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Die Debatte über die 3. Startbahn in München und die Frage nach dem Sinn von zunehmendem Flugverkehr.

Es geht auch ohne!

15.06.2012
Kommentar

In Deutschland regt sich Widerstand gegen immer mehr Flugverkehr - zu Recht!

Zunächst einmal: Ja, es wird weiterhin Flugverkehr nötig sein. Niemand wird ernsthaft behaupten, es gäbe Alternativen zum Flugzeug, um etwa nach Australien zu gelangen oder nach Fernost. Auch der Eisenbahntunnel in die USA, den 1913 Bernhard Kellermann in seiner berühmten Utopie beschrieb, war damals wie heute nichts als ein Hirngespinst. Dennoch stellt sich in Zeiten des menschengemachten Klimawandels die Frage, ob der Flugverkehr in seiner heutigen Form noch zeitgemäß ist. Darf man noch übers Wochenende nach München fliegen oder nach Berlin? Und wie sehen die Alternativen dazu aus?

In der Politik zumindest scheint ein Nachdenken über Alternativen zum Flugverkehr noch nicht begonnen zu haben. Munter wird weiter investiert. Am Frankfurter Flughafen wurde kürzlich eine vierte Startbahn eröffnet, in München soll eine dritte hinzukommen. Am kommenden Sonntag sind die Bürger der bayerischen Landeshauptstadt aufgerufen, über deren Bau abzustimmen. Die Befürworter meinen, nur eine 3. Startbahn mache München international attraktiv. So wirbt etwa Schauspieler Wolfgang Fierek für den Bau allen Ernstes mit dem Argument, Touristen würden ihre Wahl von München als Reiseziel von der Anzahl der Startbahnen am Flughafen abhängig machen!

Fliegen - Reisen mit verheerender Ökobilanz

Die Startbahn-Gegner hingegen befürchten vor allem eine zunehmende Lärmbelästigung der Anwohner. Außerdem sehen sie den Flugverkehr als klimaschädlichste Art des Reisens an. Und tatsächlich: Wer beispielsweise von München nach Berlin fliegt, emittiert etwa 150kg CO2. Eine Bahnfahrt hingegen verursacht lediglich 23kg klimaschädliche Schadstoffe, Tendenz sinkend, dank immer mehr Ökostrom im Bahnverkehr. Und der Zeitgewinn – rechnet man die Fahrt zum und vom Flughafen ein, die Sicherheitskontrollen am Airport und das Einchecken – ist beim Fliegen auf kurzen Strecken gegenüber der Bahn minimal.

Auf einen Großteil der Flüge kann verzichtet werden

Dass auf einen Großteil der Flüge von deutschen Airports locker verzichtet werden könnte, verrät auch ein Blick in die Statistiken von FRA, MUC und Co. So landen etwa auf den ersten vier Plätzen der von München aus angeflogenen Ziele Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Köln – Städte, die in wenigen Stunden auch per Zug zu erreichen sind. Die Lufthansa fliegt täglich sogar fünf Mal von München nach Nürnberg und zurück – Fahrtzeit mit dem ICE: rund eine Stunde. In Frankfurt zeigt sich ein ähnliches Bild: 2011 starteten hier ganze 72.000 Flüge zu Zielen, die binnen vier Stunden auch per Bahn zu erreichen wären, wie eine Anfrage der LINKEN an die Bundesregierung ergab.

Wir alle können handeln!

Wenn angesichts dieser Fakten die Politik nicht handelt, dann sind also wir, die Bürger, dazu aufgerufen. In unserer Funktion als Reisende – und als Wähler. Es liegt an uns, zu entscheiden, ob wir fliegen – oder auf ein umweltfreundlicheres Verkehrsmittel umsteigen. Und was die Münchner Bürgerinnen und Bürger betrifft: sie haben am kommenden Sonntag die Wahl, ob sie den Argumenten der Befürworter glauben schenkt, die ihnen einreden, nur eine 3. Startbahn mache München zu einer Weltstadt – oder doch lieber der Vernunft.

Foto: Wikimedia Commons