Glücklich ohne Beziehung: Neue Studie zeigt, wie zufrieden Langzeit-Singles wirklich sind
Lange Single zu sein heißt nicht automatisch, unzufrieden zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im „Personality and Social Psychology Bulletin“, über die PsyPost am 11. Oktober berichtet hat: Rund 90 Prozent der untersuchten Singles blieben über elf Jahre bei ihrer Lebenszufriedenheit oberhalb der Skalenmitte.
Wen die Studie untersucht hat
Ein Team um die Doktorandin Elaine Hoan von der University of Toronto, mit Geoff MacDonald und Matthew D. Johnson, wertete Daten des German Family Panel aus. Sie umfassen 2.930 Erwachsene in Deutschland, die von 2009 bis 2021 jährlich befragt wurden, also elfmal. Die Teilnehmenden gehören zu drei Kohorten, die zu Beginn etwa 18, 26 und 36 Jahre alt waren. Einbezogen wurden nur Menschen, die in allen elf Befragungen nie verheiratet waren und keinen festen Partner hatten.
Was sie gefunden haben
Etwa 90 Prozent jeder Kohorte blieben über die gesamte Zeit bei der Lebenszufriedenheit über der Skalenmitte. Bei den beiden jüngeren Gruppen sank sie leicht. Eine kleine Minderheit startete niedriger, bei den Jüngeren verbesserte sich ihr Wert mit der Zeit, bei den Mittelalten sank er leicht, aber nicht signifikant. Das Studiendesign begleitet dieselben Menschen über Jahre. So lässt sich verfolgen, wie sich Zufriedenheit entwickelt, statt nur eine Momentaufnahme zu zeigen. Hoan beschreibt die Zufriedenheit der Singles laut PsyPost als bemerkenswert stabil. Bei der Zufriedenheit mit dem Single-Sein bildeten sich bei den jungen und mittelalten Erwachsenen drei Gruppen: hoch zufrieden (etwa 30 bzw. 37 Prozent), mittel und niedrig (etwa 12 bzw. 18 Prozent).
Die sexuelle Zufriedenheit blieb über die Zeit konstant, die Ausgangswerte unterschieden sich aber stark. Bei den jungen Erwachsenen zeigten sich zwei Gruppen: rund 63 Prozent mit moderater und rund 37 Prozent mit sehr niedriger sexueller Zufriedenheit. Etwa 47 Prozent dieser Altersgruppe wünschten sich stark eine Partnerschaft. Die Gruppen mit dem höchsten Wohlbefinden waren häufiger vollzeitbeschäftigt und höher gebildet, höher Gebildete fanden sich allerdings auch häufiger in den Gruppen mit der geringsten sexuellen Zufriedenheit.
Was die Studie nicht zeigt
Die Daten sind korrelativ. Persönlichkeit, Bildung und Einkommen lassen sich nicht als Ursachen belegen, und „Single“ wurde weit gefasst: Gelegentliches Dating und völlige Enthaltsamkeit liefen in einer Gruppe zusammen, die Ergebnisse änderten sich laut Autor*innen aber kaum, als kurze Dates ausgeschlossen wurden. Untersucht wurde nur Deutschland, die ältesten Teilnehmenden waren Ende vierzig. Gleichgeschlechtlich orientierte Menschen waren mit 65 Teilnehmenden zu wenige für einen eigenen Vergleich. Nach Hoans Einschätzung ist ein höherer sozioökonomischer Status ein wichtiger Teil eines guten Single-Lebens. Sie verweist laut PsyPost außerdem darauf, dass Kulturen sehr unterschiedliche Normen rund um das Single-Sein haben, die Ergebnisse also nicht einfach auf andere Länder übertragbar sind. Untersucht wurden zudem nur Singles. Ob eine Partnerschaft zufriedener macht, kann die Studie deshalb nicht beantworten, dafür fehlt der Vergleich mit Menschen in Beziehungen.
Die Studie verklärt das Alleinleben also nicht, und sie wertet es nicht ab. Ein kleinerer Teil war über Jahre unzufrieden mit dem Single-Sein, und die Zahlen sagen nichts über den Einzelfall. Wenn dich Einsamkeit belastet, ist die Telefonseelsorge kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar. Die Angaben stammen aus der Berichterstattung von PsyPost über die Studie.
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