Looksmaxxing: Wenn Selbstoptimierung zur Selbstgefährdung wird
Stell dir vor, ein Trend verspricht dir mit ein paar einfachen Routinen ein attraktiveres Gesicht – und am Ende stehst du vor der Frage, ob du dafür Schmerzen oder echte gesundheitliche Risiken in Kauf nimmst.
Was ist Looksmaxxing, Mewing und Tanmaxxing?
„Looksmaxxing“ beschreibt ursprünglich einfach das Ziel, das eigene Aussehen durch Fitness, Hautpflege oder Styling zu verbessern – wenig aufregend, wenig neu. Mehrere deutsche Gesundheitsportale wie AOK, Barmer und Apotheken Umschau warnen 2026 jedoch unabhängig voneinander davor, dass ein Teil der TikTok-Community weit über solche Basics hinausgeht: Dazu zählen etwa „Mewing“ genannte Kieübungen, die angeblich die Gesichtskontur schärfen sollen, oder der unregulierte Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln in riskanten Mengen. Auch ein verwandter Trend namens „Tanmaxxing“ – exzessives Bräunen für ein bestimmtes Aussehen – wird in diesem Zusammenhang als gefährlicher beschrieben, als er auf den ersten Blick wirkt.
Warum der TikTok-Algorithmus den Druck auf junge Männer erhöht
Recherchen, unter anderem von t-online, verorten einen Teil der Ursprünge des Trends in Online-Communities, die stark auf äußere Attraktivität als vermeintlichen Schlüssel zu sozialem und romantischem Erfolg fixiert sind. Fachleute, etwa vom Michigan Medicine Health Lab, ordnen Looksmaxxing deshalb nicht als reinen Ästhetik-Trend ein, sondern sehen darin häufig ein Symptom für tiefer liegende Körperbild-Probleme bei Jungen und jungen Männern – verstärkt durch ständige Vergleiche mit optimierten, gefilterten Bildern im eigenen Feed.
Wann der Ästhetik-Trend zum psychischen Risiko wirddas verstärkt
Der Algorithmus tut dabei sein Übriges: Wer einmal ein Video zum Thema anschaut, bekommt oft binnen Minuten weitere, teils extremere Inhalte vorgeschlagen – ein Verstärkungseffekt, der bei visuell getriebenen Themen wie Aussehen besonders stark wirkt. Kombiniert mit dem Druck, den viele junge Männer ohnehin spüren, wenn es um klassische Männlichkeitsbilder wie Durchsetzungsvermögen oder körperliche Stärke geht, entsteht ein Nährboden, auf dem aus einem harmlosen Pflege-Tipp schnell eine riskante Selbstoptimierungs-Spirale werden kann.
Hilfsangebote: Wenn der Druck zu groß wird
Wichtig dabei: Wer sich mit dem eigenen Aussehen beschäftigt, hat damit noch lange kein Problem – das ist ein normaler Teil des Erwachsenwerdens, unabhängig vom Geschlecht. Riskant wird es erst, wenn aus Interesse Zwang wird, wenn körperliche Risiken bewusst in Kauf genommen werden oder wenn das eigene Aussehen zur einzigen Messlatte für den eigenen Wert wird. Keine dieser Fragen lässt sich pauschal von außen beantworten oder gar diagnostizieren – wohl aber lohnt sich ein ehrlicher Blick darauf, ob ein Trend gerade noch Spaß macht oder schon Druck erzeugt.
Falls du merkst, dass Gedanken um dein Aussehen einen großen Teil deines Alltags einnehmen oder dir zunehmend Sorgen bereiten: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 111 0 111, kostenlos und anonym) oder Beratungsstellen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind ein guter erster Schritt – nicht erst, wenn es „schlimm genug“ erscheint.
Foto von Sergey Torbik: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-person-wasser-nass-7365400/