Traut euch endlich, erwachsen zu werden!

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Wish we could turn back time, to the good old days. When our momma sang us to sleep but now we’re stressed out.

Diese Zeilen aus dem aktuellen Erfolgshit „Stressed out“ der Band Twenty One Pilots haben einen Nerv getroffen und spiegeln vor allem eines wieder: Die aktuelle Gemütslage vieler Studenten. Egal ob auf Partys, im Café oder während der Vorlesung – Das eigene Leben scheint vielen wie eine einzige, himmelschreiende Ungerechtigkeit vorzukommen und das Gejammer wird immer lauter: „Ich fasse es nicht, um was wir uns plötzlich alles kümmern müssen. Es kann doch nicht sein, dass wir während der Prüfungszeit kein Leben mehr haben.“ Es sind Sätze wie diese, die wir einfach nicht mehr hören können.

 

Mut zur Veränderung

 

Ja, es war einfacher, als Mama uns vorm Schlafengehen zudeckte und einen Gute-Nacht-Kuss gab. Als wir uns um nichts anderes Gedanken machen mussten, als darum, ob auch alle Kuscheltiere mit im Bett und vor allem am richtigen Platz liegen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Und das ist gut so. Es mag klingen wie eine Binsenwahrheit, doch das Leben besteht nun mal aus Veränderung und daran sollten wir uns so schnell wie möglich gewöhnen.

Trotzdem scheint diese Angst vor neuen Erfahrungen, Pflichten und Verantwortung Besitz von unserer Generation ergriffen zu haben, uns als ständiger Begleiter im Nacken zu sitzen. Das beginnt oft schon direkt nach dem Abitur. Viele fühlen sich nicht dazu bereit, sofort ein Studium zu beginnen, oder wissen einfach nicht, was sie mit ihrem Leben eigentlich anfangen sollen. Da ist für viele der naheliegendste Weg: Zuhause bleiben, vielleicht ein bisschen jobben, ansonsten von Mama und Papa durchgefüttert werden.

 

Wir klammern uns an gewohnte Strukturen

 

Die große Erleuchtung kommt während dieser von Orientierungslosigkeit geprägten Lebensphase eher nicht, aber irgendwann beginnt man dann doch mit einem Studium, völlig wahllos und einfach, um wenigstens irgendetwas zu tun. Natürlich in der Heimstadt – denn dann hat man eine gute Ausrede, das Hotel Mama nicht verlassen zu müssen. Die Zahlen sprechen für sich: Circa 23 Prozent aller deutschen Studenten bleiben zuhause wohnen. Bequemlichkeit hat nun mal ihren ganz eigenen Reiz: Waschen, putzen, kochen – all die Haushaltspflichten, die am meisten nerven, fallen einfach weg. Vor allem Großstadtkinder beteuern stets, dass es keinen Sinn gemacht hätte, sich für das Studium in der Heimatstadt extra eine kostenspielige Wohnung zu suchen. Da mag auch was dran sein – und doch gibt es für einen Auszug keinen besseren Zeitpunkt als zum Beginn des Studiums.

All die Fehler, die zu einem späteren Zeitpunkt unverzeihlich sein werden, kann man sich während des Studiums noch leisten, passieren in einer Art geschütztem Rahmen: Wer seine Finanzen zu Beginn beispielsweise noch nicht so ganz im Griff hat, der wird von seinen Eltern meist aufgefangen. Außerdem wird ein oftmals entwicklungsverzögerter Nesthocker niemals alle Facetten des Studentenlebens kennenlernen. Erst das chaotische Leben in einer WG oder einem Wohnheim wird zeigen, was es wirklich bedeutet, Student zu sein und wie man es – mit allen Höhen und Tiefen – in vollen Zügen genießen kann. Und wer ganz alleine lebt, wird wirklich selbständig und verlässt sich nicht mehr auf andere. Ja, jeder mag sich mal zurücksehnen in seine behütete, zwanglose Kindheit – doch auf Dauer wird es unglücklich machen, einem „Peter Pan“ Wunschtraum nachzujagen und das hinauszuzögern, was unweigerlich kommen wird.

 

Das Märchen von der ewigen Jugend

 

Im Grunde ist es wie mit der x-ten Anti-Aging-Creme mittvierzigjähriger Frauen oder Männern in der Midlife-Crisis, die plötzlich wieder Nächte lang durchfeiern wollen – wir alle werden früher oder später von der Realität eingeholt. Es existiert nicht, dieses „Für immer jung“. Deshalb sollten wir uns so schnell wie möglich damit abfinden, dass wir jetzt erwachsen sind, Verantwortung übernehmen, und uns echten Respekt erarbeiten. Das wird auf Dauer so viel mehr bedeuten als ein bequemes Leben auf Kosten der Eltern. Diejenigen, die ihr Alter akzeptieren und sich auch dementsprechend verhalten, sind nämlich tatsächlich mit sich im Reinen.

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Bildquelle: splitshire.com unter CC 0 Lizenz