Was ist 8D-Musik?

Seit Jahren werden auf Youtube 8D-Musik-Channels immer beliebter. Auch Whatsapp-Ketten mit solchen Audio-Dateien machen gerade die Runde. Hier wird der Sound als Ton, „den du nicht mit deinen Ohren hörst, sondern mit deinem Gehirn“, beschrieben. Genau genommen ist das natürlich Quatsch. Man hört (egal was) mit den Ohren. Aber es kommt dir beim Zuhören tatsächlich so vor, als sei die Musik in deinem Kopf. Warum ist das so?

Falls du so einen 8D-Song noch nicht gehört hast, solltest du dir zunächst einen reinziehen. Unsere Empfehlung: Nutze Kopfhörer für das 360 Grad Erlebnis. Hier ein Song von Billie Eilish in 8D.

Bewegter Ton
Während das „D“ bei Bewegtbildern für Dimension steht, bedeutet es im Falle von Musik „Direction“, also Richtung. Diese Art der Ton-Aufnahme und -Verarbeitung heißt so, weil Zuhörer die Klänge angeblich aus 8 verschiedenen Richtungen wahrnehmen.

Technologie aus den 1970ern
Die Idee, den Ton als „Ganzes“ oder als „Sphäre“ zu betrachten, stammt aus den 1970ern. Damals entstand die „Ambisonics„-Methode, mit der eine Tonspur dreidimensional aufgenommen, gemixt oder gespielt wird. Doch kommerziell wurde diese Methode erst mit dem Einsatz in der Virtual-Reality-Welt, um ein realistischeres Erlebnis zu bieten. Daraufhin folgte eben die Musikwelt.

Die Unterschiede: Stereo, Surround und Ambisonics
Viele Zuhörer glauben, die Töne, die sie in 8D hören, würden sich vom linken Kopfhörer zum rechten Kopfhörer und andersrum bewegen. Doch das ist zu einfach gedacht. Um den Klang besser zu verstehen, hilft ein Blick auf die traditionellen Tonarten und ein Vergleich mit der neuen Technologie.

Stereo-Sound nutzt zwei mit Signalen unterschiedlich programmierte Kanäle, die jeweils mit zwei Lautsprechern verknüpft sind. Im Gegensatz zu Mono-Sounds, die über einen einzigen Kanal auf zwei Lautsprechern laufen.

Illustration: Redaktion.

Surround-Sound zählt zu den traditionellen Ton-Technologien. Wie der Name verspricht, ist der Ton hier umfassend und immersiv. Das Prinzip ist allerdings dem vom Stereo-Sound gleich. Nur: Die Anzahl an Speaker ist höher. Nach dem Motto: Je mehr Lautsprecher, desto besser das Ton-Erlebnis. Die Limitierung: Diese Technologie ist mit der Nutzung von bloßen Kopfhörern nicht kompatibel.

Der Ambisonic-Sound basiert, anders als bei herkömmlichen Klängen, nicht auf dem Channel-Lautsprecher-Verhältnis, sondern auf der Audioverarbeitung selbst. Damit ist das Ergebnis nicht vom Setup abhängig und kann, wie im Falle der 8D-Musik, mithilfe von Kopfhörern genossen werden. Deshalb klingt es auch so, als würdest du die Musik „mit deinem Gehirn hören“.

Die Kritik
Der Hype um diese Form von Musik wurde von vielen mit dem Argument kritisiert, sie sei nichts Neues und der Präfix „8D“ würde täuschend wirken. Man wolle damit einfach nur Klicks generieren. Viele Videomacher veröffentlichen sogar „16D-Musik“ auf Youtube. Hier das gleiche Lied von Billie Eilish, diesmal angeblich in 16D.

Fazit
Wie auch bei Filmen ist das Geschmackssache. So wie manche Menschen 3D-Filme lieben, wird anderen davon schlecht. Das bedeutet aber nicht, dass es ein minderwertigeres Produkt ist. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Musikindustrie bald auch 8D-Tracks selbst produzieren wird – und somit die Karriere von 8D-Youtubern beendet.

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Bildquelle: Pixabay; CCO-Lizenz

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