„One Night at KitKat“: Was die neue ARD-Doku über Grenzen und Freiheit im Berliner Club zeigt
Wer passt eigentlich auf, wenn in einem Club niemand ein Handy dabeihat? Kein Foto, kein Video, kein Beweis am nächsten Morgen: Für die einen klingt das nach Freiheit, für die anderen nach einer offenen Frage. Genau um diese Gratwanderung geht es in einer neuen ARD-Dokumentation über den Berliner KitKatClub.
Ein Club ohne Kameras
„One Night at KitKat“ (Regie: Mohsen Najafimehri und Diba Darbari, 70 Minuten) ist seit Ende September 2026 in der ARD Mediathek abrufbar. Die Dokumentation ist ab 16 Jahren freigegeben, da nackte Menschen und sexuelle Inhalte im dokumentarischen Kontext gezeigt werden. In der Mediathek ist der Film daher entweder mit Alters-Login oder jugendschutzbedingt ohne Login ab 22 Uhr zugänglich.
Der KitKatClub verbietet Kameras und Smartphones strikt, Handys müssen am Eingang abgegeben werden. Für die Doku durfte ein Filmteam jedoch während einer laufenden Veranstaltung drehen und Menschen aus der Szene begleiten. Ein ähnlich mythenumrankter Berliner Club ist das Berghain – was hinter dessen Türpolitik steckt, haben wir im Artikel Was passiert wirklich im Berghain? eingeordnet.
Wer in der Doku spricht
In der Dokumentation kommen Gäste, Mitarbeitende und die Vereins- bzw. Clubgründung zu Wort. Sie sprechen über Selbstakzeptanz, Gemeinschaft und die Historie des Clubs, verharren aber nicht in Romantisierung: Auch Schattenseiten der Szene werden thematisiert. Unter anderem berichten ein DJ und seine Freundin über Depressionen, Körperbild und neu gewonnenes Selbstvertrauen. Eine frühere Köchin, die heute als Domina arbeitet, spricht über sexuelle Selbstbestimmung und zeigt auf, wo Schutzmechanismen an ihre Grenzen stoßen. Ebenfalls vertreten sind Security-Personal, die Geschäftsführung sowie das neu installierte Awareness-Team.
Freiheit und Sicherheit im selben Raum
Der rote Faden des Films zieht sich entlang einer zentralen Frage: Wie lässt sich in einem Club Freiraum gewähren und gleichzeitig maximale Sicherheit garantieren? Es geht um Vertrauen, klare Kommunikation und gegenseitigen Respekt. Auch Grenzüberschreitungen werden von den Protagonist*innen offen angesprochen.
Ein wichtiger Baustein der Sicherheitsstruktur ist das Awareness-Team, das in der Doku von seinen Einsätzen berichtet – während eine Mitarbeiterin die Einführung kritisch hinterfragt. Das Grundprinzip im Club bleibt Konsens: Alle Beteiligten müssen aktiv zustimmen, ein Nein gilt ausnahmslos und zu jedem Zeitpunkt. Das gilt in Kink- und Fetisch-Clubs genauso wie auf jeder anderen Party.
Hinschauen ohne zu bewerten
Die Regie verzichtet darauf, die gezeigte Szene voyeuristisch zu bewerten oder zu verurteilen. Durch die Vielstimmigkeit – von Gästen über Türsteher bis hin zu internen Kritiker*innen – entsteht ein differenziertes Bild mit all seinen Regeln und Brüchen.
Die Fragen, die der Film aufwirft, betreffen letztlich jeden Feierabend: Wer achtet auf persönliche Grenzen? Wie wird ein Nein kommuniziert und wahrgenommen? Warum Nachtkultur als Schutzraum generell erhaltenswert ist, liest du auch in unserem Appell Rettet eure Lieblingsclubs!.
Wenn dich Themen wie Mental Health, Körperbild oder depressive Phasen beschäftigen, gibt es kostenfreie und anonyme Anlaufstellen: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 erreichbar.
Foto von Duren Williams: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-model-liegend-liegen-22813632/
