Die (begrenzte) Kreativität der Dozent*innen im Online-Studium

Was für Fernstudierende schon lange Gewohnheit ist, gilt jetzt für alle: Vorlesungen, Seminare und Übungen finden im Sommersemester online statt. Klar, dadurch verpasst man einiges – den Kontakt zu den Kommiliton*innen, die konzentrierte Lernumgebung und das günstige Mensa-Essen. Aber es ist für Universitäten auch eine Chance, endlich zum technischen Status-Quo aufzuschließen und für Dozierende, sich in der Online-Lehre kreativ auszutoben. Die Dozent*innen nehmen dieses Angebot mal mehr, mal weniger euphorisch an. Unter diesen 5 Typen findet ihr bestimmt einige eurer Dozent*innen wieder.

„Findus, runter vom Tisch!“

Ob Kapuzenpulli, das benutzte Geschirr vom Mittagessen oder das unaufgeräumte Wohnzimmer im Hintergrund: Diese*r Dozent*in hat nichts zu verbergen und erwartet von den Studierenden natürlich genau dasselbe – ganz ohne Verkleidung, Makeup und virtuelle Hintergründe. Im Videochat schafft das trotz der räumlichen Distanz Nähe, gegenseitiges Vertrauen und im besten Fall ein gutes Lernverhältnis. Manch einer findet zu viel offengelegte Privatsphäre der Respektperson vielleicht abschreckend. Aber es ist schon sympathisch, wenn im Hintergrund die Kinder spielen oder plötzlich eine Katze vor der Kamera sitzt. Die Aufmerksamkeit der Student*innen erreicht man damit auf jeden Fall sofort. 

„Deal with it.“

Das komplette Gegenteil ist der Dozierende, der im Online-Portal nur seine veralteten Vorlesungsfolien hochlädt – ohne Kommentar und ohne Liebe. Ob der Dozierende das Konzept der Online-Lehre noch nicht ganz verstanden hat oder einfach zu faul für mehr Kreativität ist, bleibt offen.

„Es war einmal, vor langer Zeit …“

Bei diesem Dozierenden bleibt die Kamera grundsätzlich aus. Ein Vorteil für den Dozierenden, der aus seinem Privatleben höchstens Geräusche preisgibt. Das Visuelle bleibt der Vorstellungskraft der Zuhörer überlassen. Das Bild des Gegenübers definiert sich alleine über die Akustik – und teilweise auch der Lernerfolg der Student*innen. Während man einer sanften Hörbuchstimme gerne zuhört, lässt die Konzentration bei zu viel Monotonie schon mal nach. Aber kein Problem – sieht sowieso niemand, dass deine Augen zu sind.

„HeutegehtesumdieKostenNutzenAnalyse.“

Die typische Form der Online-Vorlesung findet nicht (nur) live statt, sondern wird vom Dozierenden aufgezeichnet und hochgeladen. Ein Vorteil dabei: Im Gegensatz zur Präsenzveranstaltung kann man die Geschwindigkeit einfach verdoppeln, um bei zu langen und monotonen Vorträgen ein wenig Zeit zu sparen, die man stattdessen in schönere Dinge investieren kann.

„Ich bin immer für euch da!“

Der letzte Typ ist das Idealbild eines Online-Dozierenden: Verständliche Erklär-Videos, Seminare, in denen man auf entspannter, aber trotzdem professioneller Ebene miteinander interagieren kann und die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen und eine schnelle, freundliche Antwort zu erhalten. Ach, es wäre so schön, wenn es diesen Dozierenden wirklich geben würde. Aber der bleibt wohl nur eine Traumvorstellung. 

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Bildquelle: Pexels

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