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Die Occupy-Bewegung feiert ersten Geburtstag

Jung verstorben

18.09.2012

Occupy ist tot. Doch das sehen ein Jahr nach Beginn der Bewegung nicht alle so.

Der Himmel ist noch blau, das Gras noch grün und der Kapitalismus regiert immer noch unsere Gesellschaft. Nein, die Welt hat sich nicht verändert. Der Zucotti Park in New York war vor einem Jahr, im September 2011, Geburtsort der Occupy Bewegung, die nicht weniger als das erreichen wollte: die Welt verändern. „Steht auf! Bewegt euch! Empört euch!“ Schlachtrufe, die in Protestcamps vor der Wallstreet und der Frankfurter Börse auf Plakate geschrieben und in die internationalen Fernsehkameras geschrien wurden. „Schaut auf uns, ihr da oben! WIR sind die 99%!“

Occupy ist tot.

Ja, aber wieviel ist heute, im September 2012, noch übrig von den 99%? Schon seit Monaten ist nichts Neues mehr zu hören. Die Camps wurden größtenteils entfernt, die Berichterstattung eingestellt, die Welt hat sich weitergedreht. Dem Amerikanischen Herbst folgte kein Winter. Und so starb die Bewegung aus.

Das sieht Uschi Bauer anders. Sie ist Administratorin der Webseite „Echte Demokratie jetzt!“, dem deutschen Ableger der Occupy-Bewegung und sprach im Namen des vierköpfigen Admin-Teams mit ZEITjUNG. „Es gehen immer mehr Menschen mit, weil sie die herrschende Ungleichheit in eine neue Balance bringen möchten.“ Aber wo sind sie? Wo sind all die Menschen, die immer noch dem Protest folgen? Kaum war der mediale Hype vorbei, wurde es sehr schnell sehr ruhig um die Bewegung.

„Wir unterstützen solidarisch permanent Aktivitäten rund um den Globus. Es zählt nicht das Label, sondern die Tat: occupy democracy - die neue Welt entsteht im Zelt!“, so Bauer. Hier liegt vielleicht der Punkt: Die Bewegung war von Anfang an sehr versplittert. Occupy Wallstreet, Occupy together, Democracia Real Ya, Echte Demokratie jetzt! Die Grenzen zwischen den einzelnen Initiativen sind so diffus und verschwommen wie die Ziele und Erfolge, auf die die Occupybewegung zurückblicken kann.

Zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Die Protestler gaben Anstoß für Debatten, mobilisierten und politisierten. Das wurde weltweit mit Staunen und Bewunderung verfolgt. Jedoch geschah alles, ohne sich auf konkrete Ziele zu einigen. Die Forderungen waren entweder sehr allgemein oder es gab so viel unterschiedliche, die sich widersprochen haben. Immer wieder wurde darauf erwidert, das sei eben das basisdemokratische Prinzip. Diese Einstellung nahm der Bewegung aber jede Radikalität und gab Raum für Aufreibungen im Innern. Die Occupy-Bewegung war zunehmend viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Einer der Gründe, weswegen die Ideen und Parolen aus den Köpfen der Menschen verschwanden.

Wie stellt sich „Echte Demokratie jetzt!“ das nächste Jahr vor? Wo wollen sie stehen? Da kann zumindest Uschi Bauer eine Vision formulieren: „Die Milestones können sein: Geld für Menschen statt für Banken (z.B. bedingungsloses Grundeinkommen), Reform des Geldsystems , Gemeinwohlökonomie statt Wachstumswahn, echte Bürgerdemokratie via Internetparlament.“ In einem Jahr? Das ist mutig, beziehungsweise weltfremd.

"Der Planet gehört uns allen."

„Wirkliche Veränderung geschieht aus dem Empfinden heraus, dass wir letztlich alle voneinander abhängig, miteinander verbunden & füreinander verantwortlich sind. 'Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker' - sagte schon Che Guevara. Es ist an der Zeit, dass wir uns als Global Family begreifen, denn der Planet gehört uns allen“, schreibt Bauer. Das klingt schön, bringt uns aber keinen Schritt voran. Die Occupy-Bewegung hat den Kontakt zu den Menschen verloren. September 2012: In diesen Tagen wäre die Occupy-Bewegung ein Jahr alt geworden. Doch sie starb nur wenige Monate nach ihrer Geburt.

Bildquelle: Sunset Parkerpix unter cc by-sa 2.0