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Obama: Warum wir nach der Präsidenten-Kür mal einen Gang zurückschalten sollten

Obamania

07.11.2012

Deutschland kommentiert die US-Wahl kollektiv euphorisch – eine Reflexion.

Politikverdrossenheit. Was für ein Wort. Das hat die Gesellschaft für deutsche Sprache schon 1992 so gesehen – und es zum Wort des Jahres gemacht. Zurecht. Denn: Toll, welch komplexen Inhalt es zu transportieren in der Lage ist. Inhaltlich ist das Ganze dann natürlich ernüchternd. Politikverdrossenheit bedeutet, dass wir genug haben von der Politik. Wir haben genug von der Politik, weil wir finden, dass unsere Stimme nichts (mehr) Wert ist. Oder weil wir es satt haben, dass die Politiker in unserem Namen für Dinge stimmen, die wir gar nicht wollen. Oder weil sie sich auf die allseits beliebte Alternativlosigkeit herausreden, wenn wir meinen, sie müssten nun doch wirklich mal handeln.

Alternativlosigkeit. Was für ein Wort … Ach, nein, das war ein anderer Text! Im Ergebnis bedeutet Politikverdrossenheit also: Wir wenden uns angewidert ab. Wir lesen keine Zeitung mehr. Wir gehen nicht mehr wählen. Wir gucken Claus Kleber nicht mehr dabei zu, wie er mit Gundula Gause durchs virtuelle Studio turnt. Wir zappen weiter. Und da: Plopp! flimmert er über die Mattscheibe. Der Messias. Der Mann, der uns die Politik wieder lieben lehrt. Barack Obama.

Der Polit-Messias

An dieser Stelle sei aus Sicherheitsgründen folgender Einschub erlaubt: Das hier ist keine Abrechnung mit Barack Obama. In Zeiten der Obamania muss man sich da absichern. Ein Obama-Verriss wäre hierzulande gerade so lebensmüde wie 1968 Helmut Salzingers Text über die „Scheiß Beatles“. Mehr als 90% aller Deutschen hätten ihn gewählt – hätten sie denn gedurft. Dabei ist Obama ist eine zwiespältige politische Persönlichkeit. Er hat mehr versprochen als er halten konnte. Man denke nur daran, dass er glaubte, mit dem Tag seiner Wahl würden die Meeresspiegel aufhören zu steigen. Naja … Daran gemessen hat er eine verheerende Bilanz. Grundsätzlich hat er sich aber mehr als passabel geschlagen. Allein seine Gesundheitsreform verdient höchsten Respekt. Danach, das sollte man bedenken, regierte er zwei Jahre gegen das Repräsentantenhaus.

In diesem Sinne zurück zur Verdrossenheit: Da erscheint also dieser Polit-Messias und verspricht Amerika und der Welt „Change“. Wandel. Super, denkt man sich. Der wirkt smart, sieht nett aus und gut reden kann er auch. Dazu der erste afroamerikanische Präsident der USA. Ein historischer Augenblick. Euphorie. Friedensnobelpreis. Brandenburger Tor. Alle so: Yeah. Stille.

Auf der nächsten Seite lest ihr, was wir aus dieser Wahl lernen können

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