Die Maske als Befreiung: Warum wir an Fasching oft echter sind als im Alltag
Bunte Perücken, aufwendiges Make-up und Kostüme, die alles andere als dezent sind – Fasching gilt auf den ersten Blick als die Zeit der maximalen Verstellung. Doch wer genauer hinschaut, bemerkt ein faszinierendes psychologisches Paradoxon: Unter der Maske zeigen wir oft mehr von unserem wahren Kern als in der durchgeplanten Ästhetik unseres Alltags. Warum brauchen wir eigentlich eine Verkleidung, um die Maske der täglichen Routine fallen zu lassen?
Von der zeitjung-Redaktion
Der „Shield-Effect“: Schutz durch Sichtbarkeit
„Man verbirgt sich ein bisschen hinter dem, was man darstellt und wird dadurch erst richtig frei“, erzählt uns ein Passant in der Münchner Innenstadt. Diese Beobachtung trifft den Nagel auf den Kopf. In der Psychologie spricht man in diesem Zusammenhang oft von Deindividuation: Wenn unsere persönliche Identität hinter einem Kostüm zurücktritt, sinkt die soziale Hemmschwelle.
Wer als Astronaut oder Waldfee unterwegs ist, verlässt für einen Moment sein ziviles Gefängnis aus „Das macht man nicht“ und „Was denken die anderen?“. Das Kostüm fungiert als psychologischer Schutzschild. Weil wir nicht sofort als wir selbst erkannt werden, trauen wir uns an unsere Grenzen, gehen offener auf Fremde zu und sind paradoxerweise ehrlicher in unseren Reaktionen.
Das digitale Wohnzimmer: Wo die Realness zu Hause ist
Diese Sehnsucht nach dem Ungefilterten ist schon lange kein rein analoges Phänomen mehr. Wir sind zunehmend müde von einer digitalen Welt, in der Perfektion zur Pflicht geworden ist. Doch genau hier entsteht eine interessante Parallele zum Fasching: So wie das Kostüm uns auf der Straße schützt, suchen wir auch online nach Räumen, die uns die Freiheit geben, unperfekt zu sein. Wer heute nach echter „Realness“ sucht, wird nicht mehr in statischen Feeds fündig, sondern auf Snapchat – einem Ort, der sich wie ein digitales Wohnzimmer anfühlt. Es ist ein privater Safe Space, an dem die Tür zu ist und man die Füße auf den Tisch legen darf.
Dass diese Sehnsucht nach echten Momenten gerade dort gestillt wird, wo Authentizität höher gewichtet wird als Ästhetik, bestätigen auch jene, die täglich im Rampenlicht stehen. Für Creator wie Marvynmagnificent ist Snapchat als Rückzugsort essenziell geworden, weil die App genau das bietet, was wir uns im Alltag oft verwehren – einen Raum ohne Urteil:
„Auf Snapchat kann man sich einfach fallenlassen und man selbst sein, alles raushauen, ohne dass man beurteilt wird – und die Zuschauer feiern es, genau so wie ich. Darf man noch einfach ungefiltert leben!? Ja, darf man. Auf Snapchat.“
Marvynmagnificent



Die Kraft des Augenblicks: „No Regrets“
Ein entscheidender Faktor für diese neue Ehrlichkeit ist die Vergänglichkeit. Wenn Momente –genau wie die Faschingsnacht selbst – flüchtig sind, sinkt die Angst vor Fehlern. Auf Snapchat zählt das „Jetzt“, nicht die Ewigkeit. Twenty4tim bringt auf den Punkt, warum diese Kurzlebigkeit den Druck nimmt, ein perfektes digitales Denkmal schaffen zu müssen:
„Ich liebe es, dass Snaps bzw. Storys auch relativ schnell wieder verschwinden, HAHA. Man ist irgendwie bereit, mehr Realität zu zeigen & hat einfach Spaß beim Posten. Und gerade DAS sollte ja am wichtigsten sein!“
Twenty4tim


Durch dieses Prinzip der Flüchtigkeit wird Snapchat zum digitalen Gegenentwurf zum durchgestylten Alltag. Man postet nicht für die Galerie, sondern für den Moment. Auch für Cengkooo ist genau das die Basis für eine echte Verbindung zu seiner Community. Er hat den Drang zur Perfektion längst hinter sich gelassen und nutzt die intuitive Einfachheit der App:
„Besonders auf Snapchat spame ich einfach jedes Video und jedes Bild rein, ohne darüber nachzudenken. Man kann schnell ein Video machen, es muss nicht unbedingt 4K sein – nicht viel nachdenken, einfach machen.“
Cengkooo



Fasching als jährlicher Systemcheck
Letztlich ist Fasching weit mehr als nur eine Party: Es ist eine kollektive Ausrede, um wieder Mensch sein zu dürfen. Er erinnert uns daran, dass wir die Fähigkeit zur Spontanität und Offenheit das ganze Jahr über in uns tragen, sie aber oft unter einer dicken Schicht aus „Funktionieren“ begraben.
Ob wir nun mit einer roten Nase durch München ziehen oder den ungeschönten Schnappschuss der Nacht direkt in die private Gruppe bei Snapchat schicken: Der Trend geht weg von der sterilen Inszenierung hin zur Erlebbarkeit. Wir brauchen eigentlich kein Kostüm, um ehrlich zu sein, aber es ist ein verdammt gutes Training, um die Masken des Alltags hin und wieder auch ohne Anlass abzusetzen.
Was meinst du: Bist du im Kostüm ehrlicher zu dir selbst? Und welcher Faschings-Moment landet garantiert nur in deiner privaten Gruppe auf Snapchat, weil er für die Öffentlichkeit „zu viel“ wäre? Schau dir unser Video an und schreib uns deine Meinung in die Kommentare!
Image by Marcus Riesterer from Pixabay