17 Business-Bullshit-Phrasen und was sie wirklich bedeuten

Es gibt Sätze, die im Büro ungefähr so viel Information transportieren wie ein leeres PowerPoint-Deck. Trotzdem werden sie täglich gesagt. „Lass uns das noch einmal challengen.“ „Wir müssen das ganzheitlich denken.“ „Da müssen wir einen Quick Win identifizieren.“ Aha. Aber was bedeutet das eigentlich?

Wir haben 17 besonders beliebte Business-Bullshit-Phrasen aus dem Büroalltag gesammelt und endlich ins Deutsche übersetzt. Also in eine Sprache, in der Menschen tatsächlich miteinander reden.

1. „Lass uns das challengen.“

Übersetzung: Ich bin dagegen, möchte aber nicht sagen, warum.

Früher hätte man einfach gesagt: „Ich glaube, das ist keine gute Idee.“ Heute wird die Idee erst einmal „challenged“. Das klingt sportlicher und verschiebt die Verantwortung elegant vom Menschen auf das Konzept.

Fortgeschrittene Variante: „Wir sollten den Status quo challengen.“

2. „Das ist ein Quick Win.“

Übersetzung: Das sollte eigentlich längst erledigt sein.

Der Quick Win ist der kleine Erfolg, den man in fünf Minuten erledigen könnte – wenn nicht sieben Meetings, drei Freigabeschleifen und ein Excel-Sheet namens „Quick_Win_FINAL_final2.xlsx“ dazwischenkämen.

3. „Wir müssen ganzheitlich denken.“

Übersetzung: Wir haben noch keine Ahnung, was wir tun.

„Ganzheitlich“ ist praktisch das Yoga der Unternehmenssprache: Klingt nach Balance, innerer Mitte und einem Blick aufs große Ganze. Konkrete nächste Schritte? Eher nicht.

4. „Da sehe ich Synergien.“

Übersetzung: Keine Ahnung, aber es klingt teuer.

Synergien sind das Einhorn des Managements. Jeder spricht davon, niemand hat sie je gesehen. Besonders häufig treten sie auf, wenn zwei Abteilungen zusammengelegt werden und am Ende eine Person die Arbeit von drei Menschen macht.

5. „Wir müssen da noch einmal einen Deep Dive machen.“

Übersetzung: Wir haben uns das angesehen und nichts verstanden.

Ein Deep Dive klingt nach Erkenntnis. In der Praxis bedeutet er oft: Noch zwei Meetings, eine neue Präsentation und am Ende dieselbe Frage wie vorher.

6. „Lass uns das bilateral besprechen.“

Übersetzung: Ich möchte nicht, dass die anderen hören, was ich dir jetzt sage.

„Bilateral“ ist die elegante Business-Variante von: „Komm mal kurz mit.“ Idealerweise findet das Gespräch auf dem Flur statt, wo beide so tun, als wäre es zufällig.

7. „Wir müssen unsere Ressourcen bündeln.“

Übersetzung: Ihr müsst mehr Arbeit mit weniger Leuten schaffen.

Ressourcen sind übrigens Menschen. Aber „Menschen“ klingt im Business-Kontext offenbar zu menschlich. Ressourcen können gebündelt, skaliert und optimiert werden. Manchmal auch „freigesetzt“.

8. „Das ist nicht in meinem Scope.“

Übersetzung: Nicht mein Problem.

Eine der wertvollsten Phrasen im Büro. Kurz, professionell und mit eingebauter Schutzfunktion. Wer seinen „Scope“ kennt, weiß zumindest, wo seine Zuständigkeit endet – meistens ungefähr 30 Zentimeter vor der eigentlichen Verantwortung.

9. „Wir müssen da Ownership zeigen.“

Übersetzung: Irgendjemand muss jetzt seinen Kopf hinhalten.

Ownership klingt nach Unternehmergeist, Verantwortung und Start-up-Energie. Häufig bedeutet es schlicht: Wenn es klappt, war es Teamwork. Wenn es schiefgeht, hattest du Ownership.

10. „Das nehmen wir mit.“

Übersetzung: Wir werden wahrscheinlich nie wieder darüber sprechen.

Der Satz ist besonders beliebt am Ende von Meetings. Er erzeugt das angenehme Gefühl, dass gerade etwas beschlossen wurde, ohne tatsächlich irgendetwas beschließen zu müssen.

11. „Lasst uns das pragmatisch lösen.“

Übersetzung: Wir haben keine Zeit mehr, die Regeln zu beachten.

Pragmatismus ist großartig. Vor allem dann, wenn eine Deadline in zwei Stunden endet und plötzlich niemand mehr weiß, wer eigentlich für das Problem zuständig ist.

12. „Wir müssen skalierbar denken.“

Übersetzung: Bitte baut jetzt etwas, das später viel größer werden könnte. Ob es überhaupt funktioniert, klären wir später.

Besonders beliebt bei Start-ups. Dort kann theoretisch alles skalieren: der Umsatz, die Community, die Plattform – und natürlich der Kaffee-Konsum des Teams.

13. „Das ist ein No-Brainer.“

Übersetzung: Wenn du anderer Meinung bist, bist du offenbar der Brainer.

Ein No-Brainer ist eine Entscheidung, die so offensichtlich richtig ist, dass man gar nicht darüber nachdenken muss. Interessanterweise wird sie trotzdem meistens in einem 90-minütigen Termin diskutiert.

14. „Wir müssen die Stakeholder abholen.“

Übersetzung: Wir müssen noch sechs Menschen fragen, die eigentlich gar nicht zuständig sind.

Stakeholder abzuholen klingt ein bisschen wie eine organisierte Gruppenreise. In Wahrheit sitzt man danach oft in einem Raum mit Menschen, die seit 45 Minuten erklären, warum sie damals schon gesagt haben, dass das so nicht funktionieren wird.

15. „Wir drehen noch einmal eine Schleife.“

Übersetzung: Zurück auf Anfang.

Die Schleife ist das natürliche Habitat des Projekts. Man dreht sie, wenn jemand kurz vor der Fertigstellung einfällt, dass „das Ganze eigentlich noch einmal anders gedacht werden sollte“.

16. „Wir müssen in den Austausch gehen.“

Übersetzung: Wir müssen miteinander reden.

Warum einfach, wenn es kompliziert geht? „Reden“ klingt schließlich nach einem normalen menschlichen Vorgang. „In den Austausch gehen“ hingegen klingt nach einem Workshop mit Moderationskarten und einem Budget.

17. „Am Ende müssen wir alle an einem Strang ziehen.“

Übersetzung: Bitte widersprich mir nicht mehr.

Der Satz wird meistens dann verwendet, wenn die Diskussion eigentlich schon vorbei ist, aber noch jemand eine unangenehme Frage gestellt hat. Alle ziehen am gleichen Strang. Wohin? Das weiß niemand so genau. Hauptsache, gemeinsam.

Und was sagen wir jetzt?

Natürlich ist nicht jede Business-Phrase automatisch Bullshit. „Synergie“ kann tatsächlich etwas bedeuten. „Stakeholder“ sind reale Menschen. Und manchmal ist ein „Quick Win“ wirklich schnell erledigt.

Das Problem beginnt dort, wo Business-Sprech konkrete Aussagen ersetzt. Denn hinter fast jeder dieser Phrasen steckt eigentlich ein ganz normaler deutscher Satz.

Man könnte also sagen: „Lass uns das challengen“ – oder einfach: „Ich finde die Idee nicht gut.“

„Wir müssen Ressourcen bündeln“ – oder: „Wir haben zu wenig Leute.“

Und statt „Wir nehmen das mit“ könnte man sogar ehrlich sagen: „Ich schreibe mir das auf und kümmere mich darum.“

Das wäre dann allerdings ziemlich konkret.

Und wer weiß, vielleicht sogar ein Quick Win.

Foto von Edmond Dantès: https://www.pexels.com/de-de/foto/buro-manner-frauen-verbindung-4342497/