70 Prozent Verlust – stehen Kryptowährungen vor dem Aus?

Kryptowährung-Bitcoin-Entwicklung

Die Kryptowährungsblase ist geplatzt. Im Januar 2018 betrug die Kapitalisierung von Kryptowährungen nach Angaben des Datenanbieters CoinMarketCap mehr als 800 Milliarden US-Dollar – vor einem Jahr lag sie noch bei 18 Milliarden US-Dollar. Jetzt hat der Markt drei Viertel seines Wertes verloren. Bitcoin, die originale und wertvollste Kryptowährung, ist von 19.000 US-Dollar im vergangenen Dezember auf nun 6.000 US-Dollar gefallen. Befürworter sehen Bitcoin, das im Gegensatz zu herkömmlichen Währungen nicht von einer zentralen Behörde kontrolliert wird, als Wertaufbewahrungsmittel. Seine kurze Geschichte ist geprägt vom schnellen Aufstieg und harten Aufprall.

 

Verlierer und Optimisten

 

Der US-amerikanische Anwalt Scott Weiss kaufte im Dezember letzten Jahres seinen ersten Bitcoin zu seinem höchsten Preis. Nun denkt er über seine Verluste nach. „Das sind die Art von Fehlern, die wir machen. Wir geraten in den Hype. Damit ist Weiss nicht allein. Die meisten Befürworter von Kryptowährungen strahlen immer noch Optimismus aus. Die Handelsplattform eToro, bekannt für kühne Cryptocurrency-Werbung auf der Londoner U-Bahn, werde trotz des Einbruchs ihr Marketing nicht zurückfahren, sagt ihr Geschäftsführer Iqbal Gandham. Auch zahlreiche Online-Casinos setzen weiterhin auf die Kryptowährung.

Der Handel mit Kryptowährungen ist zurückgegangen, geradezu kaputt. Mit fallenden Kursen haben sich die Bitcoin-Investoren auf Holding-Positionen zurückgezogen. Der Untergang der einstmals wild gehandelten neuen digitalen Münzen aus dem Jahr 2017 mit Namen wie DentaCoin und SpankChain zog auch Geld aus dem überhitzten Markt. Die sogenannten „Initial Coin Offerings“ (ICOs) waren Geldpools, die meist von Privatanlegern gehalten wurden und ein attraktives Angebot vor allem für Jungunternehmer waren.

 

Die Verlockung war groß, die Gier auch

 

„Wer will kein kostenloses Geld drucken?“ fragt Michel Rauchs, Blockchain- und Kryptowährungsleiter am Zentrum für alternative Finanzen der University of Cambridge. Die Messaging-App Telegram brachte den Anlegern 1,6 Milliarden US-Dollar ein, um die Entwicklung ihrer eigenen Kryptowährung zu finanzieren. Gruppen von Händlern verkauften Coins zu künstlich hohen Preisen. Bis Anfang Januar, dem Höhepunkt des Kryptowährungsfiebers, hatten mindestens 39 digitale Währungen eine Marktkapitalisierung von einer Milliarde US-Dollar oder mehr. Inzwischen sind es nur noch 15.

„Die Tage, an denen man in eine ICO investiert und der Wert innerhalb von sechs Monaten um das 75-fache steigt, sind vorbei“, sagte Ari Lewis, der im August 2017 den Kryptowährungs-Hedgefonds Grasshopper Capital eröffnete. Ein Investor mit persönlichen Kryptowährungsbeständen im Wert von zehn Millionen von Dollars sagte, dass er Kryptowährungen wie XRP, die drittgrößte im letzten Jahr, über Bord warf, während er weiter Bitcoin kaufte und hielt. Die Wertpapieraufsichtsbehörden haben die ICOs aus Angst vor inakzeptablen Verbraucherverlusten blockiert.

 

Die wenigsten sind damit reich geworden

 

Fakt ist, dass wohl die wenigsten bereits in Kryptowährungen investiert haben, bevor der Boom begann. Sie dürften noch immer im Plus sein, während andere Verluste von 70 Prozent und mehr beklagen, weil sie erst im letzten Herbst eingestiegen sind. Wer in den letzten neun Monaten eine der digitalen Währungen gekauft hat, hat damit definitiv keinen Gewinn gemacht. Vor allem in Südkorea und Japan war die Euphorie zu diesem Zeitpunkt so riesig, während dort zuvor kaum jemand von den Kryptowährungen Notiz genommen hatte. In Südkorea gab es sogar Wechselstuben für Bitcoin & Co.

Doch der Ansturm ist vorbei. Viele sagen bereits das Ende der Kryptowährungen vorher, andere nutzen die niedrigen Kurse für neue Investitionen und glauben weiter an die Zukunft digitaler Währungen. Doch zunächst müssen die Verluste der letzten Monate kompensiert werden und nicht jeder wird sich vollends davon erholen.

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz