Werdet ihr heiraten? 3 Fragen an junge, queere Deutsche zur Ehe für alle

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  • Willi und Gabriele aus Berlin

    Was bedeutet die Debatte über die Ehe für alle für euch?
    Für uns ist die Ehe kein Beweis für die Qualität einer emotionalen Bindung und hat deshalb keine Bedeutung. Trotzdem ist die Debatte wichtig, weil sie anhaltende Gleichstellungsdefizite in unserer Gesellschaft aufzeigt. Dass darüber noch debattiert werden muss, ist ärgerlich. Wenn zwei Frauen oder zwei Männer oder zwei Transsexuelle (ich hoffe, ich habe jetzt niemanden vergessen) den Traditionen der Heterosexuellen unbedingt folgen wollen, aus welcher Motivation heraus auch immer, dann sollten sie das auch dürfen.

    Werdet ihr in Zukunft die Möglichkeit nutzen wollen, zu heiraten?
    Nein.

    Stört es euch, dass die Ehe für alle aus politischem Kalkül von der CDU und SPD genutzt wird?
    Kein ernstzunehmender Politiker wird heute noch wirklich gegen die Ehe für alle sein. Die ablehnende Haltung korreliert ja mit einem limitierten Bildungsstand oder mit einer Unsicherheit bezüglich seines eigenen Lebenskonzeptes. Politiker sind aber in der Regel gebildet und von sich überzeugt, fühlen sich also nicht bedroht von den ganzen neuen Lebenskonzepten und könnten somit die Ehe für alle in einer Abstimmung einfach durchwinken. Politiker versuchen allerdings auch, die ganzen Menschen zu vertreten, die Angst vor allem haben, was anders ist. Die wählen sonst nämlich schnell mal Extreme. Das zu verhindern, bedarf wohl Kalkül.

    Mir ist schon bewusst, dass die Ehe mehr ist als eine emotionale Bindung und damit noch rechtliche Konsequenzen einhergehen. Ich finde allerdings, dass man da an anderen Stellen in den Gesetzen was ändern sollte: zum Beispiel Adoption auch ohne Ehe. Und dass ich Entscheidungen treffen darf, wenn mein Partner im Krankenhaus liegt, und natürlich das Erbe.

    Bild: privat