Cyborg Neil Harbisson im Interview
Der Klang der Farben
23.08.2012
Wir berichten von der "Campus Party Europe" aus Berlin
Neil Harbisson ist anerkannter Cyborg, er hört Farben durch implantierte Elektronik. Ein Gespräch über Harmonie.
Rotes Shirt, gelbe Hose, blaues Jacket und schwarz-weiße Schuhe, die stark an einen italoamerikanischen Gangsterfilm erinnern. Am Rande der „Campus Party Europe“ in Berlin sitzt Neil Harbisson auf dem weißen Sofa der Presselounge und hebt sich deutlich von grauen Wänden und kahlem Boden ab. Neil Harbisson ist Brite, 30 Jahre alt, Künstler und Komponist – und der erste von einer Regierung anerkannte Cyborg. Er kam mit der Krankheit Achromatopsie zur Welt, was heißt, dass er keine Farben warhnehmen kann und die Welt nur in schwarz-weiß-grauen Tönen sieht – theoretisch.
Denn mit Hilfe eines „Eyeborg“ hat Harbisson der Natur ein Schnippchen geschlagen. Das permanente Gerät besteht aus einem Farbsensor, der neben dem Auge angebracht ist und Licht über den Rücken zu einem am Kopf installierten Chip sendet. Dort wird die Farbfrequenz in hörbare Frequenzen umgewandelt. Die Charakterisierung als Cyborg hat sich Harbisson 2004 erstritten.
Damals wollte er seinen Pass erneuern. Aufgrund des Gerätes an seinem Kopf lehnte das die britische Regierung jedoch ab. Daraufhin suchte Neil die Unterstützung seines Arztes, und von Mitgliedern der Universität, an der er studiert hatte. Sie alle schickten Briefe an die zugehörige Behörde und verteidigten Neils Fall. Nach wochenlanger Korrespondenz akzeptierte die Regierung das Eyeborg als ein Teil von Neils Körper und ließ ihn auf dem Bild seines Reisepasses mit elektronischem Auge erscheinen – als anerkannter Cyborg. Wir haben uns mit ihm über den Klang der Farben unterhalten. "Ich muss mich regelmäßig selbst aufladen"
Denn mit Hilfe eines „Eyeborg“ hat Harbisson der Natur ein Schnippchen geschlagen. Das permanente Gerät besteht aus einem Farbsensor, der neben dem Auge angebracht ist und Licht über den Rücken zu einem am Kopf installierten Chip sendet. Dort wird die Farbfrequenz in hörbare Frequenzen umgewandelt. Die Charakterisierung als Cyborg hat sich Harbisson 2004 erstritten.
Damals wollte er seinen Pass erneuern. Aufgrund des Gerätes an seinem Kopf lehnte das die britische Regierung jedoch ab. Daraufhin suchte Neil die Unterstützung seines Arztes, und von Mitgliedern der Universität, an der er studiert hatte. Sie alle schickten Briefe an die zugehörige Behörde und verteidigten Neils Fall. Nach wochenlanger Korrespondenz akzeptierte die Regierung das Eyeborg als ein Teil von Neils Körper und ließ ihn auf dem Bild seines Reisepasses mit elektronischem Auge erscheinen – als anerkannter Cyborg. Wir haben uns mit ihm über den Klang der Farben unterhalten. "Ich muss mich regelmäßig selbst aufladen"
ZEITjUNG: Mr. Harbisson, Licht und Schall stehen in einer gewissen Beziehung zueinander. Erklären Sie uns doch bitte wie sich ihre Art des Hörens von Farbe vom herkömmlichen Hören unterscheidet.
Neil Harbisson: Es ist eine völlig andere Art der Wahrnehmung, wie ein neues Sinnesorgan. Normalerweise kommen Klänge ja von irgend einem spezifischen Ort. Bei mir kommen sie von innen. Es sind, so könnte man es beschreiben, vibrierende Klänge. Von Farbe zu Farbe ändert sich die Vibration. Beispielsweise vibrieren Blau oder Lila stärker als Rot, weil sie eine höhere Frequenz haben. Deshalb bringen mich Blau oder Lila manchmal auch zum Lachen.
Und woher gewinnt das Gerät an ihrem Kopf die nötige Energie?
Das größte Problem, das ich momentan noch habe, ist, dass das Gerät über Elektrizität funktioniert. Deshalb muss ich mich selbst regelmäßig aufladen. Ich bin mir aber sicher, dass es in ein paar Jahren möglich sein wird, dass der Eyeborg über den Blutkreislauf funktioniert.
Wieviele Menschen hören denn Farben mit Hilfe eines Eyeborgs?
Ich kenne nur ein paar wenige Menschen, die einen permanenten Farbsensor am Auge besitzen. Normalerweise nutzen Menschen den Eyeborg eher als Spielzeug und nicht als permanenten Teil ihres ihres Körpers. Im September wird aber ein Krankenhaus in Barcelone beginnen solche Implantierungen durchzuführen.Da könnte die Anzahl der Menschen mit permanentem Eyeborg natürlich rasch zunehmen.
"Ich kaufe nur Kleidung, die gut klingt"
Sie sagten bereits, dass der Eyeborg wie ein neues Sinnesorgan wirkt. Wie schwer war es, sich an dieses neue Sinnesorgan zu gewöhnen?
Durchaus. Denn ich höre die Klänge ja in jedem einzelnen Moment. Es hat etwa fünf Wochen gedauert, bis ich dieses neue Sinnesorgan soweit adaptiert hatte.
Welchen Problemen mussten Sie sich dabei stellen?
Durch die neue Art des Hörens hat ein anderes Sinnesorgan blockiert: meine Ohren. Das war das größte Problem. Das musste ich unter Kontrolle bringen. Außerdem musste ich früher noch Tag ein Tag aus einen Computer mit mir tragen. Und, wie gesagt, die Tatsache, dass man permanent diese inneren Klänge wahrnimmt.
Lest auf Seite 2 warum Frauen "mehr" klingen als Männer...
Und woher gewinnt das Gerät an ihrem Kopf die nötige Energie?
Das größte Problem, das ich momentan noch habe, ist, dass das Gerät über Elektrizität funktioniert. Deshalb muss ich mich selbst regelmäßig aufladen. Ich bin mir aber sicher, dass es in ein paar Jahren möglich sein wird, dass der Eyeborg über den Blutkreislauf funktioniert.
Wieviele Menschen hören denn Farben mit Hilfe eines Eyeborgs?
Ich kenne nur ein paar wenige Menschen, die einen permanenten Farbsensor am Auge besitzen. Normalerweise nutzen Menschen den Eyeborg eher als Spielzeug und nicht als permanenten Teil ihres ihres Körpers. Im September wird aber ein Krankenhaus in Barcelone beginnen solche Implantierungen durchzuführen.Da könnte die Anzahl der Menschen mit permanentem Eyeborg natürlich rasch zunehmen.
"Ich kaufe nur Kleidung, die gut klingt"
Sie sagten bereits, dass der Eyeborg wie ein neues Sinnesorgan wirkt. Wie schwer war es, sich an dieses neue Sinnesorgan zu gewöhnen?
Durchaus. Denn ich höre die Klänge ja in jedem einzelnen Moment. Es hat etwa fünf Wochen gedauert, bis ich dieses neue Sinnesorgan soweit adaptiert hatte.
Welchen Problemen mussten Sie sich dabei stellen?
Durch die neue Art des Hörens hat ein anderes Sinnesorgan blockiert: meine Ohren. Das war das größte Problem. Das musste ich unter Kontrolle bringen. Außerdem musste ich früher noch Tag ein Tag aus einen Computer mit mir tragen. Und, wie gesagt, die Tatsache, dass man permanent diese inneren Klänge wahrnimmt.
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