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"Heult Doch"- Das neue Buch von Meredith Haaf.

"Fangt an, euch selbst ernst zu nehmen!"

11.09.2011

Im Buch "Heult Doch" von Meredith Haaf bleibt unsere Generation nicht verschont. Ein Interview.

Die Journalistin Meredith Haaf, geboren 1983, studierte Geschichte und Philosophie in München. Als freie Autorin arbeitet sie für unterschiedliche Zeitungen und Zeitschriften, wie beispielsweise das SZ Magazin, NEON oder SPIEGEL Online. Gemeinsam mit Susanne Klingner und Barbara Streidl veröffentlichte sie 2008 das Buch »Wir Alphamädchen«. Außerdem ist Meredith Haaf Gründerin des preisgekrönten Blogs maedchenmannschaft.net. Am 15. September erscheint ihr neues Buch „Heult Doch – Über eine Generation und ihre Luxusprobleme“. Im ZEITjUNG-Interview spricht Meredith Haaf über eine Generation, die für nichts Verantwortung übernehmen will.

 
ZEITjUNG: Was ist denn die Kernaussage von "Heult Doch"?
 
Meredith Haaf: Für mich ist das Problem unserer Generation: Wir müssen nicht mehr erwachsen werden, wir sind es schon. Also sollten wir auch anfangen, so zu handeln. Das Buch beschäftigt sich mit der Generation der jungen Menschen, die in der deutschen Mittelschicht aufgewachsen ist und die in so ziemlich jeder Hinsicht ungewöhnlich entfremdet: Sie hat keinen Bezug zu Politik, weil sie die Politik für machtlos hält und keinen Sinn in ihr erkennen kann. Sie hat keinen Bezug zur Gesellschaft, weil sie kein Konzept von Gesellschaft hat. Sie hat keinen Begriff von Solidarität, weil Solidarität in den letzten 30 Jahren im Westen Stück für Stück abgeschafft worden ist.

Diese Generation hat einzig und allein Bezug zu ihrem Privatleben und zu ihren Privatleistungen, ist darin aber von Ängsten und Unsicherheiten geplagt. All das führt dazu, dass es dieser Generation besonders schwer fällt, Kritik zu üben und Konfrontation zu wagen. Und weil wir hier von den Leuten reden, die irgendwann die Öffentlichkeit und die Gesellschaft bilden, finde ich das extrem problematisch.
 
Du beschreibst, dass unsere Generation nicht so recht Verantwortung übernehmen will. Was sind deiner Meinung nach die Gründe dafür?

Es gibt einen Mangel an Selbstbewusstsein aber auch einen Mangel an Wissen, wie man eigentlich Verantwortung übernehmen kann. Hinzu kommt, dass so viele von uns sehr behütet aufgewachsen sind und bis in ein relativ fortgeschrittenes Erwachsenenstadium in finanzieller und auch sonstiger Abhängigkeit von den Eltern bleiben. Gleichzeitig sind die Zukunftsperspektiven seit Jahren ganz schön beschissen, also wie man uns die Zukunft erzählt, und das hat einen entmutigenden Effekt.
 
"Wir werden so selten wütend, weil es schöner ist und einfacher, nicht wütend zu sein. Die Frage ist nur, ob uns das in Anbetracht der vielen Dinge, über die wir nicht nur wütend werden sollten, sondern gegen die wir uns auch wehren sollten, die richtige Einstellung ist." (Heult Doch, Kapitel Fünf)
 
Welche Eigenschaften fehlen uns?
 
Vor allem: Kritikfähigkeit, die Freude an der Auseinandersetzung und der Wille, mehr als erfolgreiche Individuen zu sein.


Was willst du deiner Generation mit deinem Buch sagen?

 
Dass es sich nicht lohnt, darauf zu warten, dass man sich irgendwann groß, mutig und erwachsen fühlt. Dass sich nichts so ändert, wie man es haben möchte, wenn man nicht bereit ist, selbst etwas dafür zu tun. Und dass Kritik und Konflikt auch was Gutes sind und Harmoniesucht ganz schön gefährlich sein kann.
 
"Wir sind flexibel und leistungsbereit, sagt man über uns, und es ist lobend gemeint. Doch was erfahren wir aus einer solchen Beschreibung schon, außer dass viele von uns offensichtlich eine Riesenangst davor haben, unterzugehen, wenn sie sich nicht an die vermeintlichen Lebenslauf- und Lebenstempovorgaben der Gesellschaft halten? Hinter Leistungsbereitschaft und Flexibilität stehen keine Werte, keine Zielvorstellungen, keine Ideen. Es sind absolut leere Eigenschaften."(Heult Doch, Kapitel 4)


Aber ist denn unsere Ausgangslage wirklich besser, um Verantwortung zu übernehmen und das Leben aus eigenen Zügen auf die Reihe zu bringen? Meine Mutter hatte schon mit 4 Jahren verinnerlicht: "Verlass dich nur auf dich selbst". Ich wurde in der Kindheit bei jedem Mucks mit Kuscheltieren überschüttet und stehe jetzt mit 25 da, kriege das selbstständige Leben immer noch nicht so recht hin und muss vor allem eines lernen: Bescheidenheit. Glaubst du, wir haben es da wirklich so viel leichter?

Genau das meine ich mit Luxusproblemen: Unserer Generation wird immer gesagt: "Aber ihr habts doch sooo einfach, schaumal wie hart wir es hatten." Und das stimmt ja auch. Und trotzdem – das ist das große Paradox unserer Generation – haben wir es genau deswegen letztlich genauso schwer. Es sind aber eben ganz andere Schwierigkeiten als diejenigen, die unsere Eltern hatten. Man kann das Luxusproblem nennen - aber auch ein Luxusproblem ist ein Problem.

 
Gibt´s von deiner Seite konkrete Lebenstipps, wie wir unsere Luxusprobleme in Griff kriegen könnten?
 
Nein, mit Lebenshilfe hat das nicht so viel zu tun. Ich denke, das wichtigste ist: Fangt an, euch selbst ernst zu nehmen, dann werdet ihr auch ernst genommen.  
 
Das Buch "Heult Doch" von Meredith Haaf erscheint am 15. September 2011 im Piper Verlag. Du willst es als erster haben? Wir Verlosen zwei Exemplare unter Allen, die an unserer "Heult Doch"-Diskussion auf Facebook teilnehmen. Ansonsten kann man das Buch für 8,95 Euro hier direkt vom Verlag bestellen.
 
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Bildquelle: Piper Verlag