Wer verdient, wenn die KI für dich einkauft?

Stell dir vor, du sagst deinem KI-Assistenten nur noch „bestell mir neue Laufschuhe“ – und er entscheidet, bei wem, zu welchem Preis und über welchen Anbieter. Genau diese Verschiebung sorgt gerade hinter den Kulissen der großen Tech-Konzerne für Nervosität.

Der Streit zwischen Amazon und Meta

Auslöser ist Metas KI-Agent „Muse“, der zunehmend Einkaufsentscheidungen für Nutzer:innen übernimmt und in den App-Store-Charts nach oben geklettert ist – ein Popularitätsschub, der die Machtfrage zwischen den großen Plattformen plötzlich sehr konkret gemacht hat. Amazon blockiert die Integration von Muse in seine Plattform – ein Schritt, der auf den ersten Blick kundenfeindlich wirkt, aber eine klare wirtschaftliche Logik hat: Ein Assistent, der ohne Zugriff auf Amazons Sortiment auskommen muss, ist für viele Nutzer:innen schlicht weniger nützlich. Amazon kann sich diese Blockade leisten, weil die eigene Plattform durch jahrelange Einkaufsgewohnheiten kaum zu umgehen ist.

Wer stattdessen mitspielt

Anders positionieren sich Shopify, Toast und Square: Sie öffnen sich aktiv für KI-Einkaufsagenten und geben ihnen Zugriff auf die Sortimente angeschlossener Händler:innen. Der Grund ist simpel – diese Anbieter verdienen ihr Geld über Software und Zahlungsabwicklung, nicht über Werbeplätze auf einem Marktplatz. Auch der Lieferdienst Instacart hat sich für Muse geöffnet, weil er im Vergleich zu Amazon deutlich weniger auf tief verankerte Einkaufsgewohnheiten seiner Nutzer:innen bauen kann und von neuen Zugangswegen eher profitiert als verliert.

Worum es beim Geld eigentlich geht

Die Größenordnung, um die es dabei geht, ist enorm: Amazon erwirtschaftete 2025 rund 69 Milliarden Dollar Werbeeinnahmen – bei einer geschätzten Gewinnmarge von etwa 70 Prozent. Zum Vergleich: Der operative Gewinn des Konzerns ohne das Cloud-Geschäft AWS lag bei rund 34 Milliarden Dollar. Allein Alphabet und Meta kommen zusammen auf geschätzte 500 Milliarden Dollar Werbeeinnahmen, wie eine aktuelle Analyse zur Frage „Wer verdient, wenn KI einkauft“ zeigt. Wenn ein KI-Agent die Kaufentscheidung trifft, bevor du überhaupt eine Werbeanzeige siehst, fällt genau dieses Geschäftsmodell in sich zusammen – ohne dass die Agenten dafür eigene Lagerhäuser oder Lieferflotten bräuchten. Sie müssen nur noch zur ersten Anlaufstelle für die Kaufentscheidung werden.

Was das für dich als Konsument:in bedeutet

Kurzfristig klingt „die KI entscheidet, wo ich am günstigsten einkaufe“ nach einem Vorteil für dich – ähnlich wie bei anderen digitalen Trends rund ums Online-Shopping. Langfristig lohnt sich aber die Frage, nach welchen Kriterien ein Assistent diese Entscheidung eigentlich trifft – nach dem besten Preis für dich, oder nach der besten Provision für den Anbieter dahinter? Je mehr Kaufentscheidungen an Agenten ausgelagert werden, desto wichtiger wird Transparenz darüber, wer am Ende woran verdient.

Eine neue Form von Marktmacht

Bisher konntest du selbst entscheiden, ob dich eine Werbeanzeige überzeugt oder nicht. Wenn stattdessen ein Assistent für dich vorsortiert, verschiebt sich diese Kontrolle unsichtbar – du siehst am Ende vielleicht gar nicht mehr, welche Optionen es überhaupt gegeben hätte, sondern nur noch die eine, die dir vorgeschlagen wird. Genau das macht die Frage „wer verdient woran“ zu mehr als nur einem Wirtschaftsthema für Analyst:innen – sie ist Teil des größeren technologischen Wandels, der 2026 alles verändert – und entscheidet mit darüber, wie viel Marktmacht du beim Einkaufen künftig noch selbst in der Hand hast.

Foto von Cup of Couple: https://www.pexels.com/de-de/foto/laptop-macbook-pro-computer-couch-6956903/