressiv und wehmütig.

Ein langer, blutiger Weg


Es war ein langer und blutiger Weg, bis zu der ersten Präsidentschaftswahl nach der Revolution in Ägypten am 23. und 24. Mai 2012. Es war vor allem ein Weg, bei dem es um Ausdauer und politisches Schachspiel ging. Die jungen Revolutionäre scheinen müde zu sein. Erschöpft von den Todesnachrichten ihrer Freunde, hoffnungslos von den zermürbten Hoffnungen.

„Nach der Revolution ist doch alles nur noch viel schlimmer geworden“, sagt Hema Ahmed, ein junger Ägypter. Ein Freund von ihm wurde auf dem Tahrir-Platz erschossen, ein anderer im Ägyptischen Museum von Soldaten gefoltert. „Das Land ist wie unter Schock, hier geht alles bergab“, spricht der 27-Jährige. Dennoch wird er am zweiten Wahltag an die Urne gehen und seine Stimme für den nasseristischen Kandidaten Hamdeen Sabahi abgegeben.

Ein Fünfkampf um ein modernes Ägypten

An den Tagen vor der Wahl versuchen die 13 Kandidaten die letzten Stimmen zu fangen. Fünf Männern wird zugetraut, der neue Präsident Ägyptens zu werden. Amr Moussa, der ehemalige Außenminister unter Hosni Mubarak, Ahmed Shafik, ehemaliger Premierminister in den letzten Tagen von Mubarak und Luftwaffengeneral, Mohammed Mursy, ein Ingenieur, der für die konservative Freiheits- und Gerechtigkeitspartei ins Rennen geht sowie Abdel Moneim Aboul Fotouh, ein Arzt, der vor Kurzem aus der Muslimbrüderschaft austrat um sich als unabhängiger Kandidat aufstellen zu lassen - und Hamdeen Sabahi, ein Journalist und langjähriges Mitglied der Opposition, der die nasseristische Tagammu-Partei gegründet hat. Khaled Ali, der Jüngste unter den Kandidaten, ein Rechtsanwalt und Aktivist, wird zwar derzeit noch nicht als ernstzunehmender Politiker wahrgenommen, hat es aber in sehr kurzer Zeit auf die politische Bühne geschafft. Er erhielt Rückendeckung von den jungen Revolutionären.

Lest auf Seite zwei, wie in Ägypten Wahlkampf gemacht wurde...
1 2 3 >>