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Innenministerium setzt auf Plakat-Kampagne

Mit Plakaten gegen Radikalisierung

28.08.2012
Anti-Radikalisierungs-Kampagne

Das Innenministerium will mit einer Kampagne gegen die Radikalisierung junger Muslime vorgehen.

Die "Beratungsstelle Radikalisierung" will mit einer drastischen Plakatkampagne gegen die Radikalisierung junger Muslime vorgehen. Hinter der Beratungsstelle steckt das Bundesinnenministerium. Die Reaktionen der Islamverbände in Deutschland fallen dementsprechend aus. „Dies ist ohne Wenn und Aber eine Stigmatisierungs­kampagne gegen alle Menschen muslimischer Herkunft“, so Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland. 

In Deutsch, Arabisch und Türkisch

Die Plakate sind fiktive Vermisstenanzeigen, auf denen radikalisierte Muslime abgebildet sind. Auf ihnen ist etwa der Text zu lesen: "Das ist meine Freundin Fatima. Ich vermisse sie, denn ich erkenne sie nicht mehr. Sie zieht sich immer mehr zurück und wird jeden Tag radikaler. Ich habe Angst sie ganz zu verlieren – an religiöse Fanatiker und Terrorgruppen. Wenn es Dir so geht wie mir, wende Dich an die Beratungsstelle Radikalisierung unter 0911 – 943 43 43 oder per Mail." Die Plakate werden in deutscher, arabischer und türkischer Sprache gedruckt. 

Laut Angaben des Bundesinnenministeriums sollen die Plakate in Vierteln aufgehängt werden, in denen besonders viele Ausländer oder Deutsche mit Migrationshintergrund leben. Die Kampagne ist gleichzeitig der Startschuss für die neue Beratungsstelle, die eines der Resultate aus dem "Präventionsgipfel" im vergangenen Jahr sein soll, auf dem das Innenministerium gemeinsam mit Vertretern der muslimischen Gemeinde beschlossen hatte, energischer gegen die Radikalisierung junger Muslime vorzugehen. Gleichzeitig ist sie Teil der aus dem "Präventionsgipfel" entstandenen "Initiative Sicherheitspartnerschaft".

Zur Erläuterung heißt es auf der
Internetseite der Initiative: "Eltern, Angehörige, Freunde und Lehrer sind oft die ersten, denen eine Radikalisierung eines jungen Menschen auffällt und gleichzeitig die letzten, zu denen dieser trotz zunehmender Isolierung Kontakt hält. Um sie in einer solchen schwierigen Situation bestmöglich zu unterstützen und so gemeinsam der Radikalisierung des nahestehenden Menschen entgegenwirken zu können, steht nun ein professionelles Beratungsangebot bereit."

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Die neue Kampagne dürfte für ziemliche Aufregung sorgen, obgleich der Grundgedanke dahinter mit Sicherheit ein guter ist. Aber wie heißt es so schön: "Gut gemeint, ist noch lang nicht gut gemacht". Denn während das Innenministerium den Moslem an sich natürlich nicht stigmatisieren möchte, hat man aus der jüngsten Vergangenheit offenbar wenig gelernt. 

Ist doch gerade das Thema Islam in Deutschland eines mit ordentlich Konfliktpotential. Denn im Fall der Kampagne, so kann man das durchaus verstehen, wird die Radikalisierung einzig und allein mit dem Islam an sich in Verbindung gebracht. Soziale Hintergründe etwa fallen dabei unter den Tisch. Das geschieht auch deshalb, weil die Menschen auf den Plakaten gut gekleidet in die Kamera lächeln. 
  Bildquelle: Initiative Sicherheitspartnerschaft