Musik in der Zukunft: digitaler, demokratischer und immer verfügbar
Ein Musikjunkie-Fiebertraum
29.08.2012
Wie könnten wir Musik in der Zukunft nutzen? Und was müssten wir dafür verändern?
„Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem was du machst. Und wenn‘s so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment…“
(Floyd, Absolute Giganten)
Auch über ein Jahrzehnt nachdem dieses Zitat zum ersten Mal die Stille eines Kinosaals durchschnitt - die Ära der absoluten Giganten liegt inzwischen verstaubt hinter uns im DVD-Regal - hat es seine Kraft nicht verloren. Noch immer müsste sie immer da sein, die Musik. Bob Dylan müsste „I Want You“ singen, wenn wir plötzlich ein bisschen zu nah nebeneinander auf dem Sofa sitzen. Lou Reed müsste den „Walk On The Wildside“ empfehlen, wenn wir nachts zum Späti durch Neukölln laufen. Und im sommerlichen Platzregen müsste Albert Hammond uns fröhlich daran erinnern, dass es in Kalifornien niemals regnet.
Denn was auch immer wir empfinden, mit Musik empfinden wir es intensiver. Ob wir lachen oder weinen, durchdrehen oder uns zusammenreißen, kann manchmal ein einziges Lied entscheiden. Vorausgesetzt natürlich, es wird gespielt. Die Vision der immer und überall verfügbaren Musik existiert dementsprechend lange: Vor 125 Jahren wurde sie in der Erfindung von Schallplatte und Grammophon realisiert, später in der Verbreitung von Rundfunk und Radio. Man revolutionierte sie mit der Entwicklung von Kassetten und ihren Rekordern, CDs und den dazu gehörigen Stereoanlagen, dem Internet und dem mp3-Format. Mittlerweile können wir, dekadent und digital wie nie, unsere Lieblingsstücke in einer Sekunde von einem Ort zum nächsten transportieren - ohne je ein physisches Produkt in den Händen gehalten zu haben.
Was ist eigentlich Musik?
Musik ist gleichzeitig unglaublich unsichtbar und greifbar geworden. Aber tatsächlich immer und überall verfügbar ist sie trotzdem nicht. Eine Musik-Datenbank zum Beispiel, auf die wir kostenlos und auch offline ständig Zugriff haben, bleibt ein Musikjunkie-Fiebertraum. Warum? Weil wirtschaftliche Strukturen, die an rechtliche Entscheidungen geknüpft sind, die wiederum mit ethischen Überlegungen in Verbindung stehen, die Umsetzung eines solchen Traums noch verhindern. Anders: Wir basteln seit Jahren an einer großartigen Vision, ohne den Mut aufzubringen, sie real werden zu lassen. Um das zu ändern und unsere technischen Fähigkeiten endlich in einer moderneren Form der Musiknutzung zu verwirklichen, müssen wir also unsere alte Logikkette aus ethischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Perlen neu aufziehen.
Am Anfang steht dabei die Frage „Was ist Musik?“. Die Definitionen variieren zwar im Detail, aber ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist fast immer die Erzeugung und Organisation von Schallereignissen. Demnach ist Ludwig van Beethovens „Für Elise“ genau so Musik, wie Lady Gagas „Poker Face“. Was diese beiden Lieder aber unterscheidet, was sie zu individuellen Produkten werden lässt, ist das, was der empfindet, der sie hört. Dinge, die manch einer gerne zu Gagas Musik treibt, tut anderer lieber zu Beethovens und wieder anderer vielleicht am liebsten zu einem avantgardistischen Mash-Up der zwei. Fest steht, Musik hat exakt die Bedeutung, die der Hörer ihr beimisst. Ein Musiker hört in seinen eigenen Schallereignissen dementsprechend oft etwas Anderes, als sein Nachbar, doch sobald er sie mit diesem teilt, teilt er automatisch auch den Anspruch auf ihre Bewertung.
Seite 2: Welchen Wert hat Justin Bieber?
(Floyd, Absolute Giganten)
Auch über ein Jahrzehnt nachdem dieses Zitat zum ersten Mal die Stille eines Kinosaals durchschnitt - die Ära der absoluten Giganten liegt inzwischen verstaubt hinter uns im DVD-Regal - hat es seine Kraft nicht verloren. Noch immer müsste sie immer da sein, die Musik. Bob Dylan müsste „I Want You“ singen, wenn wir plötzlich ein bisschen zu nah nebeneinander auf dem Sofa sitzen. Lou Reed müsste den „Walk On The Wildside“ empfehlen, wenn wir nachts zum Späti durch Neukölln laufen. Und im sommerlichen Platzregen müsste Albert Hammond uns fröhlich daran erinnern, dass es in Kalifornien niemals regnet.
Denn was auch immer wir empfinden, mit Musik empfinden wir es intensiver. Ob wir lachen oder weinen, durchdrehen oder uns zusammenreißen, kann manchmal ein einziges Lied entscheiden. Vorausgesetzt natürlich, es wird gespielt. Die Vision der immer und überall verfügbaren Musik existiert dementsprechend lange: Vor 125 Jahren wurde sie in der Erfindung von Schallplatte und Grammophon realisiert, später in der Verbreitung von Rundfunk und Radio. Man revolutionierte sie mit der Entwicklung von Kassetten und ihren Rekordern, CDs und den dazu gehörigen Stereoanlagen, dem Internet und dem mp3-Format. Mittlerweile können wir, dekadent und digital wie nie, unsere Lieblingsstücke in einer Sekunde von einem Ort zum nächsten transportieren - ohne je ein physisches Produkt in den Händen gehalten zu haben.
Was ist eigentlich Musik?
Musik ist gleichzeitig unglaublich unsichtbar und greifbar geworden. Aber tatsächlich immer und überall verfügbar ist sie trotzdem nicht. Eine Musik-Datenbank zum Beispiel, auf die wir kostenlos und auch offline ständig Zugriff haben, bleibt ein Musikjunkie-Fiebertraum. Warum? Weil wirtschaftliche Strukturen, die an rechtliche Entscheidungen geknüpft sind, die wiederum mit ethischen Überlegungen in Verbindung stehen, die Umsetzung eines solchen Traums noch verhindern. Anders: Wir basteln seit Jahren an einer großartigen Vision, ohne den Mut aufzubringen, sie real werden zu lassen. Um das zu ändern und unsere technischen Fähigkeiten endlich in einer moderneren Form der Musiknutzung zu verwirklichen, müssen wir also unsere alte Logikkette aus ethischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Perlen neu aufziehen.
Am Anfang steht dabei die Frage „Was ist Musik?“. Die Definitionen variieren zwar im Detail, aber ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist fast immer die Erzeugung und Organisation von Schallereignissen. Demnach ist Ludwig van Beethovens „Für Elise“ genau so Musik, wie Lady Gagas „Poker Face“. Was diese beiden Lieder aber unterscheidet, was sie zu individuellen Produkten werden lässt, ist das, was der empfindet, der sie hört. Dinge, die manch einer gerne zu Gagas Musik treibt, tut anderer lieber zu Beethovens und wieder anderer vielleicht am liebsten zu einem avantgardistischen Mash-Up der zwei. Fest steht, Musik hat exakt die Bedeutung, die der Hörer ihr beimisst. Ein Musiker hört in seinen eigenen Schallereignissen dementsprechend oft etwas Anderes, als sein Nachbar, doch sobald er sie mit diesem teilt, teilt er automatisch auch den Anspruch auf ihre Bewertung.
Seite 2: Welchen Wert hat Justin Bieber?












