Neutralitätsinitiative: Wie die Schweiz über ihre Rolle in der Welt entscheidet

Stell dir vor, du entscheidest mit darüber, wie viel außenpolitischen Spielraum die Schweiz künftig noch hat. Genau darum geht es bei der Neutralitätsinitiative, über die am 27. September 2026 abgestimmt wird – und die Umfragen deuten schon jetzt auf ein klares Ergebnis hin.

Worum es bei der Initiative geht

Die Neutralitätsinitiative will die Schweizer Neutralität deutlich enger in der Bundesverfassung festschreiben, als es bisher der Fall ist. Wirtschaftliche Sanktionen gegen andere Staaten wären künftig nur noch erlaubt, wenn sie vom UNO-Sicherheitsrat beschlossen werden. Militär- oder Verteidigungsbündnisse wären tabu, außer im Fall eines direkten Angriffs auf die Schweiz. Lanciert hat die Initiative das Komitee Pro Schweiz aus dem Umfeld der SVP, nachdem der Bundesrat nach dem russischen Angriff auf die Ukraine EU-Sanktionen gegen Russland übernommen hatte. Für die Initiant*innen ist das ein Bruch mit der traditionellen Neutralität. Bundesrat und Parlament sehen das anders und lehnen die Initiative deutlich ab, im Nationalrat in der Schlussabstimmung mit 124 zu 65 Stimmen (bei 5 Enthaltungen), im Ständerat mit 29 zu 10 Stimmen (bei 5 Enthaltungen). Ihr Argument: Eine starre Neutralität nähme der Schweiz genau die außenpolitische Handlungsfähigkeit, die sie in Krisen braucht.

Was die Umfragen zeigen

Laut der zweiten SRG-Trendumfrage von gfs.bern, erhoben Anfang September 2026, lehnen aktuell 63 Prozent der Befragten die Initiative ab, nur 34 Prozent befürworten sie. In der ersten Umfrage einige Wochen zuvor lag die Ablehnung noch bei 54 Prozent. Der Nein-Trend hat sich also deutlich verstärkt, was dem typischen Muster vieler Volksinitiativen entspricht: Die Zustimmung bröckelt oft im Verlauf der Kampagne.

Warum das auch dich betrifft

Für junge Wähler*innen ist die Abstimmung mehr als eine Detailfrage der Außenpolitik. Es geht darum, welches Bild von der Schweiz in einer Welt mit Kriegen und Sanktionsdebatten vor der eigenen Haustür Bestand haben soll: die vorsichtige Distanz der klassischen Neutralität oder eine stärkere Verzahnung mit internationalen Partnern. Beide Lager berufen sich auf Sicherheit, meinen damit aber Gegensätzliches. Entschieden wird das nicht in Umfragen, sondern an der Urne.

Foto von Yender Fonseca: https://www.pexels.com/de-de/foto/fassade-des-gebaudes-der-schweizerischen-bundesbahnen-29464866/