No homo? Doch homo! Der Gaydar schlägt automatisch aus.
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25.05.2012
Wir sind ziemlich gut darin, homo- und heterosexuelle Menschen als solche zu erkennen.
Der Gaydar: Ein unerlässliches Messinstrument, das Schwulen, Lesben und Bisexuellen dabei hilft, die Spreu vom Weizen zu trennen. Sozusagen. Doch auch heterosexuelle Menschen verfügen über den Gaydar: die Fähigkeit, homosexuelle Menschen auch als solche zu erkennen. Doch wie funktioniert er? Joshua Tabak von der University of Washington und Vivian Zayas von der Cornell University haben nun vor Kurzem eine Studie veröffentlicht, in der sie beschreiben, wie genau der Gaydar funktionieren könnte.
Menschen sind in der Lage, andere Menschen auch nur anhand von Fotos als schwul oder lesbisch zu erkennen, selbst wenn diese Fotos nur sehr kurz dargeboten werden und wenn sie auf die Gesichtszüge reduziert sind, das heißt schwarz-weiß und ohne vielleicht verräterische Merkmale wie Schmuck, Piercings, Brillen oder Frisur. Das war schon vorher bekannt. Die Frage, die sich nun stellte, war, anhand welcher Merkmale unser Gaydar ausschlägt: anhand individueller Gesichtsmerkmale, wie zum Beispiel dem Auge? Oder eher anhand der Gesamtanordnung, also zum Beispiel den Abstand zwischen den Augen?
Gibt es einen homosexuellen Augenabstand?
Um das herauszufinden, hat Joshua Tabak 129 Studenten als Versuchspersonen rekrutiert: Diese betrachteten insgesamt 96 Bilder von Schwulen und Lesben sowie heterosexuellen Menschen und mussten deren sexuelle Orientation beurteilen. Ein Teil der Bilder war dabei auf den Kopf gestellt: Denn so wird die Gesichtserkennung der Gesamtanordnung gehemmt und man konzentriert sich stärker auf die einzelnen Gesichtsmerkmale, also Nase, Mund, Augen, etc., statt auf ihre Anordnung zueinander. Die Bilder waren schwarz-weiß; und es wurden wirklich nur die Gesichter gezeigt; die Frisuren waren weggeschnitten worden. Zusätzlich wurden die Gesichter nur 50 ms lang präsentiert: Ein Blinzeln dauert länger.
Die Ergebnisse waren aufschlussreich: Im Allgemeinen wurden Frauen mit höherer Präzision als hetero- oder homosexuell identifiziert als Männer, nämlich mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent. Für Männer lag der Anteil des korrekten Ratens bei 57 Prozent: Hier wurden Männer öfter als schwul eingeschätzt, als sie es wirklich waren. Für die umgedrehten Bilder sanken diese Zahlen auf 61 Prozent für Frauen und auf 53 Prozent für Männer - nur noch knapp über der Wahrscheinlichkeit, die man beim Raten erreichen würde, aber statistisch signifikant ist sie doch. Dass der Anteil bei den umgekehrten Fotos niedriger lag als bei den aufrechten, erklären die Autoren damit, dass die Gesichtserkennung über die Gesamtanordnung eine große Rolle für den Gaydar spielt: Dreht man das Bild um, dann funktioniert diese Methode nicht mehr so gut. Wir scheinen die Gesamtanordnung also für die Erkennung genauso zu brauchen wie die einzelnen Gesichtsmerkmale.
Immer zuverlässig ist der Gaydar dann doch nicht
Was man bei diesen Ergebnissen im Hinterkopf behalten sollte: Die Versuchspersonen waren Studenten im Alter von 18 bis 25 Jahren, die sich Bilder von Personen betrachteten, die sich in einem ähnlichen Alter befanden. Ob man von diesen Studenten aus einer einzigen Altersklasse auf die gesamte Bevölkerung extrapolieren kann, ist fraglich. Und eine Frage wurde auch nicht beantwortet: Wer hat nun den besseren Gaydar? Schwule Männer? Lesbische Frauen? Bisexuelle oder doch Heterosexuelle? Die Versuchspersonen wurden nicht nach ihrer sexuellen Orientation gefragt.
Was sagt uns das jetzt? Zum einen: Wir würden Schwule und Lesben mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch dann erkennen, wenn sie vor uns auf dem Kopf stünden. Zum anderen bestätigt das Experiment auch: Wir schätzen die sexuelle Orientation unseres Gegenübers sehr schnell und unbewusst ein - und liegen dabei oft zwar gar nicht mal so falsch, aber eben auch nicht immer richtig. Wenn ihr also beim nächsten Weggehen denkt: Das Mädchen da drüben ist heiß und außerdem schlägt mein Gaydar aus, kann man sich trotzdem nicht sicher sein, ob sie eure Einladung zum Tanzen auch annehmen wird oder sich doch lieber in die Arme ihres heterosexuellen Freundes wirft.
Bildquelle: BinaryApe (flickr.com) unter cc-by-2.0
Quelle: Tabak JA, Zayas V (2012) The Roles of Featural and Configural Face Processing in Snap Judgments of Sexual Orientation. PLoS ONE 7(5): e36671. doi:10.1371/journal.pone.0036671
Menschen sind in der Lage, andere Menschen auch nur anhand von Fotos als schwul oder lesbisch zu erkennen, selbst wenn diese Fotos nur sehr kurz dargeboten werden und wenn sie auf die Gesichtszüge reduziert sind, das heißt schwarz-weiß und ohne vielleicht verräterische Merkmale wie Schmuck, Piercings, Brillen oder Frisur. Das war schon vorher bekannt. Die Frage, die sich nun stellte, war, anhand welcher Merkmale unser Gaydar ausschlägt: anhand individueller Gesichtsmerkmale, wie zum Beispiel dem Auge? Oder eher anhand der Gesamtanordnung, also zum Beispiel den Abstand zwischen den Augen?
Gibt es einen homosexuellen Augenabstand?
Um das herauszufinden, hat Joshua Tabak 129 Studenten als Versuchspersonen rekrutiert: Diese betrachteten insgesamt 96 Bilder von Schwulen und Lesben sowie heterosexuellen Menschen und mussten deren sexuelle Orientation beurteilen. Ein Teil der Bilder war dabei auf den Kopf gestellt: Denn so wird die Gesichtserkennung der Gesamtanordnung gehemmt und man konzentriert sich stärker auf die einzelnen Gesichtsmerkmale, also Nase, Mund, Augen, etc., statt auf ihre Anordnung zueinander. Die Bilder waren schwarz-weiß; und es wurden wirklich nur die Gesichter gezeigt; die Frisuren waren weggeschnitten worden. Zusätzlich wurden die Gesichter nur 50 ms lang präsentiert: Ein Blinzeln dauert länger.
Die Ergebnisse waren aufschlussreich: Im Allgemeinen wurden Frauen mit höherer Präzision als hetero- oder homosexuell identifiziert als Männer, nämlich mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent. Für Männer lag der Anteil des korrekten Ratens bei 57 Prozent: Hier wurden Männer öfter als schwul eingeschätzt, als sie es wirklich waren. Für die umgedrehten Bilder sanken diese Zahlen auf 61 Prozent für Frauen und auf 53 Prozent für Männer - nur noch knapp über der Wahrscheinlichkeit, die man beim Raten erreichen würde, aber statistisch signifikant ist sie doch. Dass der Anteil bei den umgekehrten Fotos niedriger lag als bei den aufrechten, erklären die Autoren damit, dass die Gesichtserkennung über die Gesamtanordnung eine große Rolle für den Gaydar spielt: Dreht man das Bild um, dann funktioniert diese Methode nicht mehr so gut. Wir scheinen die Gesamtanordnung also für die Erkennung genauso zu brauchen wie die einzelnen Gesichtsmerkmale.
Immer zuverlässig ist der Gaydar dann doch nicht
Was man bei diesen Ergebnissen im Hinterkopf behalten sollte: Die Versuchspersonen waren Studenten im Alter von 18 bis 25 Jahren, die sich Bilder von Personen betrachteten, die sich in einem ähnlichen Alter befanden. Ob man von diesen Studenten aus einer einzigen Altersklasse auf die gesamte Bevölkerung extrapolieren kann, ist fraglich. Und eine Frage wurde auch nicht beantwortet: Wer hat nun den besseren Gaydar? Schwule Männer? Lesbische Frauen? Bisexuelle oder doch Heterosexuelle? Die Versuchspersonen wurden nicht nach ihrer sexuellen Orientation gefragt.
Was sagt uns das jetzt? Zum einen: Wir würden Schwule und Lesben mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch dann erkennen, wenn sie vor uns auf dem Kopf stünden. Zum anderen bestätigt das Experiment auch: Wir schätzen die sexuelle Orientation unseres Gegenübers sehr schnell und unbewusst ein - und liegen dabei oft zwar gar nicht mal so falsch, aber eben auch nicht immer richtig. Wenn ihr also beim nächsten Weggehen denkt: Das Mädchen da drüben ist heiß und außerdem schlägt mein Gaydar aus, kann man sich trotzdem nicht sicher sein, ob sie eure Einladung zum Tanzen auch annehmen wird oder sich doch lieber in die Arme ihres heterosexuellen Freundes wirft.
Bildquelle: BinaryApe (flickr.com) unter cc-by-2.0
Quelle: Tabak JA, Zayas V (2012) The Roles of Featural and Configural Face Processing in Snap Judgments of Sexual Orientation. PLoS ONE 7(5): e36671. doi:10.1371/journal.pone.0036671











