Wachsende Einflussnahme der Bundeswehr
Guten Morgen, Herr Oberst!
19.10.2012
Die Bundeswehr sucht verstärkt den Kontakt zu jungen Menschen. An den Schulen, den Unis und den Medien.
Adventszeit ist Bastelzeit. Vor allem in Grundschulklassen. Überall das gleiche Spiel: Aus rotem, blauem, gelbem Tonpapier, Kleber und einer Hand voll Buntstiften entstehen dann Sterne, Schneeflocken oder Schutzengel für die dunkle Jahreszeit. Überall. Wahrscheinlich auch in Gummersbach-Bernberg. Doch mit einem Unterschied: Hier basteln die Kinder der Klasse 2b der Gemeinschaftsgrundschule Schutzengel für die Soldaten in Afghanistan.
"Schutzengel für Afghanistan" heißt das Projekt, das 2011 entstanden ist und seitdem große Wirkung gezeigt hat. Die Soldaten in Masar-i-Sharif waren derart von der Post aus der Heimat begeistert, dass der Luftwaffenstützpunkt Köln-Wahn nun eine dauerhafte Partnerschaft mit der Klasse eingeganen ist. Luftwaffe mit Luftballon? Ein Scherz? Ganz und gar nicht! Die Kinder werden von der Bundeswehr auf Klassenfahrt eingeladen und jeden Morgen erzählt die Klassenlehererin Frau Sülz, wie das Wetter an der Front ist und wie es den Soldaten so geht. Das geht vielen zu weit. "Schutzengel für Afghanistan" hat Lehrer- und Elternverbände geschockt. Grundschulkinder seien viel zu jung, als dass sie schon mit dem Thema Krieg konfrontiert werden sollten.
Das Bundesverteidigungsministerium sieht das anders. Ralph Christian Meyer, Sprecher des Generalinspekteurs der Bundeswehr, betont, dass es bei der Kooperation mit der Grundschule um etwas Anderes als Krieg geht. "Es sollen die Lebensbedingungen und die persönliche Lage der Soldatinnen und Soldaten und der Menschen in Afghanistan auf emotional leicht verständliche Weise nähergebracht werden." Die Bundeswehr geht an viele Schulen, um über Auslandseinsätze zu sprechen. Aber "Grundschulen gehören nicht zur Zielgruppe", so Meyer. Jugendliche zwischen 15 und 18 dafür umso mehr. Das Interesse der Bundeswehr an der jungen Zielgruppe scheint in den letzten Jahen gestiegen zu sein.
Soldaten im Klassenzimmer gibt es nicht erst seit gestern. 1957 wurden die ersten Jugendoffiziere ausgebildet. 1961 wurde offiziell festgehalten, dass nur sogenannte Wehrdienstberater über die Karrierechancen der Bundeswehr informieren sollten. Die Aufgabe der Jugendoffiziere ist es, als externe Referenten an Schulen und vor Referendaren an Unis über Außen- und Sicherheitspolitik zu sprechen. "Die Trennung der Arbeit der Wehrdienstberater und der Jugendoffiziere wird seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert", so der Sprecher des Ministeriums. Dieser Unterschied ist der Bundeswehr sehr wichtig und wird von ihr stets betont. Viele sehen hinter der Arbeit jedoch eine ganz andere Motviation als politische Bildung.
Bundeswehr in der Klemme
Spätestens seit Aussetzung der Wehrpflicht ist die Bundeswehr in der Klemme. Seit Jahren sind etwa 7000 Posten nicht besetzt. "Die Bundeswehr wirbt verstärkt, um auf ihre Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Dabei befinden wir uns in Konkurrenz zu zivilen Arbeitgebern bei einer immer kleiner werdenden Zahl von Schulabsolventen", erklärt Meyer. Es kommen einfach nicht genügend junge Menschen nach. Und der Reiz, sich bei der Armee verpflichten zu lassen, ist für viele denkbar gering. Auch wenn ein finanziertes Studium verlockend klingt. Die meisten wollen nicht kämpfen: aus moralischen Gründen oder aus Angst vor Verletzung oder Tod. Die Bundeswehr tut gut daran, ein neues und cooles Bild der Armee aufzubauen. Dafür nutzt sie unterschiedlichste Wege, auch außerhalb von Schule und Uni.
"Action, Adrenalin, Abenteuer!"
Zwischen Justin Bieber und Doktor Sommer stand vor wenigen Wochen auf bravo.de ein Video der Bundeswehr. "Berg- oder Beachtyp?": Unter diesem Motto warb sie für ihre sogenannten Adventure Camps. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein normales Ferienlager. "Action, Adrenalin, Abenteuer", ist zu lesen. Doch es geht nicht nur um "crazy Strandspiele". Insgesamt 60 Jugendliche haben die Möglichkeit bekommen, ihre Ferien entweder bei der Luftwaffe auf Sardinien oder bei den Gebirgsjägern in Berchtesgaden zu verbringen. Die Bundeswehr will für sich werben und einen, wie es heißt, "Einblick in das Leben bei der Bundeswehr geben".
Die Folgen der Bravokampagne auf der nächsten Seite.
"Schutzengel für Afghanistan" heißt das Projekt, das 2011 entstanden ist und seitdem große Wirkung gezeigt hat. Die Soldaten in Masar-i-Sharif waren derart von der Post aus der Heimat begeistert, dass der Luftwaffenstützpunkt Köln-Wahn nun eine dauerhafte Partnerschaft mit der Klasse eingeganen ist. Luftwaffe mit Luftballon? Ein Scherz? Ganz und gar nicht! Die Kinder werden von der Bundeswehr auf Klassenfahrt eingeladen und jeden Morgen erzählt die Klassenlehererin Frau Sülz, wie das Wetter an der Front ist und wie es den Soldaten so geht. Das geht vielen zu weit. "Schutzengel für Afghanistan" hat Lehrer- und Elternverbände geschockt. Grundschulkinder seien viel zu jung, als dass sie schon mit dem Thema Krieg konfrontiert werden sollten.
Das Bundesverteidigungsministerium sieht das anders. Ralph Christian Meyer, Sprecher des Generalinspekteurs der Bundeswehr, betont, dass es bei der Kooperation mit der Grundschule um etwas Anderes als Krieg geht. "Es sollen die Lebensbedingungen und die persönliche Lage der Soldatinnen und Soldaten und der Menschen in Afghanistan auf emotional leicht verständliche Weise nähergebracht werden." Die Bundeswehr geht an viele Schulen, um über Auslandseinsätze zu sprechen. Aber "Grundschulen gehören nicht zur Zielgruppe", so Meyer. Jugendliche zwischen 15 und 18 dafür umso mehr. Das Interesse der Bundeswehr an der jungen Zielgruppe scheint in den letzten Jahen gestiegen zu sein.
Soldaten im Klassenzimmer gibt es nicht erst seit gestern. 1957 wurden die ersten Jugendoffiziere ausgebildet. 1961 wurde offiziell festgehalten, dass nur sogenannte Wehrdienstberater über die Karrierechancen der Bundeswehr informieren sollten. Die Aufgabe der Jugendoffiziere ist es, als externe Referenten an Schulen und vor Referendaren an Unis über Außen- und Sicherheitspolitik zu sprechen. "Die Trennung der Arbeit der Wehrdienstberater und der Jugendoffiziere wird seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert", so der Sprecher des Ministeriums. Dieser Unterschied ist der Bundeswehr sehr wichtig und wird von ihr stets betont. Viele sehen hinter der Arbeit jedoch eine ganz andere Motviation als politische Bildung.
Bundeswehr in der Klemme
Spätestens seit Aussetzung der Wehrpflicht ist die Bundeswehr in der Klemme. Seit Jahren sind etwa 7000 Posten nicht besetzt. "Die Bundeswehr wirbt verstärkt, um auf ihre Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Dabei befinden wir uns in Konkurrenz zu zivilen Arbeitgebern bei einer immer kleiner werdenden Zahl von Schulabsolventen", erklärt Meyer. Es kommen einfach nicht genügend junge Menschen nach. Und der Reiz, sich bei der Armee verpflichten zu lassen, ist für viele denkbar gering. Auch wenn ein finanziertes Studium verlockend klingt. Die meisten wollen nicht kämpfen: aus moralischen Gründen oder aus Angst vor Verletzung oder Tod. Die Bundeswehr tut gut daran, ein neues und cooles Bild der Armee aufzubauen. Dafür nutzt sie unterschiedlichste Wege, auch außerhalb von Schule und Uni.
"Action, Adrenalin, Abenteuer!"
Zwischen Justin Bieber und Doktor Sommer stand vor wenigen Wochen auf bravo.de ein Video der Bundeswehr. "Berg- oder Beachtyp?": Unter diesem Motto warb sie für ihre sogenannten Adventure Camps. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein normales Ferienlager. "Action, Adrenalin, Abenteuer", ist zu lesen. Doch es geht nicht nur um "crazy Strandspiele". Insgesamt 60 Jugendliche haben die Möglichkeit bekommen, ihre Ferien entweder bei der Luftwaffe auf Sardinien oder bei den Gebirgsjägern in Berchtesgaden zu verbringen. Die Bundeswehr will für sich werben und einen, wie es heißt, "Einblick in das Leben bei der Bundeswehr geben".
Die Folgen der Bravokampagne auf der nächsten Seite.












