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Warum streiten Männer anders als Frauen?

Frauen gehen aufeinander zu, Männer gehen in den Wald? Wir versuchen zu ergründen, warum Männer so anders mit Streitpunkten umgehen und was wir von ihnen lernen können.

Streitende Männer sind nicht selten eine Karikatur ihrer eigenen Stereotype: Skizzieren wir mal überzogen zwei Männer und ihre Art, mit Konflikten umzugehen: Es herrscht ein Problem, es folgt eine kurze – wenn auch nur verbale – laute Prügelei, dann entweder direkter Freiraum oder ein anschließendes Bier am Kneipentresen. Ein brüderliches Klopfen auf den Rücken. Passt! Das Problem ist gelöst und die Freundschaft wieder hergestellt. Mann redet nicht mehr drüber, denn es wurde ja geklärt.

„Klischee!“ schreit ihr? Nein, is‘ so! Nehmt die gewalttätigen Ausschreitungen von russischen Hooligans bei der EM in Frankreich: Nach der  brutalen Schlägerei sagt ein russischer Beteiligter in einem Interview: „Das ist kein Hass! Das ist wie ein Spiel unter uns Männern, in dem wir beweisen können, wer der Stärkere ist. Danach gehe ich gerne mit dem Engländer ein Bier trinken und wir reden über Politik und andere Sachen.“

 

Können Männer klarer streiten als Frauen?

 

Über Geschlechter klischeefrei zu schreiben ist eine Herausforderung. Als Frau über Männer und ihre Streitkultur zu fachsimpeln, vielleicht noch schwerer. Als Beobachterin und Teilnehmerin traue ich mich aber zu sagen: Männer streiten anders als Frauen. Nämlich straighter und mit klareren Worten. Entweder das – oder sie schweigen. Manche Männer umwabert die Stille wie Nebel einen mystischen Berg, während sie langsam rückwärts das brodelnde Feuer eines im Raum stehenden Konfliktes verlassen. Flucht. Ich nenne das Phänomen mal „männliche Sprachlosigkeit“. Ich bin dieser Facette eigentlich bei jedem noch so unterschiedlichen Mann schon einmal gegenüber gestanden. Während Freundinnen von mir sich echauffieren über andere Menschen an der Supermarktkasse, den scheißunfreundlichen Busfahrer oder die Intrigen einer Bekannten, sitzen ihre Männer daneben und … ja, sie sitzen einfach. Sagen nichts dazu. Sie schweigen, denn entweder interessiert es sie nicht oder sie empfinden es nicht als notwendig, sich darüber aufzuregen.

Und weil wir gerade die Geschlechter-Schublade aufmachen, vollgepackt mit kleinen Klischees und Stereotypen, skizzieren wir auch den Streit der Frauen: tagelang grübeln wir, wann wir etwas ansprechen sollen. Wir wägen ab, wie wir es formulieren können. Wut staut sich auf, denn warum verstehen die Objekte unseres geballten Ärgers nicht sämtliche subtile Hinweise, die wir ihnen so offen-sicht-lich! vor die Nase halten? Kommt das Thema dann auf den Tisch, wird es auf jeden Fall oft groß und emotional, manchmal tränenreich, von allen Facetten beleuchtet und auf jeden Fall eines: unvergessen! Wir haben Köpfe wie Elefanten, sind vor allem in Streitigkeiten unser eigener Staranwalt – wir wissen, wann etwas wie und warum gesagt wurde. Und wir werden es verwenden, da kannste einen drauf lassen!

 

Männer können schweigen – auch neben ihren Freunden

 

Männer und Frauen sind in ihrer Art miteinander umzugehen natürlich nicht Wesen von anderen Planeten. Aber es gibt Situationen, in denen wir einfach anders funktionieren: Ein Mann begegnet einem Kumpel, „Yo Digga, was los?“ Sie können anschließend zwei Stunden schweigend nebeneinander sitzen und ins Feuer starren. Dann verabschieden sie sich. Was für ein gelungener Abend, was für ein cooler Typ! Eine Frau begegnet einer Bekannten, „Heeeey, voll schön dich zu sehen! Wie geht’s dir? Toll siehst du aus!“ Sie ratschen fünf Minuten, packen alles an Infos aus, dann eine Umarmung zur Verabschiedung. Anschließend sagen die Frauen zu ihren Freundinnen: „Boah, sah die scheiße aus. Voll fertig, die hat ihre Trennung ja wohl null überstanden!“

Wir schiffen den Kahn mal weiter zum Thema Emotion: Frauen zeigen sie eher als Männer, das ist wahr. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Männer keine haben. Sie gehen einfach anders mit ihnen um und kanalisieren ihre Gefühle auch vielmehr auf einer körperlichen Ebene als wir. Eine Studie von amerikanischen Wissenschaftler der Penn State University fand 2012 heraus, dass Männer körperlich viel extremer auf Stress reagieren als Frauen. Dabei wurde vor einer beigeführten Diskussion und kurz danach Blutprobe von den Teilnehmern genommen, um das Level des Stresshormons Cortisol zu messen.

Wurde es für die Männer in Diskussionen unangenehm – hier ging es speziell um Beziehungsprobleme – explodierten deren Stress-Werte. Nach dem Streit benötigte ihr Körper wesentlich länger, um sich wieder auf ein Normallevel zu setzen. Bei den teilnehmenden Frauen war der körperliche Stress-Anstieg deutlich geringer – selbst Frauen, die sich allgemein als sehr ängstlich und wenig stressresistent bezeichneten, regenerierten sich schneller. Für Frauen sind konfliktbasierende Gespräche meistens befreiend, denn danach fühlt sich alles gestärkter an. Für Männer bedeutet es Stress, darum ziehen sie sich oft aus diesen Angelegenheiten raus.

 

Nicht immer macht direkte Konfrontation Sinn

 

Was können jetzt die Girls von den Boys lernen? Bei Frauen kommen Konflikte oft in spitzen Bemerkungen raus, Männer sparen sich diesen subtilen Quatsch meistens von Beginn an. Was sie meinen, meinen sie auch so. Wenn sie wütend sind, dann können sie es oft klarer formulieren – vielleicht auch, weil sie ihre Emotionen erstmal runterkühlen lassen. Direkte Konfrontation ist nicht immer absolut sinnvoll, das hat uns nämlich schon oft in den Arsch getreten. Vielleicht sollten wir Frauen auch erstmal in den Wald gehen und Holz hacken – und erst dann mit klarem Kopf das Gespräch suchen.

 

 

 

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Bildquelle: Pexels unter cc0-Lizenz

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