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Oh Baby, ich hab Genderwahn!

Warum ich mir ein Leben ohne Queer-Feminismus nicht mehr vorstellen kann.

Lippenstift und Vollbart, Glitzerblingbling und Boxershorts – das Leben könnte so schön sein, würden wir die ganze Sache mit den Geschlechtergrenzen ein bisschen lockerer sehen. Oder uns gleich ganz davon frei machen. Das ist genau das, was Queer-Feminismus möchte: Dass jede*r genau so sein kann, wie sie*er sich das vorstellt. Unabhängig davon, welches Geschlecht auf irgendeinem Papier steht.

 

Männer in High-Heels und Frauen mit Glatze

Wenn ich auf queere Partys gehe, bin ich glücklich. Egal, ob die Musik gut ist oder nicht. Denn in einer Gesellschaft, in der mich schon Kinder verdutzt fragen, warum ich als augenscheinliche Frau eigentlich kurze Haare trage, stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Deshalb ist es einfach schön, sich ab und zu mal in Kontexten zu bewegen, in denen es völlig normal ist, dass Männer High-Heels und Frauen eine Glatze tragen.

Viel von unserem Leben ist bereits vorgezeichnet, sobald wir das Licht der Welt erblicken. Das kann mit unserer Staatsangehörigkeit zu tun haben, ob wir in ein reiches oder armes Elternhaus geboren werden oder eben auch ganz simpel damit, welches Geschlecht uns zugeschrieben wird. Denn sind wir mal ehrlich: Man muss kein*e Wissenschaftler*in sein, um zu verstehen, dass es nicht naturgegeben ist, dass alle kleinen Mädchen Ponys und alle kleinen Jungs Feuerwehrautos mögen. Uns das zu vermitteln, ist Marketing, womit der Kapitalismus ordentlich Kohle scheffelt.

 

Feminismus kann viel mehr, als wir medial wahrnehmen

Während Feminismus im öffentlichen Diskurs häufig auf Internetdebatten wie #metoo und Lohnungleichheiten reduziert wird, greift es für mich viel weiter. Damit will ich nicht sagen, dass diese Themen nicht wichtig sind. Im Gegenteil: Sie sind extrem wichtig. Damit will ich eher sagen, dass Feminismus nicht nur unangenehm sein muss. Ich bin davon überzeugt, dass Feminismus das Leben schöner macht. Und vielleicht würde ich sogar so weit gehen, dass ich mir ein Leben ohne nicht mehr vorstellen könnte.

Als ich angefangen habe, mich mit Feminismus zu beschäftigen, war ich ungefähr 16 Jahre alt und wusste wenig bis gar nichts darüber. Obwohl die Frauenbewegung eine der größten und erfolgreichsten Bewegungen des letzten Jahrhunderts war, habe ich in der Schule nie etwas darüber gelernt. Meine hilfreichste Lehrerin in Sachen Feminismus war vermutlich das Internet.

Als 16-Jährige fand ich mich erstmal ziemlich scheiße. Ich hasste meinen Körper, ich war essgestört und wusste nicht wohin mit meiner Sexualität. Schon seit ich klein war, hatte ich das Gefühl, irgendwie anders als die anderen Mädchen zu sein, die ich kannte. Irgendwie lauter, irgendwie raumeinnehmend und unweiblich. Relativ früh fing ich an, mich für eine Lesbe zu halten. Die Butches, die ich vom CSD und aus meinem Bekanntenkreis kannte, waren die einzigen Leute, mit denen ich mich im Ansatz identifizieren konnte. Als ich merkte, dass ich nicht einmal lesbisch bin, war meine Gender-Identität erst einmal völlig im Arsch.

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